Anwohner wollen Löschplatz aufwerten

Anzeige
Der Löschplatz in Osterbrook: Anwohner Stefan Malzkorn möchte dort einen Kanuverleih eröffnen Foto: Rose
 
Vorschlagsskizze: Ein vorgelagerter Ponton könnte als Basis für einen Kanuverleih und ein Café dienen. Ein Gewerbe auf dem Löschplatz selbst ist nicht erlaubt, da er eine öffentliche Grünfläche ist Illustration: Stefan Malzkorn
Hamburg: Löschplatz |

In Osterbrook planen die Menschen ein Begegnungsort mit Café und Kanuverleih. Doch es herrscht auch Angst vor Gentrifizierung des Quartiers

Von Christiane Rose
Hamm
Ein verwunschener Ort in bester Wasserlage: Doch die Schönheit des Löschplatzes in Osterbrook erschließt sich erst auf den zweiten Blick: Die Bänke sind zerbrochen, Brennesseln wuchern kniehoch, Gras wächst zwischen dem Kopfsteinpflaster, das vor langer Zeit als Weg gedient haben mag. Aber wenn man hier am Ufer der Bille sitzt und den Möwen zuschaut, kann man verstehen, dass dieser Ort das Interesse und Begehrlichkeiten von Anwohnern und Stadtplanern weckt. Schon 2015 haben Anwohner im Zuge der Erstellung eines Freiraumkonzeptes Ideen gesammelt, was mit diesem versteckten Kleinod passieren soll. Doch umgesetzt wurde davon nichts. Es fehlt das Geld selbst für Kleinigkeiten, wie der Reparatur von Bänken. Die Zuständigkeiten der verschiedenen Behörden sind verworren. Und so verrotten die Bänke weiter, die Natur erobert sich diesen Ort zurück. Doch nun wollen Anwohner mit verschiedenen Ideen den Löschplatz aus dem Dornröschenschlaf wecken.

Furcht vor hohen Mieten

Stefan Malzkorn, der selbst in Osterbrook wohnt, hat einen Vorschlag zur Nutzung des Löschplatzes im Quartiersbeirat Osterbrook eingereicht: Er möchte ein Café mit Kanuverleih mit dem Namen Boot errichten. Der Vorschlag ist auf geteiltes Echo im Quartiersbeirat gestoßen. Viele Anwohner haben Angst vor Gentrifizierung des Quartiers. Sie möchten nicht, dass Hamm-Süd zur neuen Schanze wird, dass die Mieten steigen und Partyvolk kommt. Malzkorn beruhigt, er möchte die Anwohner mit ins Boot holen: „Ich kann mir eine Lösung vorstellen, die mit den Anwohnern des Stadtteils entwickelt wird.“ Auch eine halbprivate Nutzung sei vorstellbar, etwa durch Bildung eines Fördervereins oder der Gründung einer gemeinnützigen GmbH.

Investor gesucht

Nun ist er auf der Suche nach einem Investor, der das Anliegen versteht und an einer behutsamen Förderung des Osterbrooks interessiert ist. Das Café soll ein Begegnungsort werden, eine Art „Wohnzimmer auf dem Wasser“, kein Strand-Pauli, nichts was „dahingeklotzt“ wird. Es soll kein vollgastronomisches Angebot geben, sondern es nur Kleinigkeiten und Getränke. Sein Anliegen sei es vor allem, dem Stadtteil einen Ort am Wasser zu geben „für Leute, denen die Bille näher ist, als die Alster.“ Er selbst sei auch bereit zu investieren, bräuchte jedoch ein tragendes Konzept für den Betrieb. So wolle er gerne den ersten Kanuverleih an der Bille schaffen, um die großen Wasserflächen erlebbar zu machen. Gleichzeitig möchte er ein kulturelles Angebot für Osterbrook bieten. Im Herbst plant er bereits ein Mini-Festival mit Musikern aus dem anliegenden Musikbunkern.

Zugang zum Wasser schaffen

Ulrike Pelz, Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung erklärt dazu: „Am Löschplatz gibt es viele Interessen. Die Wirtschaft will ihren Standort sichern. Die Anwohner hingegen wollen ihre Grünfläche aufwerten.“ Der Löschplatz liegt nämlich direkt auf der Grenze zwischen Gewerbegebiet und Wohnbebauung. Er liegt nicht im Fördergebiet der regionalen integrierten Stadtteilentwicklung, was eine Finanzierung jeglicher Maßnahmen erschwert. Hinzu kommt, dass der Platz als öffentliche Grünfläche nicht gewerblich genutzt werden darf. Eine Nutzung der Wasserfläche wiederum unterliegt der Hafenbehörde HPA (Hamburg Port Authority). Dieser Punkt hat Stefan Malzkorn zu einer Idee inspiriert: Das Café Boot könne – getreu dem Namen – auf einem Ponton vor dem Löschplatz im Wasser verankert werden. So sei an Land kein Gewerbe. Lediglich ein Zugang zum Wasser müsse geschaffen werden. Auch dafür hat Malzkorn ein Idee parat: Mobile Treppenelemente aus Metall könnten die Kaimauer mit dem Ponton verbinden, wie eine Gangway.

Finanzierungsmöglichkeiten finden

„Bisher ist angedacht, den Löschplatz aufzuwerten, um mehr Aufenthaltsqualität zu erhalten“, erklärt Ulrike Pelz. Eine größere Hürde sei es, den Zugang zum Wasser zu schaffen, denn „das kostet viel Geld.“ Eine Slipanlage für Boote und Kanus zu schaffen, sei prinzipiell eine gute Idee, die auch von der Behörde unterstützt werde. Eigentlich seien sich alle einig, den Löschplatz zu verschönern, fasst Pelz zusammen: „Der Wille ist da – Im Prinzip geht es jetzt darum, Finanzierungsmöglichkeiten zu finden“. Nun überlege sich die Behörde, ob nicht die zukünftigen Bauträger der geplanten Wohnungen in Osterbrook ihren Teil zu den Erschließungskosten beitragen könnten.

Anwohner wollen selbst anpacken

Auch eine Gruppe von Anwohnern hat noch einmal Ideen gesammelt, wie der Platz verschönert werden könnte. Julia Erdmann, die ihr Büro in Osterbrook hat: „Unser Anliegen ist, selbst etwas zu tun und einfach anzupacken.“ Als erstes wolle man erstmal Unkraut entfernen, Müll aufsammeln, im zweiten Schritt Pflanzen setzen und Sitzmöbel reparieren und im zweiten Schritt Neues schaffen. Die Architektin hofft durch ihre Initiative einen Stein ins Rollen zu bringen: „Wir wollen den ersten Schritt machen und einfach anfangen. Vielleicht kommt dann ja auch ein Sponsor auf uns zu, der das unterstützen möchte.“
Anzeige
Anzeige
2 Kommentare
90
Philipp Anz aus Rothenburgsort | 01.08.2017 | 16:32  
517
Rainer Stelling aus St. Georg | 03.08.2017 | 06:21  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige