Abschied vom Friedhof

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Olaf Krämer ist seit zwölf Jahren Friedhofspastor in Ohlsdorf. Jetzt gibt er nach zwölf Jahren sein Amt abFoto: Thomas Morell/wb

Pastor Olaf Krämers Amtszeit läuft nach zwölf Jahren aus

Von Thomas Morell
Ohlsdorf. Olaf Krämer ist Experte für Beerdigungen. Seit knapp zwölf Jahren ist der 49-Jährige evangelischer Friedhofspastor für Europas größten Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf. Rund 4.000 Verstorbene hat er in dieser Zeit bestattet. Er feiere „unheimlich gern“ Beerdigungen, sagt Krämer. Es sei eine anspruchsvolle Amtshandlung, bei der es um den Kern des menschlichen Lebens geht. Doch jetzt ist Schluss: Ende des Jahres läuft seine Amtszeit aus.
Schon als Jugendlicher in Hamburg wollte er Pastor werden, und seine Abi-Prüfung im Fach Religion handelte von Tod und Sterben. Nach dem Studium wurde er Gemeindepastor in Hamburg-Eilbek und übernahm Anfang 2002 das Pfarramt am Friedhof.
Zuständig für eine Bestattung ist normalerweise der Ortspastor. Es gebe aber immer wieder Angehörige, die keine Trauerfeier mit dem eigenen Gemeindepastor wünschten, weiß Krämer. Manche hätte eine innere Distanz zur eigenen Gemeinde, andere fühlten Scham, wenn der Tote mit Gewalt oder Drogen zu tun gehabt hat. Darüber hinaus gibt es alteingesessene Hamburger, die eine Familien-Grabstätte in Ohlsdorf haben. So hat Krämer auch ehemalige Hamburger beerdigt, die in Neu Delhi, Bogotá oder London gestorben waren.
Die Geschichte seines Pfarramtes reicht bis zur Gründung des Friedhofs 1877. Damals war Ohlsdorf noch ein kleines Dorf. Weil es den Geistlichen nicht zuzumuten war, ganz nach Ohlsdorf zu reisen, wurde hier eine feste Pfarrstelle gegründet.
Krämer ist ein offener, lebendiger Seelsorger, dem seine Arbeit sichtlich Freude bereitet. Das Trauergespräch biete die Chance, sich ganz intensiv dem Gegenüber zu widmen, sagt er. Er empfinde seinen Dienst in besonderer Weise als „sinnvoll“. Mehrere Aktenordner mit positiven Rückmeldungen zeigen, wie intensiv der Kontakt zu den Trauernden ist. Auch seine Gottesdienste im Bestattungsforum an jedem ersten Sonntag im Monat finden regen Zuspruch. Beerdigungen seien immer traurig, so Krämer, aber nicht alle seien „tragisch traurig“. Manchmal sei Stimmung danach auch heiter und gelöst mit „Geschwätz und Scherzchen“. Aber dann gebe es auch wieder Beerdigungen mit tiefer Trauer und Verzweiflung. So habe er vor kurzem einen jungen Mann beerdigt, der mit seinem Motorrad zu Tode gekommen war. „So etwas prallt an mir nicht ab.“
Ein besonderes Interesse hat Krämer an der Vielfalt der Bestattungskultur. Er hält Vorträge darüber und führt Gemeindegruppen über den Friedhof. Krämer selbst legt Wert auf einen traditionellen Ablauf der christlichen Trauerfeier. Bei der Musik ist er allerdings großzügig. So dürfen auch CDs abgespielt werden, wenn die Musik dem würdigen Andenken an den Verstorbenen dient. Nur etwa bei AC/DC „Highway to hell“ (Autobahn zur Hölle) frage er schon mal kritisch nach. Wo er künftig arbeiten wird, ist noch offen. Derzeit läuft die Ausschreibung für seine Nachfolge. (epd)
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