„Die Westen stören beim Rudern“

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Erster Einsatz im Ruderboot, gleich mit Schwimmweste Fotos: Hanke/wb

Sportlehrer hält Schwimmwesten im Sommer für unnötig

Hamburg-Nord. Es ist der erste Tag für 27 Siebtklässler des Wilhelm-Gymnasiums in Ruderbooten: Rudern wird in dem altsprachlichen Gymnasium am Klosterstieg in Alsternähe ganz groß geschrieben. In allen drei Sportwochenstunden gehen die siebten Klassen derzeit in die Boote. Seit 1909 kümmert sich der Schulruderverein um den Nachwuchs in dieser Hamburger Traditionssportart. Die 27 Jugendlichen steigen vor dem Bootshaus am Abzweig des Langen Zugs von der Außenalster zum ersten Mal in die
schmalen Boote, machen sich mit dem Rudersport vertraut - und tragen Schwimmwesten. Es ist die erste Schülergeneration, die aufgrund der von der Schulbehörde verordneten Schwimmwestenpflicht als Ergebnis des Unfalldramas im Frühjahr – im April war ein 13-Jähriger tödlich verunglückt - nun mit Weste in die Boote steigt. Sportlehrer Roland Rauhut, der die Schülerschar beaufsichtigt, freut sich über diesen Morgen: „Die Sonne scheint, wir haben keinen Schiffsverkehr und niemand ist gekentert.“ Bei Anfängern kentert meistens irgendjemand. Auf die Schwimmwesten ist er, wie nahezu alle Ruderexperten, nicht so gut zu sprechen. Natürlich sei es gut und richtig, die Schüler zu schützen. Aber: „Bei sonnigem Wetter brauchen wir keine Westen“, findet Rauhut, „Sie stören, weil selbst die neusten, die die Schulbehörde angeschafft hat, schwer sind. Mit dem Gewicht ist es schwierig für Kinder, wenn sie gekentert sind, in die schmalen Einer zurückzuklettern.“ Der Sportlehrer betont: „Wir bedauern diesen tragischen Unglücksfall. Aber „Rudern ist eine sichere Sportart. Seit 1836, seit Beginn des Rudersports in Vereinen auf der Alster, ist der tödliche Unfall in diesem Jahr der erste, der bekannt wurde.“ Ronald Rauhut plädiert daher dafür, dieses Unglück nicht überzubewerten. „Kein Bundesland hat schärfere Richtlinien als Hamburg“, erzählt der Sportlehrer.
Die 27 Jung-Ruderinnen und -Ruderer sind inzwischen alle wieder an Land, tragen Boote und Ruder ins Bootshaus. Schwimmwesten brauchten sie glücklicherweise nicht. (ch/wb)
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1 Kommentar
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Hermann Wrawanek aus Ahrensburg | 21.08.2013 | 15:11  
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