Ärger über Paketdienst

Anzeige
Michael Mackenstein hat eine Odyssee hinter sich, um an seine DHL-Pakete zu kommen Foto: Barth
 
Die Zustellung in Ohlsdorf war wochenlang offenbar Glückssache. Auch die Benachrichtigungen waren nicht einwandfrei

Ohlsdorfer klagt über Zustell-Wirrwarr bei DHL

Von Daniela Barth
Ohlsdorf. Auch DHL-Paketzusteller machen mal Ferien. Das sei ihnen gegönnt. Aber wenn als Konsequenz Kunden wie Michael Mackenstein auf eine groteske Odyssee geschickt werden, um an ihre Pakete zu kommen, dann läuft da offenbar etwas gründlich schief.
Michael Mackenstein ist passionierter Kunstfotograf, der mit alten Fotoapparaten in Schwarz-Weiß-Technik arbeitet. „Ich muss mir Ersatzteile, Filme oder Zubehör zur Entwicklungstechnik bestellen“, erklärt er. Die gebe es häufig nur noch übers Internet. Vor ein paar Wochen stand dann eine Ausstellung ins Haus, und Michael Mackenstein begann schon vorbereitend Materialien online zu kaufen. „Eigentlich ist die nächstliegende DHL-Filiale nur knapp einen Kilometer von uns entfernt im Eichenlohweg“, sagt Mackenstein, der an der Langenbeckshöh wohnt. Doch Mackenstein, der schon einige Tage auf seine Lieferung wartete, machte eher zufällig eine andere Entdeckung: „Ich musste einen Einschreibebrief in der DHL-Filiale Röntgenstraße (drei Kilometer entfernt) abholen und fragte ganz beiläufig, ob eventuell auch Pakete für mich hier lagerten.“ Die Antwort verschlug ihm „fast die Sprache“: Es waren tatsächlich Sendungen für ihn hinterlegt und sollten demnächst wieder zurückgeschickt werden - denn nach sieben Werktagen Lagerungszeit geht das Paket wieder zurück an den Absender. „Ich hatte im Vorfeld keinerlei Benachrichtigung von der DHL erhalten“, empört sich Mackenstein.
Um diese Erfahrung reicher, beschloss der Hobby-Fotograf, einen Zugang zur DHL-Packstation Eichenlohweg – also für ihn in bequemer Nähe – zu beantragen. Zwar lag diesmal eine Benachrichtigung im Briefkasten, aber er musste wieder zur Röntgenstraße radeln, bekam dort das ersehnte Päckchen mit den Zugangsdaten für die DHL-Packstation Eichenlohweg jedoch nicht ausgehändigt, weil Angaben auf dem Paket nicht mit dem Computereintrag übereinstimmten.
„Ich war richtig stinkig!“, kommentiert Mackenstein. Sein erboster Anruf bei DHL zeigte Wirkung: Einige Tage später hatte er das richtige Päckchen direkt im Briefkasten und war somit glücklicher Besitzer einer DHL-Packstationsadresse. So weit, so gut? Mitnichten. Die nächste Lieferung landete – immerhin mit Benachrichtigungskarte – in der Packstation am Poppenbüttler Weg, über sechs Kilometer entfernt. Mackensteins Beschwerde bei der DHL sei abgebügelt worden, erinnert er sich: Das könne ja mal passieren… Von wegen: auch die nächsten Zustellungen gingen komplett daneben, weder Karte noch SMS hätten ihn darüber informiert, wo sein Kamerazubehör abgeblieben sei. Lediglich durch eigenes Nachforschen bei Absender und im Internet fand er heraus, dass seine Sendung in der Packstation – diesmal in der richtigen – gelagert hatte. Nur leider waren sie schon wieder zurückgeschickt worden. „Auffällig war, dass Einlagerung und Auslagerung am selben Tag stattfanden.“ Diesmal gab man bei der Reklamationstelle den Fehler immerhin zu.

Falsche Auslieferung

Wer nun meint, es könne kaum grotesker werden, der sei hier eines Besseren belehrt: Michael Mackenstein fand eine DHL-Benachrichtigung im Briefkasten: „Ihre Sendung wurde bei Ihrem Wunschnachbarn abgegeben.“ Der geplagte DHL-Kunde freute sich – bis er Namen und Adresse las: Kosmetiksalon Wussow & Wussow am Rübenkamp 246. „Das ist in der Parallelstraße, und bis dahin wusste ich noch nicht mal, dass dieser Kosmetiksalon überhaupt existiert!“ Aber DHL war offenbar der Meinung, dass das Mackensteins „Wunschnachbar“ sei.

Kosmetikstudio als Lager missbraucht

Auf WochenBlatt-Nachfrage bestätigt Andreas Wussow, Besitzer des Kosmetikstudios, dass er „einige Wochen Stapel von DHL-Paketen für Nachbarn“ angenommen habe. Der Zusteller habe zum Beispiel darüber geklagt, dass er unter enormen Zeitdruck stehe und es zudem extrem heiß sei… „Als ich dann gemerkt habe, dass einige der so genannten Nachbarn kilometerweit entfernt wohnen und wir als Paketstation missbraucht werden, habe ich mich bei DHL beschwert. Jetzt werden keine Pakete mehr bei mir abgegeben“, sagt Andreas Wussow. Das sei schon ziemlich frech gewesen, seine Hilfsbereitschaft und Höflichkeit so auszunutzen.
Martin Grundler, Hamburger Sprecher der Deutschen Post AG und DHL, gibt zu: „Ja, in diesem Bereich gab es einige Wochen lang Probleme, weil der Stammzusteller für vier Wochen im Urlaub war.“ Der Aushilfszusteller – der mit Zeitvertrag eingestellt wurde – habe sich auf der Tour nicht ausgekannt und sei wohl auch überfordert gewesen. Der Stammzusteller indes sei sehr zuverlässig und kenne sich in seinem Revier bestens aus. „Wir können uns für die Unannehmlichkeiten nur entschuldigen“, so Grundler. Wie so etwas künftig zu verhindern sei, kann der Postsprecher nicht sagen: „Auch unsere Zusteller müssen ja mal Ferien machen.“ Aber, so Grundler weiter, es gebe seit kurzem einen neuen Service, den er zur Nutzung empfiehlt: „Wenn der Versender DHL die Email-Adresse zur Verfügung stellt, bekommt der Empfänger am Tag vor der Zustellung eine Mail mit dem Zeitfenster (etwa vier Stunden) innerhalb dessen die Zustellung am Folgetag zu erwarten ist. Ist der Kunde bei Paket.de registriert, bekommt er auch noch eine SMS und kann den Wunschtag um bis zu vier Tagen verschieben. Der Service und die Registrierung kostet nichts.“
Was Michael Mackensteins Odyssee nach DHL-Paketen angeht, die war auch nach der „Wunschnachbar“-Aktion noch nicht beendet. Kürzlich klebte einen Benachrichtigung am Haustürfenster, er könne ein Paket abholen – in der Filiale an der Röntgenstraße.
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
6
Vera Ozimek aus Horn | 27.07.2013 | 19:18  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige