Besuch aus Tansania

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Verstehen sich gut: Johanna Wedekind (l.) und Redemtha William vor den Zelten auf dem Gut Karlshöhe Fotos: eg
 
Im Wohnzimmer-Zelt gibt es viele Ecken zum Arbeiten und Diskutieren Fotos: eg

Zeltstadt für Kulturaustausch auf Gut Karlshöhe. 20 Teilnehmer dabei

Von Elke Grewe
Hamburg. Vor ein paar Tagen weideten hier noch 13 Schafe und zwei Ziegen. Seit dem 9. September müssen die Tiere auf die benachbarte Grünfläche ausweichen. Jetzt stehen auf der Wiese mehrere Zelte und ziehen die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf sich. Auf der Grünfläche von Gut Karlshöhe findet ein ganz besonderes Event statt: Zehn junge Erwachsene, zwischen 18 und 25 Jahren, alles Studenten, sind aus Tansania eingetroffen und pflegen mit zehn Hamburgern bis zum 29. September einen spannenden Kulturaustausch.
Seit vier Jahren besteht offiziell eine Städtepartnerschaft zwischen den Hafenstädten Dar es Salaam, die größte Stadt in Tansania, und Hamburg. Die Idee zu der Jugendbegegnung, die im Februar 2015 in Tansania fortgesetzt wird, hatten zwei Hamburger Austauschschüler. Paul Pörsken und Mete Odadasi lernten als Schüler Tansania, ein Staat in Ostafrika, kennen.

Suche nach kulturellen Wurzeln

Die Vereinigung „MitOst Hamburg e.V.“ fand die Idee großartig und organsierte mit ihren ehrenamtlichen Mitgliedern 2013 erstmalig eine Zusammenführung von Jugendlichen aus Tansania und Deutschland in Hamburg. „Dieser Austausch kam fantastisch an“, freut sich Claus Bietz, der das Projekt pädagogisch betreut. Es geht bei dem Jugendaustausch hauptsächlich um die großen Themen Mobilität, Integration und Identität- die Suche nach den kulturellen Wurzeln. Die Sichtweisen und Lebensgewohnheiten der anderen kennenzulernen, soll mit zur Verständigung beitragen. „Dabei ist allen gemeinsam, dass sie auf der Suche nach einer guten Zukunft sind“, so Claus Bietz. Die Jugendlichen aus Tansania haben schnell Unterschiede im Verhalten der Menschen in Hamburg und Tansania festgestellt. Kanuty Munishi (23, Student) wundert sich: „In Hamburg sind alle so sehr auf die Arbeit fixiert und eher introvertiert. Wenn sie einen Bus betreten, setzt sich jeder allein. In Tansania ist das unmöglich. Man sucht den Kontakt, setzt sich gleich nebeneinander und schon beginnt ein Small Talk“, beschreibt er seine Beobachtungen.
Zwischen den 20 Jugendlichen, die auf Gut Karlshöhe in Zelten mit jeweils sechs Betten unterbracht sind, ist mehr als ein Small Talk zustande gekommen. Man diskutiert stundenlang und entwickelt Projekte. Kürzlich war die Truppe mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Niels Annen in Berlin und hatte dort Kontakt zu Migranten. „Diesen dreiwöchigen Aufenthalt werden wir alle unser Leben lang nicht vergessen“, urteilen alle übereinstimmend. Kein Wunder, dass zwischen einigen schon „kleine“ Freundschaften entstehen. Johanna Wedekind (23), die internationale Beziehungen studiert, sucht das angeregte Gespräch mit Redemptha William (23), die Sozialmanagement studiert. Die beiden sitzen gemütlich bei strahlendem Sommerwetter vor ihren Zelten und tauschen ihre Erfahrungen aus den unterschiedlichen Ländern aus. Alle 20 Jugendlichen bilden eine Art WG: Es wird abwechselnd eingekauft und zusammen gekocht. In dem großem Zelt, einer Art Wohnzimmer, wird gegessen, geklönt und immer wieder über alles Mögliche diskutiert.
Hamburg kommt bei den Jugendlichen aus Tansania gut an: „Eine schöne Stadt mit viel Grün. Und sie ist so multikulti. Der Nahverkehr ist bestens organisiert, die Busse immer pünktlich. Das kennen wir aus Tansania nicht“, bemerkt Soziologe Pascal Daniel (26). Am Freitag wurde den Jugendlichen eine besondere Ehre zuteil: Sie wurden im Hamburger Rathaus feierlich von der Zweiten Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt begrüßt. Dort wurde auch das Programm der Woche der Städtepartnerschaft Hamburg und Dar es Salaam, vom 19. bis 28. September, vorgestellt. An den zahlreichen Terminen werden die Jugendlichen teilnehmen und sich informieren. Sie stehen allen Interessierten offen. Ferner lernen die Jugendlichen, auch kleine Projekte selbst zu erstellen.
Zum Beispiel wird ihnen das Projekt „Interkultureller Garten“ in Billstedt gezeigt. Ihnen wird erklärt, wie man so ein Projekt auf die Beine stellt: vom Entwurf, der Finanzierung bis zur Bekanntmachung in der Öffentlichkeit. Bis Februar soll jeder Jugendliche ein eigentliches Projekt entwickelt haben, das dann in Tansania vorgestellt wird.
Weitere Programmpunkte: week-of-partnership.de
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