Die Kunst des Handwerks in Barmbek

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Ein eingespieltes Team: Vater Hartmut (75, l.) und Markus Mann (49) Foto: Heume
 
Hier an der Fuhlsbüttler Straße 460 gibt es meisterliche Handarbeit – und immer einen Schnack dazu Foto: Heume
Hamburg: Fuhlsbüttler Straße 460 | Der Schuhmachermeister Markus Mann an der Fuhlsbüttler Straße liebt die Herausforderung

Von Ruth Heume
Barmbek
Kaum mehr als 20 Quadratmeter mag der kleine Laden haben. Auf dem Regal an der Rückwand stapeln sich die Schuhe. Links eine Wand mit Schlüsseln, daneben die Maschinen, die geradezu historisch anmuten. An der rechten Wand Einlegesohlen, Schnürsenkel und anderes Zubehör. Das ist sein Reich: Schuhmachermeister Markus Mann, 49, einen Becher Kaffee in der einen Hand, eine Zigarette in der anderen.

Zeit für einen Klönschnack

Mag auch noch so viel zu tun sein, für einen Schnack hat der gebürtige Meiendorfer immer Zeit. 1995 kaufte er den Laden an der Fuhlsbüttler Straße 460, den sein früherer Chef und Ausbilder Hans Leu als Filiale seines Schuhmacherbetriebes in Ahrensburg geführt hatte. Die Meisterprüfung, die damals noch Bedingung für die Selbstständigkeit war, holte er 1998 nach. Schon während der Ausbildung und später als Geselle hatte Mann oft in der Barmbeker Filiale gearbeitet. Und bereits seit 1989 hatte er den Laden alleine geführt, nachdem der alte Geselle in Rente gegangen war.

Arbeit ist sehr vielseitig

„Ich habe Ihrer Frau eine geklebt.“ Markus Mann reicht dem Kunden ein Paar Damenschuhe, bei denen er die Absätze angeklebt hat. Ein Routinejob. Aber zum Glück ist das nicht alles. „Die Arbeit ist sehr vielseitig. Dazu gehören auch Näh- und Stepparbeiten und das Fertigen von Taschen und Gürteln.“ Stolz zeigt er einen Tabakbeutel, den er gerade für eine Kundin macht. Ein separates Fach für die Blättchen, ein weiteres für das Feuerzeug. Handarbeit von Meisterhand. Besondere Freude macht es ihm zu sehen, „wie aus alten Gurken wieder etwas Schickes wird“. Das Paar Herrenschuhe, das er gerade in Arbeit hat, muss einmal sehr teuer gewesen sein. Leider ist der Träger damit nicht gerade pfleglich umgegangen. Bald werden sie wieder aussehen wie neu. „Ich liebe die Herausforderung“, sagt der Schuhmachermeister. Und er liebt Schuhe, ungefähr 30 Paar hat er zu Hause, schätzt er. Zu seinen Kunden pflegt er ein gutes Verhältnis, viele kommen schon seit etlichen Jahren zu ihm. „Das Publikum hier in Barmbek ist bunt gemischt, das macht den Stadtteil so sympathisch“.

Vater ist „Null-Euro-Jobber“

Eine 60-Stunden-Woche hat Markus Mann im Durchschnitt, aber er will nicht klagen. Viele Schuhmacherbetriebe im Umfeld sind in den vergangenen Jahren verschwunden, umso mehr hat er zu tun. „Je weniger Gäste, umso mehr vom Kuchen“, sagt er. Wenn besonders viel los ist, beispielsweise am Sonnabend, hilft Vater Hartmut Mann (75) auch mal aus. Der ist aber nicht, wie man vermuten könnte, auch Schuhmacher, sondern lernte zunächst Werkzeugmacher und ging dann zur Polizei. Der rüstige Rentner nimmt die Aufträge entgegen oder gibt die fertigen Schuhe aus. „Ich bin hier der Null-Euro-Jobber“, sagt der ältere Herr mit einem Augenzwinkern. Die beiden sind ein eingespieltes Team, der Umgangston ist rau, aber herzlich.

Viele Anekdote auf Lager

Das Herzstück der Werkstatt ist die sogenannte Ausputzmaschine, die zum Schleifen, Fräsen und Polieren dient. Das Modell sieht schon etwas älter aus. Markus Mann wischt den Staub vom Typenschild: Baujahr 1984, da fing er gerade seine Lehre an. Die alte Maschine aus den 1970er-Jahren brannte 2010 ab. Im Inneren der Maschine sammelte sich Staub, es gab Funkenflug und die Maschine fing an zu brennen. Mann wurde wegen Rauchvergiftung mit einem Rettungswagen ins direkt gegenüberliegende AK Barmbek eingeliefert. Über die Rechnung von 285 Euro für die kurze Entfernung lacht er heute noch: „Dafür hätte ich auch eine Stretch-Limo nehmen können.“ Die Versicherung hätte auch eine neue Maschine gezahlt, aber die hätte drei Monate Lieferzeit gehabt, so kaufte er eine gebrauchte. Noch so manche Anekdote könnte Markus Mann aus seinem langjährigen Berufsleben erzählen. Zum Beispiel davon, wie fast einmal die Sesamstraße bei ihm gedreht hätte. Oder wie aus der Kundin, die einen Absatz reklamierte, seine heutige Frau wurde. Aber das ist eine andere Geschichte – und der nächste Kunde betritt schon den Laden.
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