Aus Russland zum Einser-Abi

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Schulleiter Dr. Bernd Tißler ist stolz auf seinen Abiturienten Rishat Vakhidov (19)Foto: Burmeister

Rishat Vakhidov ist seit 2009 in Hamburg – und schaffte jetzt die Traumnote

Von Lucie Gatignol und
Britta Burmeister
Barmbek. Mit erkennbarem Stolz hat die Stadtteilschule Barmbek kurz vor den Sommerferien ihre Abiturienten verabschiedet. 134 junge Männer und Frauen konnten in diesem Jahr in der gymnasialen Oberstufe des Schulstandorts Emil-Krause ihr Abi-Zeugnis entgegen nehmen. 15 von ihnen mit einer Eins vor dem Komma. Ein Schüler sticht aus seinem Jahrgang besonders hervor: Rishat Vakhidov beendet seine Schullaufbahn mit der Traumnote 1,0. „Rishat ist ein sehr guter Beweis dafür, dass man etwas erreichen kann, wenn man Schule ernst nimmt!“ sagt Schulleiter Dr. Bernd Tißler.

Vor vier Jahren eingereist

In den Schoß gefallen ist Rishat der überdurchschnittliche Abschluss wahrlich nicht. Erst 2009 ist er mit seiner Mutter aus Russland nach Deutschland gekommen, um hier seinen schon verloren geglaubten Vater wiederzutreffen. Ohne nennenswerte Deutschkenntnisse startete er seine deutsche Schullaufbahn in einer Internationalen Vorbereitungsklasse in Wilhelmsburg. Nach dem Realschulabschluss ist ihm klar, dass er sein Abitur machen will, um später studieren zu können. Er wechselt auf die gymnasiale Oberstufe der Stadtteilschule Barmbek, die als eine von wenigen Hamburger Schulen Russisch als erste Fremdsprache für muttersprachliche Schüler anbietet.
Das internationale Klima, das in der Krausestraße den Alltag bestimmt, macht es Rishat leicht, sich wohl zu fühlen. Er wählt das Profil: „Der Traum vom guten Leben – Illusion und Wirklichkeit“ mit den Fächern Politik, Gesellschaft, Wirtschaft (PGV) sowie Theater und Geschichte.
Die Freiheiten des deutschen Schulsystems sind für ihn zunächst ungewohnt und zum Teil befremdlich. „In deutschen Schulen fehlt manchmal die Disziplin“, findet er. „In Russland ist es zum Beispiel undenkbar, dass ein Schüler mitten im Unterricht einfach aufsteht und ohne zu fragen auf die Toilette geht. Das hat auch etwas mit Respekt vor dem Lehrer zu tun!“ Die Freiheit, inhaltlich eigene Schwerpunkte zu setzen und offen zu diskutieren genießt er dagegen sehr. „Ich kann sagen, dass ich die besten Lehrer hatte“, sagt er ernsthaft. Doch auch die in Russland gelernte Disziplin hat ihm bei seinem Abitur geholfen. „Manchmal musste ich mich etwas zwingen noch etwas zu lernen, sonst hätte ich das nicht geschafft!“ Jetzt denkt Rishat an die Zukunft. Er hat schon zwei Bewerbungen verschickt: Eine an die Hamburger Universität und eine andere an die Universität Münster. Er möchte Jura studieren, um später Richter oder Staatsanwalt zu werden. „Das wird schwieriger als der Weg zum Abitur“, meint er selbst. Aber mit etwas Disziplin und einem starken Willen wird es ihm sicher gelingen, sich auch seinen persönlichen Traum von einem guten Leben zu erfüllen.
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