Begleiter für Bayryam

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Den Neuangekommenen die Hand reichen (v.l.): Margret Lehnhoff-Ntim, Anne Bruns und Sinje Waldschmidt helfen Bayryam dabei, sich in Barmbek einzuleben. Der 13-Jährige ist vor einem Jahr aus Bulgarien nach Hamburg gekommenFoto: Busse

Von Bulgarien nach Barmbek: Hilfe für Flüchtlingskinder

Von Christina Busse
Barmbek. Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Hamburg. Darunter sind auch viele Kinder und Jugendliche, die hier die Schule besuchen. Das Einleben fällt den Flüchtlingskindern nicht immer leicht: alles ist fremd, angefangen bei der Sprache bis hin zu den Sitten. An der Stadtteilschule Barmbek versuchen ehrenamtliche Willkommenspaten, den Kindern den Start in der Fremde zu erleichtern.
Bayryam liebt den Sport. Der 13-Jährige spielt Fußball, geht zum Boxtraining, macht Taekwondo, neuerdings ist er auch Mitglied in einem Barmbeker Sportverein. Den Kontakt zum Verein hat ihm Anne Bruns vermittelt. Die Studentin ist Bayryams Türöffner in den Stadtteil. Und in ein ganz neues Leben. Der Junge mit den dunklen Augen lächelt schüchtern. Er ist erst vor einem Jahr mit seinen Eltern aus Bulgarien nach Hamburg gekommen. In dem fremden Land, mit ungewohnter Kultur und unbekannter Sprache, muss sich die ganze Familie erst einmal völlig neu zurechtfinden. Dabei steht ihnen Anne Bruns zur Seite. Die 21-jährige Barmbekerin, die an der Uni Hamburg Wirtschaft und Kultur Chinas studiert, engagiert sich ehrenamtlich als Willkommenspatin an der Stadtteilschule Barmbek. Hier, in der Fraenkelstraße, besucht Bayryam eine so genannte Internationale Vorbereitungsklasse: Rund 15 Kinder, die erst kürzlich aus ihren jeweiligen Heimatländern nach Deutschland gekommen sind, werden ein Jahr lang auf den regulären Schulunterricht vorbereitet. An erster Stelle steht für alle Deutschlernen. Weil im neuen Leben aber eigentlich fast alles anders ist als früher, hat die Schule im April dieses Jahres das Projekt „Willkommenspaten“ gestartet.
„Wir wollen den Neuangekommenen die Hand reichen und die Kinder und ihre Familien dabei unterstützen, in Hamburg Fuß zu fassen“, erläutert Lehrerin Margret Lehnhoff-Ntim, die das Projekt koordiniert.
Hilfe in allen Lebenslagen
Die Paten helfen den Familien, sich in ihrem neuen Umfeld zu orientieren: Wie fahren Busse und Bahnen? Wo kann man was einkaufen? Wo finden sich Ärzte oder Gebetsstätten? Wie werden Formulare ausgefüllt? Was kann ich in meiner Freizeit machen?
Bayryam zählt lebhaft auf, was er zusammen mit seiner Patin in den vergangenen Monaten erlebt hat: „Minigolf, Kino, Tretboot fahren…“ Am liebsten ist er draußen unterwegs, einfach mit Anne Spazierengehen findet er auch toll. Die beiden sind offenbar ein gutes Team, sie verstehen sich gut. „Ich bin ganz herzlich und dankbar von der Familie empfangen worden und bekomme im Gegenzug ja auch viel von ihrer Kultur mit“, freut sich die junge Frau. Ganz direkt kann sie verfolgen, wie sich der Junge zusehends einlebt und sich immer besser verständigen kann.
Bedarf ist groß
Diese Chance möchte die Stadtteilschule gerne möglichst vielen ihrer internationalen Schülerinnen und Schülern bieten. Bisher gibt es neun Paten, die sich individuell um einzelne Kinder kümmern. Der weitere Bedarf ist groß: In insgesamt sechs Klassen werden bis zu 100 Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 17 Jahren auf den weiteren Schulbesuch vorbereitet. Laufend kommen neue Kinder aus Ländern wie Kolumbien, Afghanistan, Indien, Polen oder Spanien hinzu. „Allmählich kommt auch ein Schwung aus Syrien“, beobachtet Sinje Waldschmidt, die als Lehrerin einer Vorbereitungsklasse erlebt, wie sehr das wöchentliche Treffen mit den Paten die Kinder voranbringen kann. Wer Pate werden möchte, braucht keine besondere Ausbildung zu absolvieren. „Man sollte bereit sein, sich auf Menschen einzulassen. Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich. In erster Linie geht es natürlich ums Kind“, betont Waldschmidt, die als Lehrerin selbst am besten weiß, dass „die Verständigung auch über Hände und Füße klappt“.

Info-Treffen im Januar:
Wer sich für das Projekt interessiert, erhält weitere Infos von Margret Lehnhoff-Ntim: Tel.: 0176-92106524, E-Mail: ehrenamt.stsbarmbek@gmail.com. Das nächste Info-Treffen findet am Donnerstag, 9. Januar, um 16 Uhr in der Schule Fraenkelstraße 3 statt.
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