Aus für Kinderturnen?

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Sanierungsarbeiten an der Sporthalle am Klinikweg: Obwohl sie dringend notwendig ist, gibt es für den Sportverein HTBU kaum Alternativen ihre Sportgruppen in umliegenden Hallen unterzubringen Foto: nk
 
Gundel Schmidt, Geschäfts- führerin des HTBU, kämpft gegen die Kündigung der Nutzungszeiten in Turnhallen ihres Vereins Foto: nk

Sporthalle wird saniert. Sportverein verliert Mitglieder

Von Nicole Kuchenbecker
Barmbek. Die Sorgen nehmen kein Ende und Gundel Schmidt, Geschäftsführerin der Hamburger Turngesellschaft Barmbeck-Uhlenhorst e.V. (HTBU), weiß keinen Rat mehr: Nachdem Turnhallen wegen Sanierungsarbeiten derzeit nicht mehr vom Verein genutzt werden können, wurden nun auch noch die Zeiten bis 17 Uhr für vier weitere Hallen gekündigt. Das könnte das Aus für das Kinderturnen im Verein bedeuten. Doch so einfach will man diese Situation nicht hinnehmen: Jetzt werden Unterschriften gesammelt.
Kinder brauchen Bewegung, müssen sich erfahren und ihre Grenzen kennen lernen. Nur wer ein Gefühl für seinen Körper hat, kann diese erkennen und Gefahren vermeiden. Doch wie sollen sich Kinder ausprobieren und austoben, wenn man ihnen dazu keine Möglichkeit lässt? Gundel Schmidt: „Wir haben bereits schon jetzt einen Mitgliederschwund.“ Aktuell hat der Verein HTBU bislang etwa 20 Prozent seiner Mitglieder durch die Sanierungsarbeiten verloren. Doch die Hallenschließung am Klinikweg (wir berichteten) ist nur das „halbe Problem“. Die Ganztangsschulen und der damit verbundene Wegfall der Turnhallenzeiten bereiten den Hamburger Sportvereinen große Sorgen. Sie können die Nachfrage nach Kinderturnen für Kinder im Kindergartenalter nicht nachkommen. Sie haben aufgrund des Sanierungsprogramms für Sporthallen und durch die Eigennutzung der Schulen keine Möglichkeiten genügend Termine für das Kinderturnen anzubieten. Schon jetzt vertröstet Schmidt die Eltern: „Ich sage ihnen, sie sollen im November noch einmal anrufen.“ Eine Warteliste führt der Verein schon nicht mehr. Zu ungewiss ist es, dass man notwendige Hallenzeiten behält oder gar dazubekommt. Woher auch: Schließlich werden die umliegenden Sporthallen saniert, abgerissen, neu gebaut oder werden als Eigenbedarf von den Schulen blockiert.
Der HTBU steht mit dieser Problematik nicht allein. Auch Gerd Lenzen, Geschäftsführer beim VfL 93 Hamburg, hat mit Hallenschließungen und ersatzlosem Wegfall von Hallenzeiten seine Erfahrung: „Wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren 14 Gruppen schließen müssen.“
Vfl-93-Geschäftsführer Lenzen weiter: „Wir haben das schon hinter uns.“ Und auch der Verein konnte den Austritt von gut 200 Mitgliedern nicht verhindern. Lenzen bemängelt die Kommunikation in und von den Behörden zum Verein. Teilweise hat dieses auch schon fast katastrophale Folgen. „Wir haben leider bereits mehrfach erleben müssen, dass wir erst von einer Schließung erfuhren, als die Halle bereits gesperrt war“, so der Geschäftsführer.
Obwohl sich Gundel Schmidt ebenfalls über die schlechte Kommunikation und die Hinhaltetaktik der Schulen ärgert, spornt sie eine Aktion ihrer Vereinsmitglieder an. Cornelia Weiß, 1. Vorsitzende, und Werner Sardemann, 2. Vorsitzender, rufen jetzt zu einer Unterschriftenaktion auf. Sie richtet sich an das Hamburger Institut für berufliche Bildung (HIBB) und FSP1, der Fachschule für Sozialpädagogik. Aktuell wurden dem Sportverein sämtliche Nutzungszeiten vor 17 Uhr in den zwei Sporthallen am Klinikweg sowie der Halle an der Uferstraße gekündigt. Als Begründung sei die stark erhöhte Studentenzahl der FSP1 genannt worden, so die HTBU. Von dieser Kündigung sind alle Kinderturngruppen sowie die Kinderfußballer betroffen. (nk)
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