Afrika in Hamburg

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Sylvaina Gerlich und Staatsminister Honorable Rashid Pelpuo beim Afrika Day 2014 Foto: IMIC
 
George Krenn, 23, macht gerade ein sechsmonatiges Praktikum bei IMIC. „Als Vorbereitung für mein Studium“, wie er sagt. Der Jenfelder möchte gern Betriebswirtschaftslehre studieren Foto:wb

Wie sich der Verein „IMIC“ für kulturellen Austausch einsetzt

Von Christa Möller
Bezirk Wandsbek Etwa 37.000 Afrikaner und Afro-Deutsche leben in Hamburg. Über 80 afrikanische Kirchengemeinden gibt es in der Hanstestadt. Allein 22.000 Menschen kommen aus Ghana. Längst nicht alle sind so gut integriert wie Sylvaina Gerlich, die als Kind erstmals in Deutschland war. Später kam sie der Liebe wegen nach Hamburg, wo sie seit gut 20 Jahren im Stadtteil Wellingsbüttel wohnt. „Ich habe sehr nette deutsche Freunde, die mir sehr geholfen haben. Ich war sofort integriert“, erzählt die Ghanaerin. Sie ist Mitglied und Vertreterin Afrikas im Hamburger Integrationsbeirat des Senats. Seit vier Jahren setzt sie sich im 2010 gegründeten gemeinnützigen Verein IMIC (Interkulturelles Migranten Integrations Center) als Vorsitzende für die Integration von Migranten unterschiedlicher Herkunft ein. Sie weiß, dass für viele von ihnen Bildung wichtig ist und sie sich diese in ihren Heimatländern kaum leisten können. Weil die Förderung gar nicht früh genug beginnen kann, hilft der Verein auch Kindern und Jugendlichen, um ihnen so andere Kulturen näher zu bringen.
Sylvaina Gerlich hat Psychologie studiert. Ihr Abschluss wird in Deutschland, wo sie für IMIC als Sozialarbeiterin tätig ist, nicht anerkannt. Es freut sie, wenn Jugendliche hier ihren Schulabschluss schaffen und Zukunftsperspektiven gewinnen.
Während in den 1950er und 1960er Jahren viele Ghanaer nach Deutschland kamen um hier zu studieren, haben manche hier geborene Jugendliche Bedarf an Unterstützung. Die Vereinsmitglieder weisen bei familiären Problemen, Schwierigkeiten mit dem Jugendamt oder einem fehlenden Schulabschluss den Weg.
„Die Problematik ist, dass die Eltern zuhause nicht die Sprache sprechen, oder das kulturelle Verständnis nicht da ist. Förderung findet dann einfach nicht statt“, erläutert Sylvaina Gerlich.
In Ghana wird hauptsächlich Twi gesprochen. Ihre 18-jährige Tochter beherrscht neben Deutsch sowohl amerikanisches als auch Oxford-Englisch. Außerdem besuchte sie zwei Jahre lang eine italienische Schule. „Ich habe sie auch nach Afrika geschickt, damit sie die Sprache und Kultur kennenlernt“, sagt die engagierte Wellingsbüttelerin, deren Verwandte in Accra und Tema leben. Ihr großes Vorbild ist ihre afrikanische Großmutter, die in der Heimat viel für Kinder bewegt hat.
Netzwerk
In Ghana seien die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit, Jugendliche sind respektvoll gegenüber Erwachsenen, wie sie erläutert. Das ist hier manchmal anders. Aber „hier sind die Menschen sehr frei, das ist gut.“ Sie weiß von Afrikanern, die in einer schwierigen Situation sind, weil sie seit über 25 Jahren illegal in Hamburg leben. „Sie müssten ein Bleiberecht bekommen“, findet Sylvaina Gerlich. Sie wird bei der Vereinsarbeit unter anderem von Frank Heinrich unterstützt. Für ihn ist wichtig, „was zurückzugeben. Ich habe immer sehr viel gearbeitet, aber ein Quentchen Glück gehört auch dazu. Und mich interessiert das Thema Kultur“, erklärt der Vater zweier Töchter.
Der Arbeitstag bei IMIC kann schon mal etwas länger werden. Immer wieder stehen Hilfesuchende vor der Tür. Etwa 300 Menschen nahmen die Unterstützung durch den Verein im vergangenen Jahr in Anspruch. Und auch am Wochenende fehlt Sylvaina Gerlich meist die Zeit für eigene Hobbys. Dann wirbt sie häufig mit Info-Ständen für die Vereinsarbeit oder geht in die verschiedenen Kirchengemeinden, „um die Menschen zu erreichen.“

Informationsabende

IMIC vermittelt unter anderem Integrations- und IT-Kurse sowie Nachhilfeunterricht, berät Existenzgründer, kümmert sich um Lese-Patenschaften für Kinder, hilft bei der Suche nach Ausbildungsplätzen, begleitet Migranten bei Behördengängen und hilft beim Ausfüllen von Formularen. Der Verein sieht sich als Netzwerk. IMIC unterstützt zusätzlich Vereine und Organisationen in den Herkunftsländern der Migranten und hat etwa 130 Mitglieder. Er finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und öffentliche Fördermittel. „Wir suchen immer nach ehrenamtlichen Mitarbeitern, zum Beispiel Sozialarbeiter, Lehrer, Rechtsanwälte, Ärzte, Buchhalter, Steuerberater, Übersetzer, Webmaster“, betont Frank Heinrich. Wer die Arbeit von IMIC ehrenamtlich unterstützen möchte, erfährt Näheres im Internet unter www.imicenter.com.
Die nächste Infoveranstaltung für Eltern findet am Freitag, 11. Juli, zwischen 19 21 Uhr beim IMIC zum Thema „Schule in Hamburg verstehen“ statt. Am Freitag, 18. Juli, wird Referentin Marina Manarini von 19 bis 21 Uhr zum Thema „Hamburg ElternChance“ in Kooperation mit „Unternehmer ohne Grenzen“ einen Vortrag halten.
Anmeldungen für die Veranstaltungen und weitere Informationen zum Verein gibt es unter Tel. 68 94 99 69. (wb)
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