50 Jahre lang am Becken

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Peter Götze im Schwimmbad Ohlsdorf, seinem „zweiten Zuhause“ Foto: Thomas Hoyer

Schwimmtrainer Peter Götze geht in Ruhestand

Ohlsdorf Eine erfolgreiche Karriere neigt sich in diesen Wochen langsam dem Ende zu. Peter Götze, Trainer des Hamburger Schwimm-Clubs, legt nach über 50 Jahren die Stoppuhr beiseite. Peter Götze wurde 1939 in Hamburg-Hamm geboren. Als alliierte Bomber den Stadtteil vier Jahre später in Schutt und Asche legten, wurde seine Familie nach Königsmark evakuiert und fand schließlich Ende 1945 bei Verwandten in Meldorf (Schleswig-Holstein) ein neues Zuhause. Zum Schwimmen kam Götze eher durch einen Zufall. Als Turner brach er sich mit 19 Jahren bei einem Flick-flack das Handgelenk. Eine Fraktur, die der Arzt zunächst allerdings nicht erkannte, sondern als Verstauchung diagnostizierte und erst ein halbes Jahr später eingegipst und richtig behandelt hatte. „Mein Abitur musste ich sogar mit links schreiben“, erinnert sich Götze schmunzelnd, der nach endgültiger Genesung zum Schwimmen wechselte, einmal in der Woche in Itzehoe trainierte und bei „Landesmeisterschaften für Vereine ohne Winterbad“ einige gute Platzierungen erreichte.

Talentesucher


Nach seinem Abitur zog Peter Götze nach Hamburg, um Englisch und Sport fürs Lehramt zu studieren. Zugleich schloss er sich dem Eimsbütteler TV an, wo er den damaligen Trainer bei seiner Arbeit unterstützte, aber nicht in dessen Fußstapfen treten durfte, als dieser nach Australien auswanderte. Daraufhin bewarb sich Götze 1965 erfolgreich auf eine Annonce des Hamburger Schwimm-Clubs, wo er das Training der Herren übernahm, die bis dahin quasi im Schatten der Schwimmerinnen gestanden hatten. Im Laufe der Jahre entdeckte Peter Götze, der sich zum Bürokaufmann umschulen ließ und bis zur Rente für die GEMA arbeitete, immer wieder talentierte Schwimmer, die ihm sein Engagement mit zahlreichen Meisterschaften und Medaillen dankten wie zum Beispiel Andreas Hümpel, Jan Hinsch oder Axel Schmidt. Delphinspezialist Carsten Hoffmann, den er von Kind an betreute, verpasste als Dritter der Deutschen Meisterschaften über die 200-Meter-Distanz nur knapp die Qualifikation für die Olympischen Spiele 1988. „Damals wollte mich auch unser früherer Verbandstrainer Jürgen Greve mit ins Boot holen, um ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen“, erinnert sich Peter Götze. „Doch eine solche Tätigkeit wäre bei ausbleibendem Erfolg ein Schleudersitz gewesen.“
Auch die Schwimmsenioren, heute „Masters“ genannt, wurden von Götze, seit 1981 Mitglied der Deutschen Schwimmtrainer-Vereinigung, bis zuletzt betreut, unter ihnen Marit Breitfeld, die 2010 einen neuen Weltrekord der Altersklasse 35 über 200 Meter Brust aufstellte oder die mehrfache Deutsche Meisterin Anke Klatt, Mitarbeiterin der HSC-Geschäftsführung.
Peter Götze hat während seiner Karriere als Trainer immer besonders großen Wert auf Kontinuität gelegt, für ihn die Voraussetzung für Qualität. „Ich kann nicht verstehen, dass Trainer bei Ballsportarten schon nach einigen Niederlagen ausgewechselt werden. Wie soll man da etwas aufbauen?“ wundert sich der bescheidene Ohlsdorfer, der nur wenige Minuten vom Hallenbad entfernt wohnt. Götze war nie ein autoritärer Trainer und auch kein Verfechter des gnadenlosen Leistungsprinzips. Gute Zeiten mit der Brechstange erzwingen, war ihm fremd. „Trainingsprogramme zu gestalten und durchzuführen, habe ich immer nur als einen Aspekt meines Jobs gesehen“, erklärt Götze. „Ein Trainer muss auch ein Freund sein, über pädagogische Kenntnisse verfügen, Streitigkeiten schlichten können und medizinisch bewandert sein.“

Jahrelang kein Urlaub


Peter Götze hat sein Traineramt beim HSC offiziell zum 15. März niedergelegt. Aber so ganz ist noch nicht Schluss. Bis zu den Sommerferien hilft er noch als Urlaubsvertretung aus. „Aber das sollte es dann auch gewesen sein“, sagte er. „Ich möchte nicht am Beckenrand tot umfallen.“ Und der 75-jährige freut sich auf seinen endgültigen Ruhestand: „Während meiner Trainerkarriere ist der Urlaub meist zu kurz gekommen, von 1965 bis 1984 blieb dafür aufgrund der verschiedensten Schwimmtermine überhaupt keine Zeit. Das wird in Zukunft anders sein. Ich möchte noch viele schöne Reisen machen.“ (th)
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