Beliebter Laden „Abraham“ schließt

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Das Ehepaar Bachmann (Mittte) mit ihren langjährigen Kunden, von denen die meisten fast täglich vorbeigekommen sind. Einfach zum Klönen und weil die Atmosphäre so herzlich war Foto: Grell
Hamburg: Hellbrookstraße 63 |

Geschäftsleute gehen am 29. Juli Rente: Mit dem Geschenkartikel-Laden verschwindet ein besonderes Geschäft

Von Karen Grell
Barmbek
Die Nachricht über die Geschäftsaufgabe des beliebten Ladens „Abraham“ an der Hellbrookstraße hat die Barmbeker völlig aus der Fassung gebracht. Gunda und Peter Bachmann gehen in Rente – nach mehr als 40 Jahren gemeinsamer Arbeit in ihrem eigenen Geschäft (das Wochenblatt berichtete). „Das könnt ihr uns doch nicht antun“, bedauern die meisten, die „gar nicht wussten, dass wir schon älter als 70 Jahre sind“, sagt Gunda Bachmann lachend. Den Ansturm auf den Laden nach Bekanntgabe der Schließung hätte sie niemals erwartet. „Die normalen Öffnungszeiten sind praktisch ungültig geworden“, so Peter Bachmann. „Es kommen auch lange nach Ladenschluss immer noch Kunden vorbei.“
 

Deko und Kitsch vom Feinsten

Was das Besondere an diesem Laden war, von dem alle sagen, er verkaufe all das, was niemand wirklich brauche, können die Kunden schnell beantworten: „Hier gab es Deko und Kitsch vom Feinsten“, meinen Anne Creuzer und Ilse Ernst, die immer, wenn sie im Laden waren, auch irgendetwas mitgenommen haben: „Einfach, weil die beiden einen so exzellenten Geschmack haben und man sich dann gern mal mit etwas Schönem belohnt.“

Laden war ein Nachbarschaftstreff

Viel mehr noch sei es aber die Herzlichkeit der Bachmanns gewesen, die die Menschen zu jeder Tageszeit in den Laden gezogen hätte: „Für die älteren Anwohner war es eine Anlaufstelle zum Klönen, für die jüngeren wie ein Nachbarschaftstreff, wo man sich zum Kaffee trifft.“ Auch Uschi Borggräfe wird diesen Laden „unendlich vermissen“ und bedauert, dass gerade die kleinen Geschäfte, die noch eine Seele haben, schließen müssen. Eine ältere Dame, die täglich vorbeikam, weiß noch nicht, wo sie in Zukunft die Schokolade kaufen wird, die sie immer überall in der Nachbarschaft verschenkt hat, und mit wem sie dann so schön klönen soll.

Letzter Tag ist der 29. Juli

Ein ganzer Stadtteil ist in Aufregung, manche scheinen Urlaub genommen zu haben, um sich immer wieder neu zu verabschieden, denn die Besucherströme reißen einfach nicht ab. „Am 29. Juli ist der letzte Tag“, bedauert auch Gunda Bachmann, die sich manches Mal, wenn wieder ein langjähriger Kunde in den Laden kommt, ins Lager verdrückt: „Ich kann die vielen Tränen dann einfach nicht mehr verkraften.“ Jeder wolle sich nun noch eine Erinnerung vom „Abraham“ mitnehmen und gerade sei ein Anwohner vorbeigekommen, der nach Paraguay auswandern wird und einen riesigen Schrank gekauft hat, den er im Container verschiffen wird. Eine Erinnerung ans „Abraham“ und die Bachmanns für alle Zeiten. Im Stadtteil ist man sich sicher: „So einen kultigen Laden mit dieser herzlichen Persönlichkeit wird es leider nie wieder geben.“ Ein schöneres Dankeschön kann es für die beiden Rentner doch wohl gar nicht mehr geben. Jetzt soll der Laden neu vermietet werden. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

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