Beim Radeln ist Mut gefragt

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Der Fahrer des nachfolgenden Autos meint es gut und weicht dem Radfahrer großräumig aus. Dabei kommt er allerdings selbst auf die Gegenfahrbahn Foto: Topf
 
Dieser Lkw begeht eine Ordnungswidrigkeit. Er müsste auf der Straße stehen bleiben und den Fahrradstreifen frei halten Foto: Topf

Der lange Weg zur Fahrradstadt. Oft klappt es mit der Rücksichtnahme nicht

Von Martina Topf
Barmbek
Wenn es nach dem Willen des Senates geht, soll Hamburg Fahrradstadt werden. Aber sind diese Pläne tatsächlich ausgereift und praktikabel? Viele Fahrradwege wurden in der letzten Zeit auf die Straßen verlegt - auch in Barmbek. Laut Statistik ist das weniger riskant als auf dem Gehweg, da die Radfahrer auf der Straße besser zu sehen sind. Doch auch wenn man nicht gleich zum Unfallopfer wird, es ist nervenaufreibend - wie häufig zu beobachten ist. Man braucht schon eine gehörige Portion Mut oder Dickfälligkeit, um sich – im wahrsten Sinne des Wortes – in den Verkehr zu stürzen. Das Grundproblem scheint unter anderem in der mangelnden gegenseitigen Rücksichtnahme zu liegen. Jeder Verkehrsteilnehmer will sein Ziel möglichst schnell erreichen und andere werden dabei oft als lästig empfunden. Ein Beispiel für die Verlegung der Radwege auf der Straße ist die Fuhlsbüttler Straße. Vielen Radfahrern ist das nicht geheuer. Denn nicht selten parkt ein Fahrzeug auf dem Radweg. Als Radfahrer muss man entweder anhalten oder sich in den fließenden Verkehr einreihen und das Hindernis umfahren. Auf Anfrage beim Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club (ADFC) hieß es dazu, es sei Aufgabe der Polizei dieses Fehlverhalten seitens der Autofahrer strenger zu ahnden. Ebenso viel Angst macht es so manchem Radfahrer, dass die meisten parkenden Autos entlang der Straße mit dem Heck Richtung Straße parken. Beim Ausparken kann der Autofahrer oftmals weder Radweg noch Straße richtig einsehen. Manch einer tastet sich langsam vor, andere fahren einfach rückwärts, getreu dem Motto: die anderen werden mich schon sehen und raus lassen. Gerade älteren Radfahrern gefällt die Verlegung der Radwege auf die Straße nicht. Sie benutzen stattdessen lieber den Fußweg. Doch ist das erlaubt? Auch hierzu gibt es laut ADFC klare Regeln: Das Fahren auf dem Bürgersteig ist nicht erlaubt. Der Radfahrer hat, sofern kein ausgewiesener Radweg vorhanden ist, die Straße zu benutzen. Auch in den Fällen, wo die Radwegmarkierung nicht auf der ganzen Straße vorhanden ist. Ein Beispiel dafür ist der Wiesendamm entlang des Barmbeker Bahnhofs. Dort gibt es eine Radwegmarkierung, aber nur für wenige Meter. Radfahrer müssen auf der Straße weiter fahren. Es kommt sogar vor, dass man auf eine Fahrbahnmarkierung ganz verzichtet, wie auf der Steilshooper Straße Richtung Habichtsstraße. In eine Richtung ist der Radweg auf die Straße verlegt worden, in die andere Richtung parken Autos, ein ausgewiesener Radweg ist nicht zu erkennen. Für alle Beteiligten ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Doch auch hier gilt, so der ADFC, der Radfahrer gehört auf die Straße.
Wie könnte das Radeln für alle sicherer werden? Einheitlich Tempo 30 auf Hamburgs Straßen, wie auch der ADFC fordert? Ob sich das jemals wird durchsetzen wird? Ein Anfang ist schon mit Radfahrstreifen auf den Straßen gemacht, aber bis zur Fahrradstadt scheint es noch ein langer Weg zu sein.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Rad, Auto oder als Fußgänger? Schreiben Sie an: radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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9 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 02.03.2016 | 10:34  
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 02.03.2016 | 22:33  
8
Rüdiger Hoffmann aus Barmbek | 02.03.2016 | 23:12  
401
Rainer Stelling aus St. Georg | 03.03.2016 | 11:19  
59
Klaus Sebaldt aus Barmbek | 03.03.2016 | 20:50  
7
Vorstadt Strizzi aus Altstadt | 04.03.2016 | 09:31  
401
Rainer Stelling aus St. Georg | 04.03.2016 | 12:42  
6
Florian Plähn aus Lokstedt | 04.03.2016 | 19:19  
71
Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 25.03.2016 | 19:49  
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