Bahn frei für wilde Jungs

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Macht noch immer eine gute Figur: Helmut Krumm heute auf dem alten Tretroller seines Sohnes Foto: ruh
 
Historische Bilder aus den 1950iger Jahren Foto: privat

Rollerpiste saniert – Helmut Krumm fuhr dort vor 63 Jahren schon Rennen

Von Ruth Heume
Dulsberg
Der kleine Helmut war acht Jahre alt, als die Bahn für Tretroller – damals die erste und einzige in Hamburg – 1953 in Dulsberg eröffnet wurde. Er wohnte seinerzeit mit seinen Eltern und den beiden jüngeren Brüdern in einer 40 Quadratmeter Wohnung an der Elsässer Straße und die Rollerbahn war die große Attraktion der Gegend. Der 1,1 Kilometer lange Grünzug zwischen den Straßen Dulsberg-Nord und Dulsberg-Süd, angelegt in den späten 1920-er Jahren, war in der Nachkriegszeit mit Behelfsunterkünften, den sogenannten Nissenhütten, bebaut. Die Rollerbahn beschreibt die Form einer liegenden Acht. Die Brücke im Kreuzungsbereich ist das Herzstück und soll ein direktes Aufeinandertreffen im Verkehr verhindern. Heute freut sich Helmut Krumm, mittlerweile 71, wie ein Kind, dass die historische Bahn saniert wurde und nun am 3. Juni feierlich wiedereröffnet wird. Zum Ortstermin hat er einen Tretroller mitgebracht. Gut, es ist nicht sein Original-Roller aus den 1950iger Jahren, aber immerhin der seines Sohnes aus den späten 1960-er Jahren. Und Opa Helmut macht es offenbar immer noch Freude, darauf seine Runden zu drehen. Es war nicht leicht, eine Verabredung mit dem rührigen Rentner zu arrangieren. Denn der ehemalige IT-Abteilungsleiter eilt als Vorstandsmitglied des Seniorenbeirats von Termin zu Termin. Und seine Freizeit verbringt er so oft wie möglich in Schweden.Er war damals eher einer von den wilden Jungs, verrät Helmut Krumm: „Ich habe mich hier schon behauptet!“ Musste er auch, denn mit seiner Körpergröße konnte er nicht punkten. Der Spielplatz mit der Rollerbahn sei klar „jungs-dominiert“ gewesen. „Aber Mädchen gab‘s hier auch.“ Rennen sei man natürlich gefahren. Neben der Rollerbahn habe es Schaukeln und Rutschen gegeben. Und eine Sandkiste, da wurden Sandburgen gebaut. „Wer fuhr früher schon an die Ostsee?“Jürgen Fiedler, Leiter des Stadtteilbüros Dulsberg, Jahrgang 1962, kann da nicht mitreden. Aber er war maßgeblich beteiligt an der Neugestaltung, die im Jahr 2000 begann. Damals wurde die Rollerbahn etwas verkleinert – zugunsten von weiteren Spielplatzaktivitäten. Beide erzählen, wie das Projekt „Erhalt der historischen Tretrollerbahn“ verlief. Der baufällig gewordenen Brücke drohte 2012 die Stilllegung, eine Instandsetzung sollte 90.000 Euro kosten. Ein Fall für die Städtebauförderung und das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz. Bedingung war aber, dass die Stadt Hamburg die Hälfte der Summe selbst aufbringt. Die engagierte Bezirksamtsmitarbeiterin Iris Carius machte sich daran, die Spendengelder aufzutreiben. Schließlich konnte das Projekt – die Gesamtkosten betrugen am Ende 100.000 Euro - dank des Sanierungsfonds 2020 der Bürgerschaft, der Stiftung Denkmalpflege sowie einiger privater Sponsoren realisiert werden.Zum Ortstermin gesellt sich ein weiterer Zeitzeuge. Bernd Gehrmann hatte von der Eröffnung gehört und machte sich gleich auf den Weg. Denn auch er, Jahrgang 1953, kann sich noch gut erinnern, hier seine Runden gedreht zu haben. Gehrmann, ehemals Schichtleiter bei Lufthansa Technik, wohnte als Kind an der Krausestraße. Er bestätigt: Der Tretroller war das Fortbewegungsmittel in den 1950-er Jahren. Mit welchen Fahrzeugen nutzt man denn wohl die Rollerbahn heute, fragt sich die Runde. Skateboard? Inline-Skates? Dafür ist die Fahrbahn wohl doch zu uneben. Die Frage beantwortet ein junger Mann, der fast geräuschlos vorbeischwebt – auf einer Art grifflosen Segway. „Self balanced Scooter“ oder auch „Hoverboard“ nennt man die Dinger. Gab‘s schon mal bei „Zurück in die Zukunft“. Die Zukunft hat bereits begonnen. Die vier Herren schauen fasziniert hinterher.
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