Coole Kids ausgezeichnet!

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Barmbeker Schülerinnen des Projekts „Erinnerungen schenken“ bei der Preisverleihung Foto: Tißler/wb
 
„Die coole 7a“ der Stadtteilschule Barmbek erhielt für ihren Song „Wir sind wir“ einen Bertini-Preis Foto: Tißler/wb

Stadtteilschule Barmbek erhielt zwei Bertini-Preise für Zivilcourage

Barmbek Gleich zwei Mal wurde die Stadtteilschule Barmbek mit einem Bertini -Preis geehrt. 25 Schülerinnen und Schüler aus der 6. und 7. Klasse erhielten den zum 17. Mal verliehenen Preis für junge Menschen mit Zivilcourage kürzlich im Ernst Deutsch Theater für ihren Rap „Wir sind wir“, den sie mit der Musikerin Vera Langner einstudiert hatten. 15 Schülerinnen und Schüler mit polnischen Wurzeln, die die Schule größtenteils schon absolviert haben, wurden für ihr Projekt „Erinnerung schenken – auf Spurensuche von Zwangsarbeit in der NS-Diktatur“ ausgezeichnet. Sie hatten die Schicksale von Kindern von polnischen Zwangsarbeitern recherchiert, die in Hamburg geboren worden waren.

Kinder aus 13 Nationen lernen gemeinsam


Die Sechst- und Siebtklässler aus 13 verschiedenen Ländern dokumentieren in ihrem Song „Wir sind wir“ ihre Verbundenheit miteinander über die Kulturen hinweg und mit ihrer Stadt Hamburg. 15 polnische ehemalige Zwangsarbeiterkinder besuchten Hamburg kürzlich auf Einladung des Senats im Rahmen eines Versöhnungsprogramms. 15 Oberstufen-Schülerinnen der Stadtteilschule Barmbek nahmen auf Anregung des Schulleiters Bernd Tißler mit ihnen Kontakt auf und recherchierten deren ersten bis zu sechs Lebensjahre, die sie in Hamburg verbrachten. Ihre Eltern, Mütter oder Väter waren von den Nazis nach Hamburg verschleppt worden, und wurden in den Nachkriegsjahren nach Polen zurückgeschickt.

„Die gemeinsame Sprache erleichterte die Kontaktaufnahme.“ Bernd Tißler

Im Rahmen des EU-Programms im Ostseeraum Co2ol-Bricks hatten die Barmbeker Schülerinnen mit polnischen Wurzeln einen Austausch mit einer Schule in Danzig
aufgenommen. Ausgangspunkt war die Backsteinarchitektur beider Städte. Einen weiteren Anknüpfungspunkt fand Schulleiter Bernd Tißler in dem Schicksal der in Hamburg geborenen Zwangsarbeiterkinder. „Die gemeinsame Sprache erleichterte die Kontaktauf-nahme“, erzählte Bernd Tißler. An der Stadtteilschule Barmbek wird Polnisch nicht nur unterrichtet. Es ist die einzige Schule in Hamburg, an der Polnisch auch Abiturprüfungsfach sein kann. Die Begegnungen der Barmbeker Schülerinnen mit den Kindern der Zwangsarbeiter hatte sehr bewegende Momente. Die Schülerinnen mit polnischen Sprachkenntnissen hatten Geburtsurkunden von einigen Zwangsarbeiterkindern in Hamburger Archiven gefunden. Die heute über 70-jährigen Kinder der Zwangsarbeiter sahen sie zum ersten Mal.

Schule zwischenTradition und Moderne


Über die Begegnungen drehten das Stadtteilkulturzentrum Motte und die Gedenkstätte Neuengamme einen 40-minütigen Dokumentarfilm. Die beiden mit dem Bertini- Preis ausgezeichneten Projekte passen genau zu den Grundsätzen der Stadtteilschule Barmbek. „Wir leben eine Tradition von Friedens-, Trauer- und Erinnerungsarbeit“, erzählt Bernd Tißler, was mit den Schülerinnen und Schülern „mit sehr unterschiedlichen Biografien“ zusammenhänge, so der Schulleiter. Sowohl das heutige Wir-Gefühl verschiedener Kulturen als auch die Tradition und die Erinnerung, gerade an die Zeit des Nationalsozialismus, werden hier groß geschrieben. Der Name Bertini-Preis geht zurück auf den Roman „Die Bertinis“ von Ralph Giordano. Er wird an junge Einzelpersonen/Gruppen verliehen, die sich in Projekten für die Aussöhnung, das Miteinander und die Stärkung der Zivilcourage engagieren. Die acht Siegerprojekte dieses Jahres erhalten je 1250 Euro. (ch)
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