Angst vor Gift im Boden

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Anwohner und Kleingärtner fordern eine genaue Untersuchung der Problemstoffe in Wasser und Boden. Laut Bebauungsplan sollen die Schrebergärten auf das Gelände der ehemaligen Schiffbauversuchsanstalt verlegt werden Foto: Busse
 
Das Planungsgebiet befindet sich zwischen Dieselstraße, Schlicksweg und Steilshooper Straße, Wittenkamp, Ivensweg und der Grünanlage Wendebecken Langenfort – von dort aus blickt man auf die Rückseite der alten Schiffbauversuchsanstalt. Nach den Bebauungsplänen könnte dort eine Kita entstehen. Foto: Busse

Bürgerinitiative fordert Untersuchungen. Bezirksamt: Sanierung nach 2017

Von Christina Busse
Barmbek
Werden an der Dieselstraße 675 neue Wohnungen auf Gift gebaut? Die Bürgerinitiative (BI) Dieselstraßenland, in der sich Anwohner und Pächter der Kleingärten im Planungsgebiet zusammengeschlossen haben, befürchtet dies. Denn das Gelände der ehemaligen Schiffbauversuchsanstalt, auf dem sich heute der Opernfundus befindet, könnte stark kontaminiert sein. „Wir machen uns Sorgen“, sagt Benny Wolf Rimmler von der BI. „Für die Leute, die hier leben und gärtnern, ist es ein beklemmendes Gefühl, womöglich einer großen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt zu sein.“

Schadstoffbelastung


Der Hintergrund: „Im Bebauungsplan Barmbek-Nord 11 sind die Böden als erheblich mit umweltgefährdenden Stoffen belastet bezeichnet“, darauf weist Rimmler hin. Die Bürger fühlen sich mit ihren Befürchtungen allein gelassen. Von Seiten des Bezirksamtes gebe es keine befriedigenden Informationen darüber, welche Altlasten sich im Untergrund verbergen und wie zukünftig damit umgegangen werden soll, so die Kritik. Das Bezirksamt Hamburg-Nord teilte auf Anfrage des Wochenblatts mit, dass der mit Trümmerschutt verfüllte Schleppkanal der Schiffsbauversuchsanstalt im Planbild zwar eine erhebliche Belastung der Böden mit umweltgefährdenden Stoffen aufweise, konkrete Hinweise auf die Einlagerung von gefährlichen Abfällen oder Kampfmittel jedoch nicht vorliegen würden.

„Für die Leute, die hier leben und gärtnern, ist es ein beklemmendes Gefühl, womöglich einer großen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt zu sein.“ Benny Wolf Rimmler

Grundwasserproben im Umfeld des Plangebietes würden keine Verunreinigungen zeigen, die auf den Austritt möglicher Giftstoffe aus der Verfüllung des Schleppkanals zurückzuführen wären. Die Böden in den Kleingärten seien nach gutachterlichen Untersuchungen der BSU in 2005 und 2006 nicht von Verunreinigungen betroffen. Mit einer Bodensanierung solle erst begonnen werden, wenn der Opernfundus an seinen neuen Standort im Stadtteil Rothenburgsort gezogen ist, was frühestens Mitte 2017 der Fall sein soll.

Sorgen der Anwohner


„Sinnvoller wäre es, vor der weiteren Planung den Boden genau zu untersuchen und Problemstoffe zu entsorgen“, meint Rimmler, der jetzt als betroffener Kleingärtner eine Anfrage an die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) betreffs der Altlasten gestellt hat. Sorgen macht den Anwohnern auch die zu erwartende Zunahme der Luftverschmutzung, die hier bereits seit Jahren Rekordwerte aufweist. Immer wieder verzeichnet die Luftmessstation an der Habichtstraße gesundheitsschädigende Feinstaubkonzentrationen, die zu den höchsten in ganz Hamburg gehören. „Die Bebauung, wie sie jetzt vorgesehen ist, würde zur weiteren Verschlechterung der Luftqualität im Quartier führen“, ist Rimmler überzeugt. Massive Wechselwirkungen mit weiteren Bauprojekten wie zum Beispiel dem „Pergolenviertel“ im Hebebrandquartier würden bei den Planungen außer Acht gelassen. „Man muss über den eigenen Tellerrand hinausblicken“, appelliert der Sprecher der BI Dieselstraßenland (www.dieselstrassenland.de) an die Verantwortlichen. Auch Jürgen Henselmeyer, Anwohner seit 1979, sieht über Altlasten und Luftverschmutzung hinaus weiteren Gesprächsbedarf: „Die Planungen sind nicht zu Ende gedacht: Eine Kita ist vorgesehen, aber wo sollen die Grundschüler hin? Die Schulen platzen schon aus allen Nähten. Wir Bürger sind stinksauer und haben das Gefühl, dass eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Hier muss man sich dringend gemeinsam an einen Tisch setzen“, fordert Henselmeyer.
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