„Anwohner51“: Hetze gegen Nachbarn

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Ein Anwohner der Hufnerstraße 51 macht Stimmung gegen Flüchtlinge in Barmbek Foto: wb
 
„Anwohner51“ fühlt sich oft zu unrecht von der „Nazi-Keule“ bedroht Foto: wb

Staatsschutz ermittelt gegen anonymen Blogger aus Barmbek

Beleidigungen, Fälschungen, Manipulation – vermutlich ist es ein Anwohner der Hufnerstraße, der im Internet über Bewohner und Helfer der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Firmenzentrale der Block-Gruppe hetzt. Dabei schreckt er auch vor Drohungen gegen Kritiker und Andersdenkende nicht zurück. Justiz und Polizei waren bisher machtlos gegen den anonymen Hetzer, der seit Juli vergangenen Jahres Stimmung gegen Flüchtlinge macht. Nun wird gleich aus mehreren Richtungen gegen den Betreiber des Internet-Blogs ermittelt.

Barmbek Er nennt sich „Anwohner51“, in Anlehnung an die Flüchtlingsunterkunft an der Hufnerstraße 51, die offenbar in seiner unmittelbaren Nachbarschaft liegt. Von seiner Wohnung aus hetzt er auf einem eigens dafür eingerichteten Internet-Blog über die 157 Bewohner und deren Unterstützer von der Initiative „Welcome to Barmbek“. Er spricht von „Primitiven“ und Schlimmeren, stellt wirre Berechnungen zu den Kosten der Flüchtlingskrise auf und endet gern mit „88“ und „Oi! Oi!“, einschlägige Begriffe aus der rechten Szene. Immer geht es um Hass, Verleumdung und Gewalt. Bei seinen Tiraden überschreitet „Anwohner51“ nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, er verstößt auch regelmäßig gegen Gesetze. So fälschte er in seinem jüngsten Beitrag ein Doppel-Interview mit dem Spiegel. Dafür
designte er eine Seite im Spiegel-Stil und stellte ein erfundenes Gespräch zwischen ihm, einem seiner Unterstützer und Britta Sandberg, Spiegel-Ressortleiterin Ausland, auf die Seite. Im Interview beleidigt er Flüchtlinge und erklärt sein krudes Weltbild. Die Geschichte flog schnell auf, nachdem sich mehrere Spiegel-Leser in der Redaktion des Magazins meldeten. „Ein solches Interview würde der Spiegel niemals führen, geschweige denn abdrucken. Vielmehr handelte sich um eine offensichtliche Verletzung der Marken- und Urheberrechte des Spiegel-Verlages und der Persönlichkeitsrechte von Frau Sandberg“, sagt Uwe Jürgens aus der Rechtsabteilung des Verlages. Nachdem der Spiegel mit rechtlichen Konsequenzen drohte, löschte der Anwohner den Beitrag. In einem anderen Fall veröffentlichte der unbekannte Blogger ein erfundenes Gespräch zwischen Eugen Block und dem Geschäftsführer von „Block Bau & Technik“ Stefan Meiners. In dem angeblich zufällig aufgeschnappten Gespräch beleidigt der Steakhaus- und Hotelunternehmer mehrfach Barmbeker Anwohner und die Flüchtlinge. Auf Nachfrage des Wochenblatts heißt es aus der Block-Gruppe dazu: „Es handelt sich um ein frei erfundenes Gespräch. Wir distanzieren uns ausdrücklich von den dargestellten Inhalten und prüfen die Einleitung rechtlicher Schritte“, sagt Christina Schreiner, Pressesprecherin des Unternehmens. Ob „Anwohner51“ eine Strafe fürchten muss, ist unklar. Schon im September wurde wegen Beleidigung gegen ihn ermittelt. Das Verfahren ruht zur Zeit, da „Anwohner51“ seine Spuren im Internet so verwischt, dass seine Identität nicht ermittelt werden konnte – Adressen, Namen und Berufe seiner Kritiker veröffentlicht er hingegen regelmäßig auf seinem Blog. Oberstaatsanwalt Carsten Rinio dazu: „Zu den kostenlosen E-Mail-Postfächern gibt es bei der Deutschen Telekom keine geprüften Kundendaten als Bestandsdaten.“ Die Telekom ist der E-Mail-Provider des Anwohners. Mehr Erfolg könnten nun zwei Strafverfahren haben, die in der vergangenen Woche eröffnet wurden. So stellte die Initiative „Wir sind Eppendorf“ Strafanzeige gegen den Barmbeker und auch der Staatsschutz ermittelt aktuell wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Das Wochenblatt hat „Anwohner51“ zum Zweck seines Blogs gefragt. Hier ein paar Auszüge seiner Antwort: „Man kann nicht näher dran wohnen als ich“ (...) „Anonymität ist heute eine technische Herausforderung und leider auch ein Katz-und-Maus Spiel.“ (...) „Diese „Nazi-Keule“ ist auf intellektuellen Niveau sehr langweilig...“ (...) „Der arrangierte Spiegel-Artikel ist mir sehr gut gelungen, sowohl das Layout als auch die kritisch-distanzierte Gesprächsführung im typischen Spiegel-Stil.“ (...) „Ich halte euch den sprichwörtlichen Spiegel vor.“ (wb)
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