Barmbek: Streit um U-Bahnstation Hartzloh

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U-Bahnlinie 5: Anwohner bezweifeln Notwendigkeit. Hochbahn favorisiert fünf Varianten Foto: wb
 
Die zwölf Haltestellenvarianten im Bereich Barmbek-Nord. In Rot die fünf Varianten, die aus Sicht der Verkehrsplanung eine nähere Betrachtung verdienen Grafik: Hochbahn
Hamburg: Hartzlohplatz |

U-Bahnlinie 5: Anwohner bezweifeln eine Notwendigkeit. Hochbahn favorisiert fünf Varianten

Von Ruth Heume
Barmbek
Schon die Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung im September war gut besucht gewesen (das Wochenblatt berichtete). Dieses Mal rechnete die Hochbahn mit einem noch größeren Interesse und verlegte die Folgeveranstaltung in die Aula der Helmuth-Hübener-Schule. Schätzungsweise 250 bis 300 Menschen folgten am vorigen Mittwoch der Einladung. „Wo genau kann die zukünftige U5-Haltestelle in Barmbek-Nord liegen?“, lautete die Frage. Für viele Anwohner aber ist die Frage nach wie vor: „Braucht Barmbek-Nord überhaupt eine U-Bahn-Haltestelle?“ Die Moderation übernahm Daniel Luch-terhandt, ein externer Stadtplaner. Im Saal herrschte eine angespannte Stimmung. Besonders die Gegner der geplanten Haltestelle konnten es offensichtlich kaum erwarten, ihre Fragen und Kritikpunkte loszuwerden. Schon bei der Einleitung wurde der Moderator mehrere Male unterbrochen. Luchterhandt begegnete den Zwischenrufern mit betont ruhiger und beschwichtigender Art. Von behutsamem Vorgehen, Zuhören und Dialog auf Augenhöhe war die Rede. Aber es hatte den Anschein, als dränge er mit dieser Botschaft nicht zu den Teilnehmern durch.

Keine „Vorzugsvariante“

Doreen Kerinnis von der Hochbahn erläuterte zunächst noch einmal den Planungsprozess. Dabei war es ihr ein besonderes Anliegen, mit einem Missverständnis aus der vergangenen Veranstaltung aufzuräumen. Die Haltestelle am Hartzloh, ursprünglich als „Vorzugvariante“ bezeichnet“, sei lediglich „eine denkbare, baulich machbare und verkehrlich sinnvolle Haltestellenvariante“. Das habe die Machbarkeitsuntersuchung ergeben. Ob diese jedoch die beste Lösung sei, müsse man nun in der Vorentwurfsplanung herausfinden. Dabei werden auch andere Varianten geprüft und die Meinung der Bürger werde berücksichtigt. Viele Anwohner am Hartzloh haben bereits eine sehr klare Meinung: Finger weg von unserer Straße.

Kritik an offener Bauweise

Die Bürgerinitiative „Lebenswerter Hartzloh“ ist in den letzten Monaten nicht untätig gewesen. Die Kritik richtet sich vor allem gegen den massiven Eingriff, den die Bauarbeiten in offener Bauweise für die schmale Wohnstraße mit altem Baumbestand bedeuten würden. Im nächsten Schritt erläuterte Verkehrsplaner Olaf Weinrich die zwölf Haltestellenvarianten. Bei der Bewertung seien allerdings lediglich verkehrliche Aspekte berücksichtigt worden, betonte er. Es geht beispielsweise um die optimale Anbindung von Anwohnern und Schülern, aber auch des Einzelhandels und der Arbeitsplätze. Ferner wurde die Netzwirkung analysiert im Hinblick auf Fahrtzeiten und Umsteigemöglichkeiten in Busse. Und ebenso spielt die Nutzerfreundlichkeit der Haltestellen eine Rolle.
Unter den fünf verbleibenden Standorten, die den verkehrlichen Zielen am ehesten entsprechen, ist auch weiterhin die Variante Hartzloh-Ost, also östlich der Fuhlsbüttler Straße. Aber auch Hartzloh-West (Wochenmarkt), Hartzlohplatz, Rungestraße und Rümkerstraße sind noch im Rennen. Weiter südlich liegende Standorte, wie sie von den Mitgliedern der Bürgerinitiative präferiert werden, etwa Langenfort und Neue Wöhr, würden zu dicht an den bestehenden Haltestellen Habichtstraße und Alte Wöhr liegen.

U-Bahn sinnvoll?

Als die Teilnehmer gebeten wurden, nun diese verbleibenden fünf Varianten in Kleingruppen zu diskutieren, gab es heftigen Widerstand. Der Moderator zeigte sich schließlich flexibel und gab den Bürgern die Gelegenheit, zunächst allgemeine Fragen und Anmerkungen loszuwerden. Dabei kam immer wieder die Frage auf, ob Barmbek-Nord überhaupt eine Haltestelle brauche. Dazu Luchterhandt: „Wir sind als Hochbahn von Senat und Bürgerschaft beauftragt worden, die U5 Ost zwischen Bramfeld und City-Nord unter Anbindung von Barmbek-Nord zu planen.“

Entscheidung Anfang 2017

Ob es wirklich eine Mehrheit der Anwohner ist, die generell gegen eine Haltestelle in Barmbek-Nord ist, lässt sich schwer sagen. Es gab durchaus auch Bürger, die bestätigten, dass die Buslinien im Berufsverkehr völlig überlastet seien und daher eine U-Bahn sinnvoll ist. Auch Fragen nach Umsiedlungen und Entschädigungen wurden gestellt. Dazu kann die Hochbahn in diesem sehr frühen Stadium der Planung noch gar nichts sagen. Aber selbstverständlich werde man sich an geltendes Recht halten. Nun müssen die verbleibenden fünf Varianten einer baulichen Prüfung unterzogen werden. Erst in diesem Schritt werden Kriterien wie der Einfluss auf Mensch, Umwelt und Natur, Eingriffe in Baueigentum, bautechnischer Aufwand und Baustellenlogistik berücksichtigt. Viele Teilnehmer schlossen sich nur unter Protest der Kleingruppendiskussion an. Dort wurde dann lebhaft diskutiert, am Ende standen viele Fragen, Anmerkungen und Aspekte auf den Zetteln. Luchterhandt versprach, die Hochbahn werde alles auswerten. Ende Januar sei noch eine Veranstaltung geplant. Im ersten Quartal 2017 soll die Entscheidung für einen Haltestellenstandort fallen.

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