An der Fuhle auf Radstreife mit Hauptkommissar Vogt

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Peter Vogt fährt jeden Tag 28 Kilometer auf Hamburgs Radwegen Foto: ruh
 
Wo keine Anfahrborde sind, darf auch nicht geparkt werden Foto: ruh

Radstreifen auf einem Teilstück der Hamburger Straße geplant

Von Ruth Heume
Barmbek
Er kennt die Fuhlsbüttler Straße wie seine Westentasche: Peter Vogt ist seit Februar 2016 Leiter Prävention und Verkehr im Polizeikommissariat (PK) 31 an der Oberaltenallee. Den täglichen Weg von seinem Wohnort Poppenbüttel zum Arbeitsplatz legt er mit dem Fahrrad zurück, 14 Kilometer hin, 14 Kilometer zurück. Zum Fototermin erscheint er extra in Uniform. Die fünf silbernen Sterne weisen ihn als „Ersten Polizei-Hauptkommissar“ aus, das ist der höchste Dienstgrad im gehobenen Dienst. Während des Gesprächs hat er Augen und Ohren stets offen, mahnt Radfahrer, die in der falschen Richtung oder auf dem Bürgersteig unterwegs sind und weist einen LKW-Fahrer zurecht, der rückwärts in eine Einbahnstraße fahren will. Mit so einer Uniform hat man es da leicht. Meistens erntet er Verständnis und Entschuldigungen, häufig auch Rechtfertigungen und ab und zu auch mal einen dummen Spruch. „Aber wenn so ein Radfahrer merkt, dass ich ihm gegebenenfalls auch das Rad abnehmen kann, dann wird der meistens ganz schnell ruhig“, bemerkt er trocken. Der 51-Jährige genießt die tägliche Fahrt mit dem Rad zur Arbeit. „Ich bin flexibel, tue etwas für die Gesundheit und die Umwelt“. Für die Einführung der Radstreifen auf der Straße, so wie beispielsweise auf der Fuhle, hat er eine ganze Menge gute Argumente: Die Fußgänger auf den Bürgersteigen haben mehr Platz und die Menschen, die an der Straße parken und in einen Laden gehen wollen, müssen nicht mehr den Radweg überqueren. Und im Winter werden die Radstreifen auf der Straße geräumt und gestreut. Verständnis hat er dennoch, dass Eltern mit Kindern den neuen Radstreifen skeptisch gegenüberstehen. Aber eine Novelle der Straßenverkehrsordnung ist bereits vorgesehen, nach der in Zukunft Eltern ihre Kinder mit dem Rad auf dem Bürgersteig begleiten dürfen.

Parksünder im Visier


Dass auf der Fuhle noch nicht alles im grünen Bereich ist, sieht er dennoch. Besonders das Halten und Parken von Fahrzeugen auf den Radstreifen ist ein großes Problem. Dieses Vergehen zu ahnden ist eine der vielfältigen Aufgaben des „Beamten des besonderen Fußstreifendienstes“ (BFS; früher: BünaBe = Bürgernaher Beamter). Peter Vogt hat 16 BFS in seinem 34-köpfigen Team, die sich auf den gesamten Einzugsbereich des PK 31 verteilen, sowie drei Angestellte, die hier ebenfalls eingreifen können. Darüber hinaus gibt es Mitarbeiter des Landesbetriebs Verkehr (LBV), die Parksündern nachstellen. Diese sind aber nur befugt, den sogenannten „bewirtschafteten Parkraum“ zu überwachen, das heißt Parkplätze, die gebühren- oder parkscheibenpflichtig sind. Das unerlaubte Parken auf Radstreifen fällt nicht in ihren Bereich. Darüber sei er nicht besonders glücklich, so Peter Vogt, aber er könne es zurzeit nicht ändern. Auch wo man nun auf der neugestalteten Fuhle parken darf und wo nicht, ist noch etwas unklar. Vogt erläutert: „Nur da, wo die Anfahrborde mit den „weißen Ohren“ sind, darf geparkt werden.“ Daneben gibt es Ladezonen, aber auch Freiflächen ohne Anfahrborde. Letztere sind keine Parkplätze. Der zuständigen Behörde, dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), ist das Problem bekannt. Hier muss gegebenenfalls mit Stadtmöblierung wie Bänken oder Fahrradbügeln nachgebessert werden. Aber dies geschieht in der Regel erst ungefähr ein halbes Jahr nach Fertigstellung der Bauarbeiten. Das derzeitige Verkehrskonzept in Hamburg wurde in der Nachkriegszeit entwickelt. Damals war das Auto Symbol des Wirtschaftswunders und es hatte oberste Priorität. In anderen Städten wie Amsterdam und Kopenhagen hingegen, weiß Peter Vogt, wurden von Anfang an alle Verkehrsarten parallel entwickelt. In Deutschland werden die Autofahrer gerade in die Realität zurückgeholt. Mit der wachsenden Umweltproblematik und der hohen Bevölkerungsdichte in den Großstädten sei eine Abkehr vom motorisierten Individualverkehr unumgänglich, so Vogt. Daher seien das Busbeschleunigungsprogramm und das Thema „Fahrradstadt Hamburg“ in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden. „Es lässt sich nicht vermeiden, dass wir den Autofahrern etwas wegnehmen müssen“. Auch im Bereich Dehnhaide tut sich etwas zugunsten der Radfahrer. Hier hatte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) die Verkehrsführung für Radfahrer an der Hamburger Straße bemängelt, die Teil der Veloroute 6 ist. Der Radweg führt von der Reesestraße kommend stadteinwärts hinter der Kreuzung Weidestraße ein Teilstück über die Nebenfahrbahn entlang der Parkbuchten. Bevor der Radfahrer dann wieder den Radweg auf der Hamburger Straße benutzen kann, muss er an der Berthastraße die Vorfahrt achten. Diese Verkehrsführung soll nun geändert werden. Der Radweg wird ab der Fußgängerampel auf die Straße verlegt, wo derzeit eine Abbiegerspur in die Berthastraße verläuft.
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1 Kommentar
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Michael Kahnt aus Barmbek | 24.08.2016 | 07:47  
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