Ach du (lieber) Schwan!

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Der Höckerschwan zeigt natürliches Revierverhalten, er verteidigt das verborgene Nest, auf dem die Partnerin brütet Foto: Haas

Weshalb Hamburgs Wahrzeichen nur sein Revier verteidigt, erklärt Schwanenvater Olaf Nieß

Hamburg-Barmbek Idylle herrschte am Montagmorgen in der Grünanlage an der Osterbekstraße, Ecke Hufnerstraße. Erholungssuchende sonnen sich, dazwischen äsen Graugans-Paare mit ihrem Nachwuchs. Gras ist ihre Lieblingsnahrung. Grünstreifen sind jedoch selten am sonst unzugänglichen, weil hochgemauerten Osterbekkanal. Um die Abfallkörbe türmt sich auch noch der Müll von Grillabenden. Vor ihnen dreht ein Höckerschwan auf dem Wasser seine Runden. Seit Ende April wird er als „Killer“ von Graugans-Gösseln verfemt. Denn ein Facebook-Video zeigt, wie er ein Küken packt und mehrfach untertaucht. Das Gössel überlebte zwar die Attacke.

Link zum Video

Doch das Video des ehrenamtlichen Gänseschützers Simon Hinrichs sorgte weiter für Aufregung: Der Höckerschwan habe den Nachwuchs von fünf Gänsepaaren auf dem Gewissen. Hinrichs forderte gar behördliche Interventionen: Der Schwan müsse mit Familie – sobald dessen Küken geschlüpft seien – vom Osterbekkanal umgesiedelt werden. Denn dieser Schwan sei besonders aggressiv und „kein Wildtier“, seine Flügel seien gestutzt. „Höckerschwäne sind genauso Wildtiere wie Graugänse“, kontert dagegen der amtlich angestellte Schwanenvater Olaf Nieß und deutet auf den Schwan, der mit aufgestellten Flügeln rund um das Nest am nördlichen Ufer schwimmt: bereit zum Angriff.

Damit das Tier seinem Job hier aber „weniger gründlich“ nachgehen könne, habe er ihm zwei Flugfedern der Handschwinge gestutzt. Das bremse ihn etwas beim Auffliegen zu Verfolgungsjagden. „Er zeigt aber ein ganz natürliches Revierverhalten.“ Denn seine Partnerin brütet gerade gut verborgen unter einer hohen Weide, in etwa 14 Tagen schlüpft der Nachwuchs. Auf täglichen Patrouillen überwacht der Schwanenvater auch den Osterbekkanal rund um die Hufnerstraßenbrücke. Von Spaziergängern oder Wassersportlern gäbe es keine Meldungen. Ansonsten werde er zuerst angerufen, wann immer Wasservögeln etwas zustoße, erklärt Olaf Nieß.

Jährlich ist er bei rund 1.200 Einsätzen zur Wildtierrettung unterwegs, per Auto und per Boot. Um den Stress für die weidenden Gänse hier zu reduzieren, baute Nieß an einer Abbruchkante des südlichen Osterbekufers einen Holzzaun: Fliehende Gössel können unten durchschlüpfen und ihren Eltern folgen. Den Schwan hindern die Latten an der Verfolgung. Doch auch auf der Wiese kommt es mitunter zu Stress: Ein Ganter packt derbe mit dem Schnabel ein Gössel, bis er von den laut schnatternden Eltern attackiert wird, das Gössel entkommt. Auch innerhalb einer Art herrschen oft herbe Methoden, die eigene Familie zu verteidigen.

„Ansonsten tummeln sich hier noch freilaufende Hunde, Erholungssuchende und Angler.“ Auch das Zufüttern der vielen Gänse an dieser Stelle bereite Stress, zudem locke es wiederum die Schwäne. „Und unsere Aufgabe ist es, hier zwischen allen Interessengruppen zu vermitteln, um einen vernünftigen Konsens zu erzielen“, sagt der Schwanenvater und lächelt weise. (wh)
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