„Wir machen Kunst – und keiner merkts“

Wann? 27.10.2016 20:00 Uhr

Wo? Kulturhaus 73, Schulterblatt 73, 20357 Hamburg DE
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Das Tourmotto
 
Schiller Killer und Hirschwahn
Hamburg: Kulturhaus 73 |

„Wir machen Kunst – und keiner merkts“, so lautet ihr Tourmotto. Jedes Jahr im Herbst geht die Hamburger Improvisationstheatergruppe Schiller Killer auf Tournee, diesmal wurden die Schweiz und Schwaben bereist. Am Donnerstag folgt das Heimfinale.

Der erste Auftritt fand am vergangenen Donnerstag in Aarau statt. Die 20.000-Einwohner-Stadt mit dem malerischen Ortskern liegt etwa 40 Kilometer westlich von Zürich, ist die Hauptstadt des Kantons Aargau und war im 18. Jahrhundert auch einmal kurz Schweizer Hauptstadt. Preislich ist das Land ein teures Pflaster: 4 Euro für ein Dosenbier, 11 Euro für einen Döner, so sind die Verhältnisse. Entsprechend beträgt der Preis eines Billets für die Show 15 Fränkli, auch wenn diese Währungsbezeichnung nur von Deutschen verwendet wird. Im Jugendhaus Flösserplatz treten die Schiller Killer in einem Match gegen die Lokalmatadoren der Gruppe Hirschwahn an, die im März zu Gast in Hamburg waren. In einer „Show der Gegensätze“ gibt es Szenen mit viel Bewegung, ebenso wie solche mit viel Sprachakrobatik zu sehen. Die (spontan erfundene) Band Currywurst stellt als Vertreter der Hamburger Schule ihr umfangreiches Repertoire aus Hip Hop, Rock, Reggae und Schlager-Ballade vor. Das „Schizo-Date“ ist ein Spielformat, bei dem ein Charakter von mehreren verschiedenen Schauspielern gespielt wird, die den Fokus auf je eine bestimmte Charaktereigenschaft bzw. Verhaltensauffälligkeit legen. Hierfür wünscht sich das Publikum an diesem Abend die Charaktereigenschaft „Schweizer“. So muss nun ein Schiller Killer einen schweizerischen Hundefriseur spielen, der sich zwar der Neutralität verpflichtet fühlt, aber bei einer Verschmutzung des Hündlis droht, diesen auszuschaffen. Das Publikum lacht begeistert. Auch wenn der Hamburger hinterher darauf hingewiesen wird, dass das Wort „Gaudi“ im Schweizerischen nicht vorkommt. Schiller Killer gewinnt am Ende das Match knapp mit 34 zu 32 Punkten.

Am nächsten Tag geht es an Rheinfall und Bodensee vorbei nach Ulm, einer Stadt im Schwabenland, welches laut Wikipedia ein Gebiet ist, dessen Umfang „heute diffus und territorial nicht fassbar“ ist. In Ulm werden kurz die höchste Kirche der Welt bestaunt und ein paar Maultaschen gegessen, bis es im Orangenen Salon der Volkshochschule um die Goldene Banane geht. Zusammen mit der lokalen Gruppe Showbuddies werden an diesem Abend verschiedene Geschichten im Langformformat präsentiert. Das Publikum darf entscheiden, welche bis zum Ende gespielt wird. So gibt es die Auswahl zwischen der Marktfrau, die Probleme mit der Geiz-Polizei hat, den Zwergen, die in ihrem Wald von einem Grizzlybär heimgesucht werden, der Versöhnung zwischen zwei verfeindeten Weltkriegsveteranen und einem Liebesduell zwischen zwei Einhörnern. Die Zwerge und der Grizzly setzen sich durch, der für die Geschichte zuständige Regisseur von den Schiller Killern erhält die begehrte Goldene Banane.

Am vergangenen Samstag steht nun Augsburg, die Hauptstadt des bayerischen Teils von Schwaben auf dem Programm. Die Schiller Killer verspeisen zunächst Laugenbrezel und Käsespätzle und bewundern auf einem Stadtrundgang den „König von Augsburg“, ein Original der Stadt, der sich vor dem Renaissance-Rathaus postiert hat. Die Show findet im Café Tür an Tür statt, gemeinsam mit der Augsburger Gruppe Deschawüh. Dargestellt wird unter anderem die Geschichte von Maria, die sich vorgenommen hat, ein Pasta-Imperium in Casablanca aufzubauen, sich dabei aber gegen ihren Gegenspieler Luigi durchsetzen muss, der eine Tomatensaucenrutsche übers Mittelmeer gebaut hat. Der Ausflug eines Mannes aus dem Publikum, welcher ihn auf die Hamburger Reeperbahn geführt hat, wird als Traum und als Albtraum nachgestellt. Beim Szenenformat „Drei Leichen“, berichten drei Tote über die Art und Umstände ihres Sterbens. Hierfür wird an diesem Abend nach einem Ort in Augsburg gefragt, der verrucht ist und an dem viele Morde geschehen. „Die Kneipe Brez´n“, heißt es einhellig aus dem Publikum. Klare Sache, dass nach dem Auftritt die Schiller Killer in besagtem Brez´n einkehren. Doch dort geht es vergleichsweise gesittet zu und keine Leichen sind zu sehen. Somit erweist sich die Realität mal wieder als langweiliger als die Fiktion. Gut, dass man aus dieser Realität auch mal ausbrechen kann.

Am Donnerstag um 20 Uhr wird das Tourfinale im Kulturhaus 73 im Schanzenviertel aufgeführt. Einlass ist ab 19:30, Eintrittpreis 8 €, ermäßigt 6 €.
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