Das Neubaugebiet der Flüchtlinge

Anzeige
So planen Sozialbehörde und Bezirksamt die Unterkünfte auf dem 1,8 Hektar großen Gelände Skizze: BASFI/wb

Im alten Anzuchtgarten werden 13 Häuser gebaut. Die ersten 250 Neubewohner ziehen zum Jahresende ein

Ohlsdorf Massenandrang herrschte in der Albert-Schweitzer-Schule: Für rund 800 Anwohner fand an einem Abend kürzlich die Info-Veranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft in Klein Borstel deshalb in zwei Durchgängen statt. Mit Unmut und gemischten Gefühlen kamen sie, bis Informationen, Bedenken und Fragen geklärt wurden. Am Ende jedoch herrschte Aufbruchsstimmung: „Klein Borstel hilft!“
Angesichts dramatischer Bilder zur Flüchtlingskrise musste Bezirksamtsleiter Harald Rösler nicht mehr lange an den Ernst der Lage erinnern. Andrea Stolpmann, Referentin der Sozialbehörde, Jonte Plambeck von fördern & wohnen sowie die Architekten lieferten die Fakten: Auf dem 1,8 Hektar großen Gelände das alten Anzuchtsgartens entsteht ab sofort eine Folgeunterkunft für 700 Flüchtlinge. Der Bau von 13 Häusern ist als polizeirechtliche Notmaßnahme nach dem Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG) bereits beschlossen: Weil Eile geboten ist, können zwar Fragen erörtert werden, die üblichen Verfahren von Anhörung, Bürgerbeteiligung oder Baugenehmigung sind jedoch ausgesetzt.
Flüchtlinge, derzeit noch in Zelten, brauchen geschützte Unterkünfte. Die entstehen in Modul- und Containerbauweise: sechs zweigeschossige Häuser nördlich des Erna-Stahl-Rings, sieben Häuser mit drei Geschossen sind im Osten und an der Grenze zum Friedhof vorgesehen. In den neuen drei-Zimmer-Wohnungen sollen Familien oder Einzelpersonen leben und sich selbst versorgen. Ein bereits vorhandenes Haus wird zum Verwaltungsgebäude für 14 Mitarbeiter. Bei den Bauarbeiten werden Bäume möglichst geschont. Rasenflächen und ein Spielplatz sind vorgesehen. Zum Jahresende können bereits 250 Menschen einziehen. Die Häuser im zweiten Bauabschnitt seien bis April 2016 bezugsfertig.
Sorgen von Anwohnern wegen des zunehmenden Verkehrs waren schnell ausgeräumt: „Flüchtlinge haben keine Autos.“ Achselzucken gab es zur befürchteten Wertminderung der Eigenheime. Inzwischen trifft die Initiative „Klein Borstel hilft“ wie berichtet Vorbereitungen: Für die ehrenamtliche Unterstützung von Flüchtlingen. Nur so könnten die neuen Nachbarn endlich richtig ankommen, begrüßte die mit der Moderation betraute Sozial- und Jugenddezernentin Yvonne Nische die Initiative. Auch die Betreuung der Flüchtlingskinder in Kita und Schulen sei gesichert. „Wir in Klein Borstel schaffen das, wir konnten die Zugezogenen aus dem Neubaugebiet ja auch integrieren“, resümierte ein Anwohner, der großen Beifall erntete. (wh)

Ein Runder Tisch, eingerichtet vom Bezirksamt Nord, soll die Hilfen koordinieren: sozialraummanagement@hamburg-nord.hamburg.de. Info: www.klein-borstel-hilft.de
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
6
Carsten Kobe aus Fuhlsbüttel | 23.09.2015 | 09:42  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige