Aus dem Leben als Kindersklavin

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Im Kreis von Altersgenossinnen: Bishnu Chaudhary (rechts, weiße Bluse) Foto: Plan International/wb
 
Bishnu Chaudhary in Nepal beim Wasserholen Foto: Plan International

Am 17. Juni berichtet Bishnu Chaudhary, wie „Plan International“ sie befreit hat

Von Elke Grewe
Barmbek
„Seht mich an! Ich konnte meinen Weg gehen, weil ich Bildung und eine berufliche Perspektive bekommen habe“, sagt die Neapalesin Bishnu Chaudary (19). Bevor die Kinderhilfsorganisation Plan International das Mädchen aus der Leibeigenschaft eines Großgrundbesitzers im Terai-Tiefland befreite, schuftete sie bis zu 19 Stunden täglich als sogenannte Kamalari – als „hart arbeitende Frau“.
Neun Jahre war sie alt, als sie den ganzen Tag waschen, kochen und putzen musste – für die Schule blieb da keine Zeit. Umgerechnet zirka 13 Euro verdiente die heute 19-Jährige pro Jahr. Ihre Eltern, Bhir Raj Chaudhary und Pabitra Chaudhary, sind Tagelöhner und leben in einem Häuschen, in einer von der Regierung erbauten Siedlung für ehemalige Zwangsarbeiter. Nach etwas mehr als zwei Jahren wurde Bishnu mit Hilfe von Plan aus ihrer Leibeigenschaft als Kamalari befreit, konnte in die Schule gehen und fand Unterstützung in Plans Projekt zur Abschaffung der Kamalari Tradition. Nach ihrer Befreiung besuchte sie vorerst eine Art Übergangsklasse, die Plan für befreite Kamalari eingerichtet hat, um sie auf den Unterricht in den Regelschulen vorzubereiten. Mittlerweile hat Bishnu in ihrer Heimat die weiterführende Schule abgeschlossen und ist für einen Bacherlorstudiengang im Bereich Bildung/ Unterrichten immatrikuliert. Heute engagiert sich Bishnu in verschiedenen Aktionen und Projekten zur Befreiung von Kamalari Mädchen.

Bishnu in Hamburg


Über ihre Erfahrungen als Zwangsarbeiterin berichtet sie Mittwoch, 17. Juni, um 18.30 Uhr im Haus der Philanthropie, Bramfelder Str. 70. „Gewalt gegen Mädchen und Frauen: Jetzt stoppen!“ heißt die Veranstaltung, in deren Anschluss der Psychologe Gerhard Hafner und Bettina Metz-Rolshausen von UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. diskutieren.
Ob Bishnu, Urmila oder Dil: Viele Mädchen, besonders der Volksgruppe Tharu im Südwesten Nepals entlang der indischen Grenze haben ein Schicksal gemeinsam: Sie haben Jahre ihrer Kindheit verloren, mussten hart arbeiten und wurden teils Opfer von Gewalt und Missbrauch. Sogenannte Arbeitsvermittler kommen alljährlich im Januar anlässlich des Neujahrsfests in die Dörfer, um weitere Mädchen als Kalamari zu kaufen. Viele Eltern sehen keinen anderen Ausweg und glauben an die Verlockungen des Geldes, das ihre Kinder durch die Zwangsarbeit erzielen. „Viele Mädchen haben während ihrer Zeit als Kamalari den Kontakt zur eigenen Familie verloren und waren ihren vermeintlichen Arbeitgebern schutzlos ausgesetzt“, so die Erfahrungen von Barbara Wessel, Pressereferentin von Plan in Deutschland. Rund 140 Mitarbeiter sind im Büro in Hamburg-Barmbek für die Organisation in Deutschland tätig, die hier 1989 ins Leben gerufen wurde, weltweit aber schon seit über 78 Jahren tätig ist.

3700 Mädchen befreit


Seit 2006 geht Plan gegen diese erschreckende Menschenrechtsverletzung vor und startete in Nepal ein Projekt zur Abschaffung der Kamalari-Praktik. Bis März 2015 konnten so insgesamt 3700 Mädchen aus ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen befreit werden. „Dabei holten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Plan die Mädchen häufig direkt aus den Haushalten oder aus den Fängen von Menschenhändlern. Sie überzeugten die Eltern der Mädchen, sprachen mit den Landlords, drangen auf ein Ende von ausbeuterischen Verträgen – oder drohten nötigenfalls mit der Polizei. Denn seit 2000 ist die Leibeigenschaft in Nepal offiziell verboten“, so Wessel. „Die größte Herausforderung nach der Befreiung der Mädchen bestand und besteht darin, sie wieder in ein normales Leben zu integrieren, denn sie hatten jahrelang als Kamalari gearbeitet und noch nie eine Schule von innen gesehen. Plan International initiierte spezielle Förderkurse, die die Mädchen und jungen Frauen auf die Schule und das Berufsleben vorbereiten – denn Bildung ist der zentrale Schlüssel, um den ehemaligen Kamalari eine Perspektive für die Zukunft zu ermöglichen “, so Wessel weiter. Dass die Arbeit von Plan International sehr erfolgreich ist, dafür ist Bishnu Chaudhary aus Nepal wohl ein überzeugendes Beispiel.

Plan Stiftungszentrum, Bramfelder Straße 70, www.plan-stiftungszentrum.de
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