Das Denkmal für Deserteure kommt

Anzeige
Zeitzeugen und ehemalige Soldaten: Für Uwe Storjohann (87, links) und Ludwig Baumann (90) ginge mit dem Deserteursdenkmal ein später Traum in Erfüllung.Fotos: Lublow/pi
 
Norbert Hackbusch, Vorsitzender des Kulturausschusses (links) und René Senenko von der Willi-Bredel-Gesellschaft sind stolz auf den Erfolg des Bündnisses für ein Hamburger Deserteursdenkmal.

Aber die Details sind noch nicht geklärt

Ohlsdorf. Das war ein triftiger Grund für eine Party: Nach zwei Jahren Kampf beschloss die Hamburger Bürgerschaft kürzlich einstimmig die Schaffung eines Deserteursdenkmals in der Hansestadt.
Das „Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal“, dem 21 Gruppen, Vereine, Institutionen angehören, beschloss, diesen Erfolg gemeinsam zu feiern. Ort der Party war der „Grüne Saal“ im alten Gebäude des Freibades Ohlsdorf – direkt neben dem Sitz der Willi-Bredel-Gesellschaft, die ebenfalls zum Bündnis gehört. Mehr noch: René Senenko, Mitarbeiter der Bredel-Gesellschaft, hat das Bündnis erst möglich gemacht, die Arbeit und die regelmäßigen Treffen koordiniert. „Am 5. Juni 2010 hatten wir unsere erste Aktion. Damals wussten wir noch nicht, was uns erwartet“, erinnert sich Senenko. Es war ein schwieriges Unterfangen. „Wir wollen die Deserteure ehren, die in Hamburg hingerichtet wurden. Uns war bewusst, dass es Menschen gibt, die Deserteure nicht für Vorbilder halten“, so Senenko. Doch das Bündnis gab nicht auf. Mit mehreren „Klotz-Partys“ machten sie auf ihren Wunsch aufmerksam. Der Kriegsklotz am Stephansplatz wurde beispielsweise mit einem sechs Meter breitem Banner verhüllt, welches das Antikriegsgemälde „Guernica“ von Picasso zeigte.
Fest mit Augenzeugen
Zur Erfolgs-Feier erschien auch Augenzeuge und Deserteur Ludwig Baumann. „Mit dem Denkmal würde ein später Traum in Erfüllung gehen“, sagt der 90-Jährige. „Jetzt erst werden die letzten noch lebenden Deserteure des Zweiten Weltkriegs rehabilitiert.“ Baumann konnte es nie verstehen, dass es Denkmäler für die Soldaten gibt – für die Opfer jedoch keine. Für ihn sei dies eine Verhöhnung der Opfer, für die endlich ein Zeichen gesetzt werden müsse. „Ein Deserteursdenkmal ist allerdings keine Verhöhnung der Bundeswehr“, betont er.
Uwe Storjohann hat den Krieg ebenfalls als Soldat miterlebt. „Ich wurde in Rahlstedt ausgebildet, direkt neben dem Schießplatz Höltigbaum. Dort wurden täglich desertierte Soldaten erschossen und wir haben es gehört“, erzählt der 87-Jährige. Er selber sei erst gegen Ende des Krieges desertiert, wie tausende andere Soldaten auch. „Das durfte man nach dem Krieg jedoch nie offiziell machen, wenn man beruflich Karriere machen wollte“, sagt Storjohann, der unbedingt dabei sein wollte, wenn auf den Beschluss angestoßen wird: „Es ist wunderbar, allerdings hätten wir das Denkmal schon Jahrzehnte zuvor bekommen müssen.“
Viele Details sind noch nicht geklärt
Glücklich über den Beschluss ist auch Norbert Hackbusch (Die Linke), Vorsitzender des Kulturausschusses, der die Realität jedoch nicht aus den Augen lässt: „Wir haben einen wichtigen Schritt Richtung Ziel geschafft. Aber es ist erst mal nur der Beschluss gefasst worden.“ Wie das Denkmal aussehen wird, und vor allem wo es stehen soll, ist noch lange nicht entschieden. Es werde eine Ausschreibung für Künstler geben, ein Beirat, der sich um die belange kümmern soll, werde gegründet. „Das Bündnis hat sich für den Kriegsklotz am Stephansplatz als Standort entschieden.
Doch nicht alle Fraktionen sind dafür“, so Hackbusch. Der Kampf geht also weiter – in die zweite Runde. (sl/pi)
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
6
Holger Scheffler aus Rahlstedt | 23.03.2013 | 15:59  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige