Diebstahl und Vandalismus

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Holger Andresen, der Vorsitzende des Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. und seine Vereinsmitglieder haben oft mit Besuchergruppen hier am Gedenkstein für ungeborenes Leben verweilt. Sie wissen, wie wichtig dieser Ort ist. Umso tiefer ist ihre Betroffenheit. Foto: Krause

Auf dem Friedhof Ohlsdorf wurde kürzlich eine Gedenk-Statue zerstört

Ohlsdorf. Im März 2011 stahlen Unbekannte auf dem Friedhof Ohlsdorf die etwa 50 cm hohe Plastik „Der Redner“ vom Ehrenhain der Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten. Vermutetes Motiv: der Wert der Bronze. Bislang ebenfalls unbekannte Täter haben im Oktober 2011 auf dem Alstervorland die Eurydike-Bronzestatue abgesägt, die im September 2012 ersetzt wurde. Auch hier hatten es die Diebe auf dem Wert des Metalls abgesehen. Der Friedhof Ohlsdorf ist im Prinzip kein lohnendes Feld für Diebe. Die großen Figuren aus den ersten Jahrzehnten des Friedhofs sind Galvanostatuen. Eine hauchdünne Schicht Bronze über einem Kern aus Gips. Das ersparte ihnen das Schicksal, im 2. Weltkrieg eingeschmolzen zu werden – auch für Diebe von heute sind sie wertlos. Die wenigen Bronzearbeiten, die der Friedhof hat, erfahren daher seit dem dreisten Diebstahl im Vorjahr einen ganz besonderen Schutz „Natürlich wollen wir nicht bis ins Detail verraten, welche Sicherheitsvorkehrungen wir getroffen haben“, so Lutz Rehkopf von der Friedhofsverwaltung, „doch so viel sei gesagt – wir setzen alle Mittel ein, dass die Friedhofsruhe und die Sicherheit auf dem Friedhof gewährleistet ist. Das gilt für die Besucher des Parkfriedhofs und das gilt auch für die Kunstwerke dort. Der Einsatz moderner Technik ist da kein Fremdwort. „Noch wichtiger“, so Rehkopf, „ist neben dem Einsatz von Wachdiensten, bezirklichem Ordnungsdienst, Polizei zu Fuß, mit dem Rad oder hoch zu Ross die Aufmerksamkeit der Besucher und der Friedhofsgärtner.“ Er rät dabei allerdings „Werden sie nicht selbst aktiv, sondern melden sie die Beobachtung mit dem Handy der Polizei. Auch unsere acht Notrufsäulen sind direkt mit der Polizei verbunden.“
Trotz aller Vorsorge ist nun das Unfassbare geschehen. Der Gedenkstein für ungeborene Kinder am ‚Stillen Weg‘ ist Opfer einer sinnlosen Gewalttat geworden. Von Beatrice Charen zart und verletzlich geschaffen, erinnert er seit 1999 an tote ‚Frühchen‘ die kein eigenes Grab erhalten haben. Er erinnert an wachsendes Leben, das vorzeitig starb, an Kinder, auf die sich Mutter und Vater freuten. Initiiert von Susanne Schniering, einer selbst betroffenen Mutter, ist der Gedenkstein seither zum Kristallisationspunkt der Trauer für namenlose Kinder geworden. Bert Beppler, Steinmetz und aktives Mitglied der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., will den Versuch wagen, aus den Trümmern die stark beschädigte Skulptur neu entstehen zu lassen. Ganz bewusst sollen dabei die ‚Verletzungen‘ sichtbar bleiben.
Zurzeit macht ein Schild die Besucher mit dem Geschehen vertraut – bleibt die Frage „Wer tut so etwas ?“ (fjk)
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