Besuch in Steilshoop

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Grünen-Landesvorsitzende Katharina Fegebank (rechts) besuchte mit dem Grünen-Wahlkreisabgeordneten Dennis Paustian mehrere soziale Einrichtungen in Steilshoop. Bei Gebietsentwicklerin Martina Stahl informierte sie sich über die integrative Arbeit des Stadtteilbüros. Foto: Gemeinholzer

Interview mit Katharina Fegebank (MdB)

Steilshoop/Wandsbek. Bei einem Stadtteilrundgang informierte sich Grünen-Landesvorsitzende Katharina Fegebank (GAL) vorvergangenen Mittwoch bei „Rock und Rat“ und im Stadtteilbüro über die Lebensbedingungen in Steilshoop. Begleitet wurde sie vom Steilshooper Wahlkreisabgeordneten der Grünen Dennis Paustian. Neben Steilshoop besuchte Fegebank auch weitere Stadtteile wie etwa Jenfeld.

WochenBlatt (WB): Frau Fegebank, was ist der Hintergrund Ihres Besuchs in Steilshoop?
Katharina Fegebank: Wir haben gerade im Landesvorstand das Schwerpunktthema Soziale Spaltung. Hamburg ist eine von fünf Großstädten mit der größten sozialen Spaltung. Wir sehen, dass es größere soziale Schieflagen gibt wie Sockelarbeitslosigkeit oder Kinderarmut. In einigen Stadtteilen sind bis zu 50 Prozent der Einwohner von Arbeitslosengeld II-Bezug betroffen. Diese Menschen sind völlig abgekoppelt von gesellschaftlicher Teilhabe. Hamburg muss eine Antwort auf diese soziale Spaltung geben. Es muss eine Prioritätensetzung geben, die nicht zulasten der Schwächsten gehen darf, die nicht im geradlinigen Strom mitschwimmen.

WB: Warum haben Sie sich gerade Steilshoop für einen Besuch ausgesucht?
Fegebank: Wir beobachten, dass sich in mehreren Stadtteilen, darunter Steilshoop, nicht nur die Armut verfestigt, sondern auch die Abwendung von Politik und Gesellschaft. Dadurch wird die soziale Spaltung zementiert.

WB: Welche Eindrücke nehmen Sie aus Steilshoop mit?
Fegebank: Ich fand es beeindruckend, mit welchem Enthusiasmus im Stadtteilbüro verschiedene Projekte mit auf den Weg gebracht werden. Das Stadtteilbüro fungiert als Bindeglied, um die Menschen vor Ort zu aktivieren und im Stadtteilbeirat einzubinden. Angesprochen werden alle Menschen im Stadtteil – junge und alte, mit und ohne Migrationshintergrund, Männer und Frauen. Auf diese Art kann man Beteiligung erreichen, sodass Strukturen entstehen, wie der Stadtteil sich selbst organisiert, und ein Sprachrohr geschaffen wird für Probleme.

WB: Ein Beispiel?
Fegebank: Ich fand es im Stadtteilbüro spannend zu sehen, wie Jugendliche über Sport im Stadtteil gestalterisch tätig werden können. Das geplante neue Basketballfeld wird bestimmt ein Treffpunkt werden.

WB: Was ist Ihnen noch positiv aufgefallen auf Ihrer Tour?
Fegebank: Bei „Rock und Rat“ von der Martin Luther King-Kirchengemeinde wird mit viel Liebe und Willen zur Veränderung eine Begegnungsstätte geschaffen. Dort wurde eine gute Kombination gefunden aus einem Secondhandladen, einem schön gestalteten Café und der Möglichkeit, sich beraten zu lassen. Nachdem die Ein-Euro-Jobs dort ausgelaufen sind, versucht die Leiterin das mit freiwilligen Helfern aufzufangen.

WB: Wo sehen Sie Probleme?
Fegebank: Es muss etwas passieren, was die Bausubstanz und die Qualität der Einkaufsmöglichkeiten angeht. Das eigentliche Problem ist aber das Abgehängtsein durch unzureichende Anbindung an die Knotenpunkte des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Das löst großen Frust bei vielen Steilshoopern aus. Ein Großteil der Menschen lebt an oder unter der Armutsgrenze, und es gibt verfestigte Armut, die über Generationen weitergetragen wird. Es war sicherlich eine gute Idee, die Menschen in den 1970er Jahren in einer neuen Großsiedlung zu konzentrieren, aber eine gute Anbindung wurde versäumt. Dadurch kommen die Menschen nicht aus ihrem Stadtteil heraus. Es gibt aber eine aktive Pro-Stadtbahn-Bewegung, die sich nicht abspeisen lassen will. Durch Mobilität, Anbindung an den ÖPNV, Car-Sharing und Fahrradleihstationen kann man aus der Abgeschlossenheit des Stadtteils herauskommen. Das trägt sicherlich auch ein Stück zum sozialen Frieden bei.

WB: Was ist Ihr Fazit nach dem Stadtteilrundgang?
Fegebank: Es ist nicht nachvollziehbar, warum Steilshoop immer noch so unter so einem schlechten Leumund leidet. Es ist ein sehr liebenswerter Stadtteil, aber mit zahlreichen Problemlagen. Jeder sollte sich selbst ein Bild machen und sich nicht in seinen Vorurteilen einrichten. Es gibt dort viele Menschen, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen und des Miteinanders einsetzen und den Stadtteil aus eigener Kraft weiter lebens- und liebenswert gestalten.
Interview: Anne Gemeinholzer
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