Der Hamburger Stadtpark – historisch

Anzeige
„Hamburger Stadtpark 1914 – 2014“ heißt das gerade erschienene 76-seitige Heft, das kostenfrei in Kultureinrichtungen und im Bezirksamt ausliegt Fotos: wb
 

Experte Joachim Schnitter über gestaltete Freiräume, die sich verändern

Von Misha Leuschen
Hamburg. Der Stadtpark wird 100 Jahre alt und das Bezirks-
amt Nord gratuliert mit einer neuen, informativen Broschüre. Das Wochenblatt sprach mit dem Autor, dem Hamburger Gartendenkmalpfleger Joachim Schnitter, über die Möglichkeiten einer grünen Stadtgestaltung - auch in Barmbek.

Wochenblatt: Sie sind Gartenarchitekt und Landschaftsplaner. Woher rührt Ihr Interesse an der Landschaftshistorie?
Joachim Schnitter: Für Geschichte habe ich mich schon immer interessiert. An der Gartengeschichte finde ich zwei Aspekte faszinierend. Zum einen trifft man auf lebendige Quellen, die aber schon uralt sein können: die Pflanzen. Zum anderen sind gerade Gärten von ihren Besitzern oder den Planern häufig mit Idealvorstellungen aufgeladen. Eigene Weltverständnisse sind darin aufbewahrt.
WB: Was bedeutet Gartendenkmalpflege?
JS: In der Gartendenkmalpflege geht es darum, denkmalgeschützte Freiräume authentisch zu bewahren. Das ist ganz anders als bei vielen anderen Denkmalen, denn Gärten müssen sich mit dem Pflanzenwachstum verändern. Eine Allee, die 1750 gepflanzt wurde, kann heute nicht mehr so aussehen wie damals. Aber der Garten soll vielleicht trotzdem als Barockgarten erkennbar bleiben. Das gilt nicht nur für die Pflanzen in einem Freiraum, sondern oft auch für Treppen, Wege und Gewässer.

WB: Was ist das Besondere am Hamburger Stadtpark aus Sicht des Gartenhistorikers?
JS: Der Hamburger Stadtpark ist ein Schwergewicht unter den historischen Parks. Hier wurde sehr lange um eine geeignete Gestaltung gerungen und mit hohem Aufwand im großen Stil verwirklicht. Das Ganze wurde bis heute erstaunlich gut bewahrt. Um 1914 hat die gesamte Planer-Elite Deutschlands nach Hamburg gesehen, ob das Projekt halten wird, was es versprochen hat: eine Aussöhnung zweier gegensätzlicher Gestaltungsgrundsätze. Am Ende waren die meisten von dem Ergebnis überzeugt. Ich bin es auch.
WB: Ist Barmbek mit seinen Grünzügen wegweisend für urbane Landschaftsgestaltung?
JS: Barmbek gehört mit Sicherheit zu den am meisten unterschätzten Stadtteilen, auch was das historische Grün betrifft. Als ich zum ersten Mal die Grünzüge von Otto Linne in Barmbek ansah, dachte ich, hier ist ja nicht viel für mich zu untersuchen. Aber als ich den Gesamtzusammenhang begriff, war ich schon begeistert: Hier hat man aus einer ganz besonders schwierigen Ausgangslage - denn es gab fast nur Restflächen, die man der bereits vorhandenen Planung abringen musste - ein hochwertiges Grünnetz aus Aufenthaltsplätzen und schmalen Grünverbindungen geschaffen.

WB: Landschaftshistorie wirkt eher rückwärtsgewandt. Was sagen Sie zu dieser Einschätzung?
JS: Jede Parkanlage muss auch heute noch „funktioneren“, das heißt genutzt werden, sonst verschwindet sie zwischen Spar- zwang und Wohnungsbau. Es ist also nicht nur ein akademisches Interesse an der Vergangenheit, sondern die tägliche Herausforderung, solch hochwertige Freiräume in der wachsenden Stadt zu sichern und zu verbessern. Das ist oft hartes Brot, vor allem, wenn es nicht gelingt, wie am Stintfang, und besonders wertvolle Anlagen stückweise zerstört werden. Man ist da sehr schnell in aktuellen städtebaulichen Diskussionen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige