Bordell: Ist bald Schluss?

Anzeige
Nur wenige Meter Luftlinie von der Grundschule Humboldtstraße entfernt, gehen Prostituierte ihrem Gewerbe nach. Viele Eltern sind über die Nähe zur Schule entsetztFotos: Barth
 
Der Schulhof in der Heinrich-Hertz-Straße wird auch als öffentlicher Spielplatz genutzt

Etablissement gegenüber Schule könnte Ende August dicht sein

Von Daniela Barth
Barmbek-Süd. Ob Bordell im Hinterhof, spezielle Thai-Massage im Souterrain oder sogenannte Modell-Wohnungen: Wird die Gegend rund um Humboldtstraße, Winterhuder Weg und Heinrich-Hertz-Straße immer mehr zum Rotlichtviertel? Anwohner beobachten die Entwicklung schon länger und fürchten, dass die Wohngegend abgleitet. Für den vorläufigen Höhepunkt der bisherigen Diskussion sorgt jetzt ein Bordell, das direkt gegenüber einer Grundschule liegt.
Es ist ein unscheinbares, gelb geklinkertes Haus an der Heinrich-Hertz-Straße 120, keine 20 Meter Luftlinie von der Grundschule Humboldtstraße entfernt. Die blauen Jalousien sind heruntergelassen, nur der Blumentopf einer künstlichen Palme vor dem Eingang leuchtet abwechselnd in verschiedenen Farben. Hier gehen laut Internet „Bianca“, „Bella“ und „Mia“ ihrer Arbeit nach.
„Ich möchte meine achtjährige Tochter guten Gewissens allein in die Schule schicken können“, sagt eine Mutter (Name ist der Redaktion bekannt), die in der benachbarten Schubertstraße wohnt. Jetzt mache sie sich Sorgen – auch, weil man aus den Fenstern des Etablissements direkt auf den Schulhof schauen könne. „Der Schulhof ist öffentlich und meine Tochter und alle Nachbarskinder nutzen den am Wochenende als Spielplatz“, sagt die Mutter. Viele Eltern seien entsetzt und hätten sich auch schon an die Schulleitung gewandt. Doch die kann nichts tun, wie auch Schulbehörden-Sprecher Peter Albrecht bestätigt: „Zuständigkeit und Verantwortung liegen beim Bezirk. Dieser muss prüfen, ob eine Genehmigung vorliegt beziehungsweise versagt werden kann. Außerdem ist der Vermieter selbst in der Verantwortung. Alle Beteiligten, auch die Eltern, sollten auf die Bezirkspolitik und den Vermieter einwirken, denn rein rechtlich lässt sich ein Bordell ohne Weiteres wohl nicht verhindern.“ Gegebenenfalls müsse der Flächennutzungsplan geändert werden, schlägt Albrecht vor.
Das Bezirksamt, das offensichtlich erst durch die besorgten Eltern von dem Etablissement erfuhr, hat inzwischen reagiert: „Im konkreten Fall ist keine erforderliche Nutzungsänderung beantragt worden“, sagt Sprecherin Katja Glahn. „Deshalb wurde gegen den Betreiber ein baurechtliches Verfahren eingeleitet und eine Nutzungsuntersagung per 30. August angedroht.“
Bordelle seien Gewerbebetriebe aller Art, so die Sprecherin. Ob sie zulässig seien, hänge davon ab, welche Gebietsart festgesetzt ist – zum Beispiel allgemeines Wohngebiet oder Gewerbegebiet. Hier – in einem so genannten „Geschäftsgebiet“ – seien sie zwar allgemein zulässig. „Im Einzelfall können sie jedoch gegen das Rücksichtnahmegebot verstoßen“, so Katja Glahn. Ob von diesem Betrieb unzumutbare Belästigungen oder Störungen ausgehen, etwa hohes Kfz-Verkehrsaufkommen und damit verbundener Lärm, werde nun geprüft. Damit trifft sie auch bei der verärgerten Mutter einen wichtigen Punkt: „Es stört mich, dass hier die wenigen Parkplätze vor den Wohnhäusern ständig von den Autos der Freier besetzt werden.“ Aber vielleicht löst sich dieses Verkehrsproblem schon bis Monatsende.
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
6
Peter Hansen aus Barmbek | 23.08.2013 | 14:09  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige