Braucht Barmbek die U5-Station Hartzloh?

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Stellten sich den kritischen Fragen der Bürger: Stephanie Holk, Harald Rösler und Michael Heidrich Foto: Hochbahn
 
Detaillierte Planskizze der möglichen Haltestelle für die U5 am Hartzloh Grafiken: Hochbahn

Hochbahn, Anwohner und Bezirksamt Hamburg-Nord uneins über die geplante Haltestelle an der Fuhle

Von Ruth Heume
Barmbek
Die Sporthalle des Margaretha-Rothe-Gymnasiums war gut gefüllt am vorigen Montag. Etwa 180 Interessierte waren zur ersten Veranstaltung im Rahmen des Bürgerdialogs zur geplanten U-Bahnlinie U5 in Barmbek erschienen. Die beiden für den Stadtteil geplanten Haltestellen, insbesondere die am Hartzloh, beschäftigen die Bürger offensichtlich. Anwohner verteilten ein Flugblatt, das zur „Rettung des Hartzloh“ aufruft. Die U-Bahn-Station werde zu Lasten von Umwelt und Mensch gehen, heißt es in dem Dokument. Aber auch alternative Haltestellenvorschläge werden aufgezeigt. Die Hochbahn bezieht die Bürger ganz bewusst in einem sehr frühen Stadium in die Planung mit ein. Bisher liegt lediglich eine Machbarkeitsuntersuchung vor, Änderungen sind also noch möglich. Dennoch gebe es bestimmte Rahmenbedingungen, erklärte Doreen Kerinnis, zuständig für Bürgerbeteiligung bei der Hochbahn, so dass nicht immer alle Wünsche erfüllt werden können. Harald Rösler, Bezirksamtsleiter Hamburg-Nord, sprach dem Unternehmen seinen Respekt für den frühen Einstieg in die Bürgerbeteiligung aus.

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Die Haltestelle am Hartzloh, so Rösler, werde einen weiteren Eckpunkt für die Fuhlsbüttler Straße setzen. Die Anbindung des nördlichen Teils der Fuhle an das U-Bahnnetz werde die Sogwirkung des neu gestalteten Bahnhofsumfeldes mildern und für eine weitere Belebung der gesamten Einkaufsmeile sorgen. Auch die Bewohner des Quartier 21 würden davon profitieren. Hochbahn-Systemplaner Michael Heidrich erläuterte den bisherigen Stand der Untersuchungen. Seine Kollegin Stephanie Holk gab anschließend Details zu den geplanten Haltestellenanlagen bekannt. Danach war mehr als eine Stunde Zeit für Fragen und Diskussionen, und die wurde intensiv genutzt. Hochbahn-Pressesprecher Christoph Kreienbaum räumte gleich zu Beginn ein, dass es sich um ein sehr emotionales Thema handele. Umso mehr bitte er um Sachlichkeit bei der Diskussion. Kreienbaum und seine Kollegin Bettina Börgeling hatten alle Hände voll zu tun, mit dem Mikrophon durch die Stuhlreihen zu gehen. Ein Kriterium für die Position einer Haltestelle sei laut Stephanie Holk, dass man eine gerade Strecke von mindestens 120 Metern benötige und eine Breite von ungefähr 20 Metern. Da wird es am Hartzloh in der Tat eng, zumindest während der Bauarbeiten, die bevorzugt in offener Bauweise erfolgen sollen. Das sei eindeutig das sicherste Verfahren. Es müssten Bäume gefällt werden, und sogar Vorgärten seien betroffen. „Uns ist bewusst, dass es sich hier um einen schweren Eingriff für die Anwohner während der Bauphase handelt“, so die U-Bahn-Expertin. Immer wieder kam die Frage nach Alternativen auf, beispielsweise im westlichen Teil des Hartzloh oder am Langenfort. Die Hochbahn versprach, alle Alternativen sorgfältig zu prüfen. Es gebe aber zahlreiche Parameter, die berücksichtigt werden müssen. So sei beispielsweise der Kurvenradius einer U-Bahntrasse begrenzt. Und zwischen Rechts- und Linkskurven brauche man immer auch ein Stück gerader Strecke. Auch das Thema Erschließung sowie der Abstand zur nächsten Haltestelle spiele eine Rolle.

Zweifel wegen Station


Die Sinnhaftigkeit der geplanten Haltestelle am Hartzloh wurde von zahlreichen Anwohnern in Frage gestellt. Denn die Reisezeit in die Innenstadt würde sich nicht wesentlich verbessern. Statt mit dem Bus zum Barmbeker Bahnhof zu fahren, müsse man per U-Bahn entweder bis Rübenkamp fahren und dort in die S1 umsteigen, alternativ bis zur Sengelmannstraße und dort in die U1 wechseln. Warum die geplante Trasse unter dem Hartzloh entlanggeführt werde, leuchtete wohl am Ende den meisten Besuchern der Veranstaltung ein. Ob es deswegen aber notwendigerweise auch eine Haltestelle Hartzloh geben müsse, erschien vielen fragwürdig. Bedenken äußerten einige der Anwohner auch bezüglich der Sicherheit ihrer Gebäude. Die Hochbahn sagte zu, alle Gebäude zu prüfen, sobald der Verlauf der Trasse feststehe. Stephanie Holk: „Das ist nicht die erste U-Bahn, die wir bauen. Wir haben auch die U4 mitten durch die Stadt in die HafenCity geführt, ohne eine Schneise der Verwüstung zu hinterlassen.“ Auch Vibrationen werde man nicht spüren, da die Trasse ausreichend tief unter den Gebäuden liegen werde. Harald Rösler warb für die geplante Haltestelle am Hartzloh. „Jeder will die U5, nur nicht vor der eigenen Haustür“, so der Tenor seines Appells. Diese Betrachtungsweise halte er für kurzsichtig. „Im ersten Quartal 2017 wissen wir mehr“, versprach Christoph Kreienbaum, der durch seine souveräne Moderation die Situation im Saal stets unter Kontrolle hatte.

Info:


Wie die Hochbahn vermeldet, werden schon in den kommenden Tagen entlang der vorgesehenen U5-Bahn-Trasse die Bodenverhältnisse durch Probebohrungen näher untersucht. Die Ergebnisse sollen wichtige Erkenntnisse für die Vorentwurfsplanung liefern. Insbesondere für den Bau der Haltestellen, der in offener Bauweise erfolgen soll, muss die Baugrundzusammensetzung im Vorfeld analysiert werden, um Überraschungen zu vermeiden. Parallel zu den Bohrungen in Barmbek-Nord werden die entsprechenden Baugrunderkundungen auch in Bramfeld und Steilshoop sowie in der City Nord durchgeführt. Bis zu 40 Meter tief wird für die Baugrundaufschlüsse in den Hamburger Boden gebohrt. Pro Bohrstelle sind etwa drei bis vier Tage veranschlagt. In Barmbek-Nord beginnen die Bohrungen im Bereich Hartzloh am 6. Oktober, der Bereich Rübenkamp folgt in der zweiten Oktoberhälfte. Die Bohrungen finden – laut Hochbahn mit einigen Ausnahmen – tagsüber auf öffentlicher Fläche statt.

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4 Kommentare
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Michael Kahnt aus Barmbek | 28.09.2016 | 11:56  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 28.09.2016 | 11:57  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 05.10.2016 | 08:07  
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Michael Kahnt aus Barmbek | 05.10.2016 | 10:32  
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