Busunfall in Hamburg: Gaspedal mit Bremse verwechselt

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Amtsgericht Barmbek: Busfahrerin nach Unfall zu 1.200 Euro Geldstrafe verurteilt

Barmbek/Bramfeld. Mit einem Tempo von 60 km/h raste der rund 8000 Kilogramm schwere Bus auf die Kreuzung Bramfelder Straße/Habichtstraße zu. Ein Fahrgast rief der Busfahrerin zu: „Sie müssen bremsen, bitte bremsen!“ Doch statt langsamer wurde der Bus immer schneller und die Busfahrerin schrie: „Die Bremse funktioniert nicht!“ Dann krachte es.
Der Bus war in einen VW und in einen Opel gekracht. Die Autos hatten bei Rot vor der Kreuzung gehalten. Durch den Aufprall wurden sie über die Kreuzung geschoben. Der Bus kam erst 450 Meter weiter, vor der Einfahrt zur Fabriciusstraße, zum Stehen. Busfahrerin Zdenka B. (63) hatte auf Zuruf eines Fahrgastes den Motor abgestellt. Der Fahrer des Opels erlitt durch dem Unfall schwere Verletzungen, der Fahrer des VW und drei Fahrgäste im Bus kamen mit mittleren und leichten Verletzungen davon.
Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sich die Busfahrerin jetzt vor dem Amtsgericht Barmbek verantworten. Sie selbst wurde bei dem Unfall auch leicht verletzt und ist seitdem in psychologischer Behandlung. Den Beruf als Busfahrerin hat sie aufgegeben.
Der Unfall war in den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2013 passiert. Dass der Prozess zu diesem Unfall erst jetzt stattfand, lag an den umfangreichen Untersuchungen, die zwei Sachverständige an dem Unfallbus vornahmen. Mehrere HVV-Busfahrer hatten beklagt, dass an dem Bus immer wieder technische Mängel aufgetreten seien. Ein Fahrer hatte erklärt: „Der Bus hat eine Macke!“ Die unabhängigen Gutachter stellten jedoch fest: „Die Bremssysteme an dem Bus funktionierten einwandfrei!“
Fazit für das Gericht: Die Busfahrerin muss an diesem Morgen in großer Hektik das Gaspedal mit dem Bremspedal verwechselt haben. Dafür spricht auch, dass der Bus kurz vor dem Aufprall auf die vor der Ampel stehenden Autos noch von 60 km/h auf 65 km/h beschleunigte.
Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Zdenka B., die inzwischen von Arbeitslosengeld lebt, darf die Strafe in monatlichen Raten von 50 Euro abbezahlen.
Die Angeklagte selbst hat an den Unfall keine Erinnerungen. „Ich weiß noch“, so die Busfahrerin, „dass ich an der Haltestelle Wachtelstraße vorbeigefahren bin, weil dort niemand einsteigen wollte. Ab dann Filmriss!“ Die Fahrgäste berichteten, dass die Innenbeleuchtung in dem Bus abgeschaltet war.
Es war kurz nach 6 Uhr morgens und stockdunkel. Sie baten die Fahrerin deshalb, das Licht einzuschalten. Drei Sekunden vor dem Aufprall ging das Licht an. Möglicherweise war die Fahrerin durch die Suche nach dem Lichtschalter abgelenkt. Außerdem war Zdenka B. nach einer Pause von einem Jahr erst seit zwei Wochen wieder auf „Linienfahrt“. Die Busfahrerin, die auf 30 Berufsjahre zurückblicken kann, hatte die Pause eingelegt, weil sie von Kollegen gemobbt worden sein soll.
Die Strafe fiel so milde aus, weil sie selbst durch Unfall schwer bestraft wurde. „Meine Existenz ist zerstört“, erklärte die Ex-Busfahrerin vor Gericht. Außerdem zeigte sie tätige Reue. Allen Opfern des Unfalls hatte sie einen Brief geschrieben und sich entschuldigt. (je)
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