Barmbeker Jungs geben Revival-Konzert

Anzeige
Das waren „The Boasters“ im Jahr 1965 Foto: privat
 
So sehen „The Boasters“ heute aus. Oben v.l.: Jörn Elbel, Manfred Puls, Mitte v.l.: Ewald Mühle, Rolf Groth, vorn sitzend: Günter Domke, rechts stehend: Carsten Voigt Foto: privat

1965 gegründete Ex-Schulband „The Boasters“ spielt am 22. April im Bürgerhaus in Barmbek

Barmbek Außergewöhnliches Revival im Bürgerhaus: Mit der Band „The Boasters“ hatte Barmbek bereits eine Boygroup, als man im Rest der Welt noch gar nicht wusste, wie man das schreibt. Schon 1965 spielte die Schülerband am Hartzlohplatz im Gemeinderaum der St. Gabriel Kirche. Jetzt sind sie zurück – mehr als 50 Jahre später, fast am selben Ort, und sie haben sich kaum verändert - was ihren Musik-Enthusiasmus betrifft. Ihr musikalisches Repertoire ist jedoch nicht in den Sechzigerjahren stehen geblieben. Neben den Songs aus „ihrer“ Zeit spielen die sechs gestandenen Herren Stücke von Bon Jovi, ZZ Top und Stevie Ray Vaughan – und das nach eigenen Angaben – mit noch mehr Leidenschaft als vor 50 Jahren.

Die gute alte Zeit


Heute geraten die ehemaligen Schülermusiker um Günter Domke (Gitarre), Ewald Mühle (Bass), Carsten Voigt (Gesang, Blues Harp) und Manfred Puls (Technik) ins Schwärmen, wenn sie an die sechziger Jahre denken. Sie übten im Klassenraum der Schule Fraenkelstraße, spielten auf Schulfesten, in Gemeindezentren und Tanzcafés. Instrumente wurden mit Taschengeld oder durchs Zeitungsaustragen finanziert. Den ersten Verstärker konstruierte Klassenkamerad Manfred Puls aus alten Radioröhren. Ein Vater, von Beruf Tischler, baute schrankgroße Lautsprecherboxen, wie sich Bandmitglied Carsten Voigt erinnert. Die musikalischen Vorbilder der Gruppe waren die Beatles, die Rolling Stones, Pretty Things, Kinks und andere Gruppen von der Britischen Insel. Selbst Chuck Berry, Buddy Holly und Elvis Presley gehörten zum Repertoire. „Wie brav sahen wir damals aus“, amüsieren sich die heute älteren Herren, wenn sie die Schwarz-Weiß-Fotos von damals betrachten. Doch mit dem Musikgeschmack änderte sich auch die Frisur der Jungendlichen. Der Seitenscheitel wich der pomadigen Rockertolle. Als Pilzköpfe provozierten sie den Protest der Eltern. Mädchen trugen Minirock und toupierten steil ihre Haare. Wenn die jungen Bandmitglieder sich nicht im Übungsraum trafen, stromerten sie durch die Fuhlsbüttler Straße, ihre Barmbeker „Route 66“. Mit der Straßenbahnlinie 6 fuhren sie im Sommer zum Baden ins Freibad Ohlsdorf, das noch durch brackiges Alsterwasser gespeist wurde. Im Winter ging es in die entgegengesetzte Richtung ins „Bathlo“ zum Hallenbad Bartholomäusstraße. Am Wochenende saßen sie im Kino. Sie sahen im Roxy- oder Gloria-Kino Filme über die Helden Ben Hur oder El Cid. Besuchten vormittags in der „Blende“ die Kindervorstellung und: „Wir schlichen uns abends in den Skandalfilm ‚Das Schweigen‘ von Ingmar Bergmann“, erzählt Carsten Voigt. Fußball spielten die Barmbeker Jungs noch auf der Straße oder der „Drachenwiese“ am Ohlsdorfer Friedhof. Wer im Verein war, holte sich seine Schürfwunden auf dem „Grand-Acker“ bei BU, Wenden SV oder Paloma. Post-SV-Anhänger spielten damals am „Forsthof“ bis der Verein dem Neubaugebiet Steilshoop weichen musste. 1966 endete die Schulzeit und es begann der „Ernst des Lebens“. Damit schloss auch abrupt die „hoffnungsvolle Musikerkarriere der Boasters“, so Voigt. „Ehe die Sterne am Musikerhimmel richtig aufgingen, verloschen sie sich in der Routine der des Neun-Stunden-Tages am Schreibtisch oder an der Werkbank.“ Die Musikinstrumente verschwanden im Keller oder auf dem Dachboden. Die Schulfreunde verloren sich aus den Augen, gründeten Familien, „kletterten auf der Karriereleiter als Techniker, Ingenieur, Pilot oder Journalist auf und ab“. Vor sieben Jahren fand die ehemalige Schülerband aus den Schulen Fraenkelstraße und Ballerstaedtweg wieder zusammen. Verstärkt haben sie sich mit Jörn Elbel (Gitarre) und Rolf Groth (Drums, Gesang). Sie stammen nicht aus Barmbek, sondern aus der Hamburger Neustadt und „gleich von nebenan“, aus Bramfeld. (ruh/wb)

Freitag, 22. April, 20 Uhr, Bürgerhaus in Barmbek, Lorichsstr. 28 a, Telefon 630 40 00
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige