Begehrtes Bramfeld: Mieten im Stadtteil steigen

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Begehrtes Bramfeld: Immer mehr junge Familien zieht es in diesen Stadtteil. Folge: steigende Mieten
 
Dr. Joachim Wege vom Verband deutscher Wohnungsunternehmer

Über 60 Teilnehmer an der Veranstaltung „Ist Wohnen noch bezahlbar? Soziales Mietrecht für alle!“

Von Klaus Schlichtmann
Bramfeld. Das Interesse war groß: Über 60 Bürger folgten der Einladung der Hamburger Bundestags-Abgeordneten Aydan Özoguz und Ingo Egloff (beide SPD) sowie dem Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmer, Dr. Joachim Wege, in den Bramfelder Kulturladen (Brakula). Thema des Abends: „Ist wohnen noch bezahlbar? Soziales Mietrecht für alle!“ Am Anfang standen kurze Vorstellungs-Runden der Teilnehmer im Veranstaltungssaal unter der glitzernden Disco-Kugel. So erläuterte Joachim Wege, dass er für 88 Wohnungsunternehmen spreche, die allein in Hamburg 278.000 Mietwohnungen (von insgesamt 720.000) bewirtschaften. Und Hamburg sei die Stadt mit den meisten Genossenschafts-Wohnungen in Deutschland, für die das Motto gelte: „Menschen vor Rendite“. Zum Thema nannte Dr. Wege weitere Zahlen zum Wohnen in Hamburg: „In den Wohnungen unser Verbandsmitglieder liegt die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter bei 5,95 Euro netto, je nach Größe, Ausstattung und Lage gibt es natürlich Unterschiede. Für alle 720.000 Mietwohnungen zusammen beträgt die Netto-Kaltmiete durchschnittlich 7,28 Euro je Quadratmeter.“
Steigende Nebenkosten
Die Mieten steigen, insbesondere bei Neuvermietung einer Wohnung, auch in Bramfeld. Dr. Wege: „Nach unseren Erkenntnissen aber allenfalls um 10 Prozent - und das auch, um alte Wohnungen wieder auf neuen Standard zu bringen.“ Deutlich stärker als die Miete selbst seien  in den letzten Jahren die Mietnebenkosten gestiegen. Und bei Neubau die Baulandpreise – sie kletterten in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 30 Prozent. Vor diesem Hintergrund forderte Joachim Wege die Politiker auf, dass auch die Themen Heizkostenzuschuss und Anpassung des Wohngeldes wieder mit in die Wohnungspolitik aufzunehmen, damit Wohnen bezahlbar sei.
Der Bundestagsabgeordnete Ingo Egloff - ein Bramfelder Urgestein - betonte, dass das Mietrecht auch den sozial schwachen Mietern Schutz bieten müsse und dass Mieterhöhungen bei laufenden Verträgen bei Bestandwohnungen maximal um 15 Prozent innerhalb von drei Jahren erhöht werden dürfen, zumindest in gewissen Lagen. Ingo Egloff: „Wie dringend zusätzlicher Wohnraum ist, ist mir natürlich klar. Alles drängt in die Großstädte. Aber Hamburg ist da mit dem „Bündnis für Wohnen“ auf einem guten Weg!“ Danach  sollen in den kommenden Jahren so über 6.000 Wohnungen gebaut werden, auch und gerade für Normalverdiener.
Frage eines Mannes im Publikum: „Ist es nicht so, dass deutlich mehr Fördergelder für Neubau bereit gestellt werden als für Sanierung? Dass so erhaltenswerte, alte Gebäude abgerissen werden und die alteingesessenen Mieter ausziehen müssen?“ Dr. Wege: „Zum einen gibt es nicht wenige Menschen, die keine Veränderung, keine Sanierung wünschen. Die möchten, dass alles so bleibt. Das wird ja nach Möglichkeit respektiert, aber irgendwann ist das Gebäude so marode, dass nur noch ein Abriss in Betracht kommt. In diesem Falle sehen wir aber zu, dass die Altmieter im Neubau wieder ihren Platz finden.“
Sigrid Brück aus Bramfeld bedauert, dass insbesondere ältere Menschen Schwierigkeiten hätten, ihre inzwischen zu große Wohnung gegen eine kleinere zu tauschen.  „Preiswerte Alternativen gibt‘s aber in Bramfeld kaum. Und wenn man Jahrzehnte lang in diesem Stadtteil zu Hause war, hier den Arzt und die Geschäfte zu Fuß gut erreichen kann, möchte man doch nicht mehr in einen anderen Teil der Stadt ziehen!“
Der Bundestagsabgeordnete versteht ihre Sorgen. Er sagt aber auch: „Wir haben das hier in Bramfeld einmal probiert, haben älteren Mietern kleinere, neue Genossenschaftswohnungen angeboten. Es hat nicht funktioniert! Das ist ein grundsätzliches Problem in unserer immer älter werdenden Gesellschaft!“ An dieser Stelle macht nun ein Zuhörer aus der dritten Reihe einen Vorschlag: „Wie wäre es denn, wenn man bei Neubau-Projekten größere und kleinere Wohnungen unter einem Dach baut. So könnte jüngere Mieter mit Familie zunächst in den großen Wohnungen leben und in Zukunft, wenn die Kinder auf eigenen Beinen stehen, sich innerhalb des Hauses verkleinern.“ Eine Antwort gab es diesmal nicht, wohl aber lobende Worte der Gastgeber: „Danke, diesen Vorschlag nehmen wir jetzt mal als Anregung mit auf den Heimweg.“
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