„Der Hunger nach Märchen ist spürbar“

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Aus diesem alten Märchenbuch las schon der Großvater von Angelika Rischer vor. Noch heute liebt sie die Geschichten aus ihrer Kindheit und erzählt sie Erwachsenen. Foto: Lublow

Barmbekerin erzählt die mündlich überlieferten Geschichten Erwachsenen

Barmbek. Märchen sind unverzichtbar für Kinder. Geschichten über Prinzessinnen, böse Hexen, gefährliche Drachen und mutige Helden – fast jedes Kind wächst damit auf. Aber irgendwann verschwindet das Interesse an den fantastischen Welt der Märchenbücher. Die Erwachsenen sind zu sehr mit der Realität konfrontiert: Märchen sind Kindersache. Oder doch nicht?
Angelika Rischer erzählt seit zwölf Jahren „Märchen für Erwachsene“ im Bürgerhaus Barmbek. Sie ist sich sicher: Märchen sind auch und vor allem für Erwachsene bestimmt. „Kinder brauchen Märchen. Erwachsene aber auch. Sie entdecken in den Geschichten ihre eigenen Lebenserfahrungen wieder und können sie reflektieren“, erklärt die 66-jährige Barmbekerin. „Unser Leben spiegelt sich in den alten Zeiten wieder und das kann sehr hilfreich sein, wenn man erkennt: ‚es war schon immer so‘.“ Märchen geben auch heute noch gültige Antworten. Ihre Protagonisten sind Symbolgestalten, Bilder der menschlichen Seele.
Tatsächlich wurden Märchen im Mittelalter mündlich überliefert – von Erwachsenen an Erwachsene. Jedes Volk hat seine eigenen Märchen. Die berühmtesten Märchen in Europa sind von den Gebrüdern Grimm gesammelt und aufgeschrieben worden. Auch Angelika Rischer wuchs mit Grimms Märchen auf. Ihr Vater las ihr die Geschichten aus einem alten Buch vor, das schon seinem Vater gehörte.
Heute erzählt sie die Geschichten ihrer Kindheit - und viele andere – jeden dritten Dienstag im Monat im Bürgerhaus. Angefangen hatte alles mit einem Weihnachtsmärchen-Abend in der Zinnschmelze, den sie mit einer Freundin besuchte. „Ich war so begeistert und blieb bis morgens um drei Uhr. Es war toll, wie die Menschen Märchen frei erzählten“, erinnert sie sich. Das sei ihre Initialzündung gewesen. Sie wollte das auch versuchen. Angelika Rischer trat bald darauf dem Märchenforum Hamburg e. V. bei und belegte dort ein kleines Seminar in Märchenerzählen. „Ich war von der schönen alten Sprache fasziniert“, sagt sie. Ihre Feuerprobe bestand sie mit Bravour. „In der Prüfung sollte ich mein Lieblingsmärchen erzählen. Ich wählte ‚Die Gänsemagd‘ von den Gebrüdern Grimm und bekam gute Rückmeldungen.“
Die bekommt sie auch heute noch an ihren Märchenabenden. Zwischen 20 und 30 Gäste hören ihr regelmäßig zu. „Der Hunger nach Märchen bei den Erwachsenen ist spürbar“, sagt Angelika Rischer. Jeder Abend steht unter einem bestimmten Motto, wie zum Beispiel „Märchen von Hüten“, „Märchen von hilfreichen Katzen“, „Japanische Märchen“ oder „Märchen von dunklen Mächten“. (sl)
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 28.04.2012 | 14:41  
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