Baden im Bramfelder See?

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WochenBlatt-Reporter Marco Thielcke testet den Bramfelder See. Sein Urteil: Zum Baden ist der See zu flach Foto: Stammer
 
Für Andreas Gielow, Vorsitzendern des Sportfischervereins, ist der Bramfelder See ein idealer Ort zum Angeln – aber nicht zum BadenFoto: Thielcke

Empfehlungen im Internet: Das WochenBlatt hakte nach

Von Silvia Stammer
und Marco Thielcke
Steilshoop/Bramfeld. Endlich Temperaturen über 20 Grad sollen in dieser Woche die Hamburger erfreuen: Beste Bedingungen also, um endlich Freibäder und See zu stürmen. Wer im Internet nach Badestellen sucht, findet überraschenderweise bei www.seen.de und www.mein-badesee.de auch den Bramfelder See. Das verwundert, üblicherweise wird das 1,2 Kilometer lange und zwischen 100 und 400 Meter breite Gewässer von Spaziergängern umrundet. Schwimmer sieht man nicht, nur ein paar Angler. Das WochenBlatt wollte es genau wissen: Kann man im Bramfelder See baden? Ist es überhaupt erlaubt - oder verboten? Eines vorweg: Beim Sportfischerverein Hamburg-Elbe von 1927, der das Gewässer gepachtet hat, heißt es, der Bramfelder See sei mit einer Wassertiefe von meist 50 Zentimetern und stellenweise 1,50 Meter eine „Pfütze“ – an richtiges Schwimmen nicht zu denken. In Höhe des Restaurants „Seehof“, das schon 1897 die Erholungssuchenden aus dem damals weit entfernten Hamburg in die Sommerfrische lockte, soll es ein Strandbad gegeben haben. „Sogar mit Sandstrand“, wie Anwohner erzählen.
Das ist lange her. Doch einladend wirkt der See bis heute, sein dichter Baumbestand lässt die Nähe zur Steilshooper Großsiedlung vergessen. Die Ruhe wird nur durch die Flügelschläge einiger Graureiher unterbrochen. WochenBlatt-Reporter Marco Thielcke (30) macht den Badetest und wählt zum Einstieg eine von mehreren sanft abfallenden Stellen am Nordufer. Sein Eindruck, als er langsam ins grünbraune Wasser watet: „Der Boden ist weich, man versinkt im Schlamm, offenbar altem Laub, bis zu den Knöcheln. Das Wasser ist überraschend warm.“ Dann allerdings zieht er eine Flasche aus dem Grund – so mancher Seebesucher nimmt es mit der Müllentsorgung offenbar nicht so genau. Der Reporter watet weiter. Doch mehr als kniehoch wird das Wasser einfach nicht, so dass er nach einer nassen Runde zu Fuß wieder umkehrt. Da! Mit einem riesigen Platscher hat sich unter der Wasseroberfläche ein Fisch bemerkbar gemacht. „Das war vermutlich ein Hecht beim Jagen“, erklärt Andreas Gielow, (52), Vorsitzender des Sportfischervereins. Ihn und weitere Vereinsmitglieder treffen die WochenBlatt-Reporter am Steg in Höhe des Spielplatzes am Südufer. Seit Jahrzehnten hat der Verein, der über 500 Mitglieder zählt, den See gepachtet. Karpfen, Schleie, Hechte können hier gefangen werden. Wieder – muss man sagen.
Viel Zeit und Geld musste investiert werden, um die Folgen des Sabotage-Aktes von 2010 zu mildern. Damals hatten Unbekannte die Schlösser der zentralen Schleuse geknackt, das Wasser des Bramfelder Sees lief ab und Tausende Fische verendeten. Der Schrecken über die „Katastrophe“ ist vielen Vereinsmitgliedern bis heute ins Gesicht geschrieben. Rund 15.000 Euro wurden in den Neubesatz von Fischen investiert, schätzt der Vorsitzende Gielow. Er und seine Mitstreiter hoffen, dass nun der Verein (www.sportfischerverein-elbe.de) wieder neue Mitglieder anlockt, da der Bramfelder See zu alter Angel-Attraktivität zurückfindet.
Aber für Schwimmer? Nein, das sei vermutlich keine gute Idee, meinen die See-Pächter. Die mangelnde Wasserqualität als Regenrückhaltebecken und dazu regelmäßig Probleme durch Blaualgen seien schon gewichtige Gründe, um lieber anderswo baden zu gehen. Außerdem sei nach der Schleusen-Attacke in Abstimmung mit Naturschutzbund (NABU) und Umweltbehörde der Wasserspiegel abgesenkt worden, so dass der Bramfelder See heute noch seichter ist als früher. Lena Voß vom Bezirksamt Wandsbek sagt: „Der Bramfelder See ist kein offizieller Badesee. Das heißt aber nicht, dass das Baden dort verboten ist.“ Da der See aber nicht als Badesee eingestuft ist, wird die Wasserqualität laut Bezirksamt nicht regelmäßig kontrolliert. Verlockend sieht es allerdings aus, wenn die drei Boote des Sportfischervereins über den Bramfelder See gleiten. Idylle pur, mitten in Hamburg. Die Stadtteilkonferenz Steilshoop soll dazu schon früher einmal die Idee einer Bootsvermittlung aufgeworfen haben. Vielleicht wird eines Tages doch über den Bramfelder See gerudert – schön genug wäre es dort. (sta/mt)
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