„Barmbek baut“

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Übernahmen „Mittler-Funktion“: Thomas Domres, Alexander Kleinow sowie Christopher Leineweber (v. li.)

Auf der Suche nach „verträglichen Lösungen“

Barmbek. Das Dilemma beherrscht jede aktuelle Diskussion: Einerseits braucht Hamburg dringend bezahlbare Wohnungen. Andererseits stößt die Baupolitik des SPD-Senats, die jährlich den Neubau von 6000 Wohnungen anstrebt, nicht immer und überall auf Gegenliebe. Auf Protest gar, sollten die B-Pläne einschneidende Opfer verlangen. „Echte Bürgerbeteiligung“ tut also not, so Bürgermeister Olaf Scholz kürzlich beim Auftakt der „Stadtwerkstatt“ auf Kampnagel. Ihr Motto: „Auf Dialoge bauen“. (www.hamburg.de/stadtwerkstatt).
„Barmbek baut“: Ein Diskussionsabend über aktuelle Bauvorhaben fand am vergangenen Dienstag im Osterbek-Forum an der Hufnerstraße statt. Über 100 Besucher kamen und ergriffen im voll besetzten Saal die Gelegenheit zur Diskussion. Die Gastgeber Alexander Kleinow, SPD Barmbek-Mitte sowie Christopher Leineweber, SPD Barmbek-Nord verstanden sich als „Mittler zwischen den Entscheidungsträgern und den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort“. Denn 6000 Wohnungen könnten „nur mit den Betroffenen gebaut werden, nicht gegen sie.“ Also gelte es, „gemeinsam nach verträglichen Lösungen zu suchen.“
Zunächst informierte Thomas Domres, Vorsitzender der SPD Bezirksfraktion Nord, über den Stand mehrerer Barmbeker Bauprojekte in der Umsetzungsphase. Zum B-Plan „Barmbek 32“ erklärte Domres: Auf dem ehemaligen Opel Dello-Gelände am Holsteinischen Kamp entstehe jetzt „ein schönes Wohngebiet“ auf der Gewerbebrache; die Bebauung erfordere nur die Verlagerung eines Spielplatzes. „Es kann doch nicht sein, dass überall nur hochpreisig gebaut wird.“ empörte sich dagegen ein Bürger, vermutete gar „Akte indirekter Wirtschaftsförderung“. Domres verwies hier auf die Besitzverhältnisse: Freilich seien ein Drittel der neu zu bauenden Wohnungen sozial gebunden. „Wir gehen damit bei jedem Verfahren ins Rennen. Nur stehen die nicht alle in Barmbek.“ Auf städtischen Grundstücken wie im B-Plan „Barmbek 11“ sei dagegen sogar 60 Prozent geförderter Wohnungsbau geplant und realisierbar. Allerdings ist die Bebauung der Kleingartenfläche Grenzbach an der Dieselstraße noch strittig – nach Abriss der Lagerhallen, derzeit genutzt vom Opernfundus. Wie berichtet, hatten Anwohner und Kleingärtner dazu bei längeren Diskussionen schon im vergangenen Herbst die Bebauung der Längsachse inmitten der Kleingärten befürwortet, auf dem ehemaligen Gelände der Schiffsbauversuchsanstalt: nach der dringend erforderlichen Sanierung von tief im Boden schlummernden Altlasten aus der Nachkriegszeit. Während der Bezirk nach wie vor eine kostengünstigere Lösung favorisiert: Sie erspart zwar Erschließungskosten, allerdings müssten eine größere Zahl von Kleingärten verlegt werden. Dass endlich barrierefrei gebaut werden müsse, forderten PiaThompson und Cornelia Rump von der Baugemeinschaft „Traumhaus“. Sie verbinden mit dem Bauprojekt Dieselstraße große Hoffnungen.
Nächstes Streitobjekt: ein Büro-Hochhaus am Barmbeker Bahnhof, neben dem Hertie-Bau. Das Hochhaus sei eine Entwicklungschance, gebunden an „konkrete Absichten eines Inverstoren“. Und der Plan von 13 Geschossen in 48 Metern Höhe sei vertretbar am Bahndamm, so Domres. Im Erdgeschoss seien Restaurants und Geschäfte geplant. Hierzu vermissten kritische Stimmen vor allem ein Verfahren der Bürgerbeteiligung. Domres stellte es in Aussicht – nach präzisierten Planungen.
Der Bedarf nach Diskussion war groß an diesem Abend. Viele Details konnten zwar angesprochen, jedoch keinesfalls geklärt werden. Auch die weitere Entwicklung des Parkquartiers Friedrichsberg auf dem ehemaligen Gelände des Allgemeinen Krankenhauses Eilbek wurde deshalb nur am Rande diskutiert. So etwa, was aus dem verwilderten Park wird? Oder: Warum der Wunsch nach Einrichtung einer Hundewiese keine Gegenliebe beim Bezirk findet? Thomas Domres, Alexander Kleinow und Christopher Leineweber haben nach der Diskussion jedenfalls etliche Streitpunkte auf dem Zettel. Und die werden noch manchen Dialog erfordern. (wh)
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