Dicke Luft in Barmbek

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Die Luftmessstation Habichtstraße registrierte um 50 Prozent überschrittene Werte Foto: Haas

Dioxidwerte weiter auf hohem Niveau. Grüne fordern: Ring 2 als Umweltzone

Von Waltraut Haas
Barmbek
Das Ergebnis überrascht wenig: Nach wie vor sei die Luft in Barmbek zu stark mit Stickstoffdioxid (NO2) belastet, erklärt die Fraktion der Grünen Hamburg-Nord zur Senatsantwort auf ihre Anfrage. Der NO2-Jahresmittelwert 2015 habe an der Habichtstraße bei 63 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft gelegen, also deutlich über dem zulässigen Grenzwert von durchschnittlich 40 Mikrogramm. Keine nachhaltige Verringerung der Schadstoffkonzentration also seit 2006: „Der Grenzwert wird um mehr als 50 Prozent überschritten. Die Habichtstraße hustet also weiter“, stellt Christoph Reiffert, umweltpolitische Sprecher der Bezirks-Grünen fest.

Abhilfe durch Tempo 30 und blaue Plakette?


Mit der Anfrage wollte Reiffert neben der Schadstoffentwicklung auch Schritte zur Reduktion der Luftbelastung erkunden. Resultate – wie nicht anders zu erwarten: Fehlanzeige. „Wir bekamen wieder nur den Verweis auf Einzelmaßnahmen, die erst weit in Zukunft wirksam werden könnten. Es gibt nicht die eine Lösung für das Schadstoffproblem. Aber das ist zu wenig“, befand Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Boelz. Zugunsten einer besseren Luft setzen die Bezirksgrünen auf die Einführung von Tempo 30 auf der Habichtsstraße. Zudem befürworten sie den Vorstoß des grünen Umweltsenators Jens Kerstan, der die Einführung einer „blauen Plakette“ auf Bundesebene fordert. Damit würden Fahrzeuge gekennzeichnet, die strenge Normen des Stickoxidausstoßes einhalten. Wer keine blaue Plakette hat, dürfte eine Umweltzone nicht befahren. „Wir wünschen uns, dass die Umweltzone für die blaue Plakette innerhalb des Ring 2 in Hamburg eingeführt wird“, argumentiert Boelz weiter und macht Schuldige an der Luft-Misere aus: Jetzt sei noch klarer, „dass die Bremser in Sachen Gesundheit und Sicherheit in Hamburg in der Verkehrsbehörde sitzen.“ Denn der zuständige Senator Frank Horch (parteilos) lehne verkehrsbeschränkende Maßnahmen prinzipiell ab. „Alternativvorschläge, wie er die Gesundheit der Bevölkerung vor Stickstoffdioxid schützen will, bleibt er schuldig“, kritisiert der Grünen-Politiker. Der Wirtschaftsverkehr dürfe nicht länger wichtiger sein als die Gesundheit der Hamburger, sagen die Grünen.

Rotgrüne Umweltpolitik „mangelhaft“


Unterdessen stellt der BUND Hamburg ein Jahr nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrags der Umweltpolitik des rot-grünen Hamburger Senat ein mangelhaftes Zeugnis in aus. Selbst wo klare Verabredungen getroffen wurden, seien kaum Erfolge sichtbar, bilanzierte kürzlich Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg. Rot-Grün missachte sogar eigene Festlegungen: etwa bezüglich der Energiewende, dem Schutz von Grünflächen ebensowenig wie bei der Verringerung von Luftschadstoffen: Statt einer anvisierten Senkung der Belastung hätten die Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden in einigen Stadtteilen sogar noch zugenommen. Der neue Luftreinhalteplan wird erst Anfang 2018 vom Senat beschlossen. Unterdessen belegen aktuelle Luftmessergebnisse an der Habichtstraße, die seit Dezember 2015 neben NO2 auch wieder die Konzentrationen von Feinstaub erfasst: Weiterhin herrscht also dicke Luft.

Weitere Infos: www.luft.hamburg.de
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