Droht der Kita „Auenland“ das Aus?

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Erlebnisse auf einer Baustelle: Elternvertreterin Annika Lastig (links) und Kita-Leiterin Rita Wridt Foto: tel
 
Unternehmer Frank Wagner erläutert dem Wochenblatt die Baupläne Foto: tel

Kinderhaus in Bramfeld sieht sich von Hamburger Bauherrn übervorteilt. Investor weist Vorwurf zurück

Von Michael Hertel
Bramfeld
Dicke Luft am Fahrenkrön: An der kleinen Bramfelder Straße baut der Hamburger Unternehmer Frank Wagner (53) mit Millionenaufwand seine neunte Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtung. Auf einem rund 13.000 Quadratmeter großen Gewerbegrundstück sind dabei in fünf mehrgeschossigen Häusern mehr als 22.000 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen. Hier sollen rund 250 ältere Menschen eine Heimat finden, im Bedarfsfall betreut und gepflegt werden. Das Wochenblatt berichtete mehrfach über das Projekt. Bereits eröffnet ist eine Kindertagsstätte unter dem Namen „Don Chamäleon“ für bis zu 106 Kinder, die von Wagners Ehefrau betrieben wird. Bei der auf dem Gelände bereits seit 2010 ansässigen Kita „Auenland“ (rund 30 Kinder) eines kleinen privaten Trägervereins fühlt man sich in die Ecke gedrängt und bangt – so Kita-Leitung und Elternvertretung – um die Existenz. Am Anfang war noch alles in Ordnung, die Auenland-Kinder durften sogar die Baustelle besichtigen. „Jetzt ist es nur noch laut. Uns wurde versprochen, bis Mitte 2016 wäre der Bau fertig. Jetzt richten wir uns auf etwa zwei weitere Jahre auf der Baustelle ein“, sagt die geschäftsführende Kita-Leiterin Rita Wridt (59). Der Trägerverein ist Mieter des Grundstückes, das nach mehreren Verkäufen inzwischen dem Bauherrn, der Wagner Holding, gehört. Der frühere Vermieter hat sich vertraglich rund 230 Quadratmeter Außengelände der Kita gesichert, um eine ähnlich große Fläche an anderer Stelle zum Ausgleich abzugeben. Weitere Streitpunkte sind Parkplätze und (Feuerwehr-)Zufahrt. Auch in diesen Punkten sehen die Auenländer den Vermieter auf „ihre Flächen“ zugreifen. Wegen der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten (Außenfläche, Parkplätze) überweist der Trägerverein nur noch einen Teil der Miete. Man sieht sich von Neubauten umzingelt, von Baustellenfahrzeugen zugestellt, glaubt nicht mehr an das Versprechen der Tauschfläche und hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet.
Kritisch wird auch die neue „Don Chamäleon“-Kita beäugt. Sie sollte zunächst ausschließlich für rund 60 Kinder der Wagner-Mitarbeiter entstehen. Jetzt ist die Einrichtung für alle offen – bei rund 100 Plätzen. Wagner: „Es hat sich herausgestellt, dass die Auflagen für eine Betriebs-Kita schwerer zu erfüllen sind. Außerdem haben uns die Behörden zu diesem Schritt ermuntert.“ Auenland-Elternvertreterin Annika Lastig (34) sieht das anders: „Wir fühlen uns hier belogen und betrogen.“ Erst vor vier Wochen kam es zu einem persönlichen Gespräch mit dem Bauherrn. Da war aber offensichtlich das Kind schon in den Brunnen gefallen. Frank Wagner: „Weil die Korrespondenz der Kita immer an den früheren Grundbesitzer ging, habe ich erst sehr spät von den Problemen erfahren. Wir fühlen uns eigentlich an die Vereinbarungen gebunden. Aber der Ton ist nicht in Ordnung.“ Nach dem letzten Anwaltschreiben der Auenländer, das laut Wagner den Vorwurf der „arglistigen Täuschung“ enthält, habe er jetzt mit einer Abmahnung geantwortet: Würden die Behauptungen („belogen und betrogen“) nicht unterlassen, „müssten wir das Vertragsverhältnis kündigen“. Inzwischen ist auch die Politik auf den Fall aufmerksam geworden. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Lars Pochnicht hat die Baustelle ebenso besichtigt wie Philipp Hentschel (CDU) von der Bezirksversammlung. Pochnicht: „Ich werde mir die Baugenehmigungen ganz genau anschauen.“ Und Hentschel meint: „Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier eine kleine Kita platt gemacht wird.“

Bezirksamt kündigt Überprüfung an


Dem Bezirksamt Wandsbek waren bis zur Anfrage des Wochenblatts die Vorwürfe der Kinderhaus-Betreiber, etwa der Mitnutzung der Ausgleichsfläche durch den Bauherrn, nicht bekannt. „Beim Genehmigungsverfahren zur Nutzung einer Kita wird zwar geprüft, ob es einen Außenbereich gibt, jedoch ist die Größe kein Kriterium für die Genehmigungsfähigkeit. Das Bezirksamt wird die Rechtmäßigkeit der Flächenverteilung nach geltendem Baurecht aber nochmals überprüfen“, erklärt Pressesprecherin Lena Voss. Was die Befürchtung der Kita Auenland hinsichtlich zu vieler Parkplätze für die neue Kindertagesstätte des Investors angeht, kann Voss beruhigen: „Die Berechnung der Stellplätze für eine Kita bemisst sich nicht nach der Anzahl der Kinder, sondern nach der Anzahl der Gruppenräume. Die Anzahl der Stellplätze wurde im Genehmigungsverfahren geprüft und genehmigt. Somit sind auch bei der Unterbringung von 100 Kindern gemäß der Fachanweisung für Stellplätze die erforderliche Anzahl von Stellplätzen vorhanden.“
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