Ein Buch zum Mit-Spielen

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Das Spielbuch ist zum Lesen und Blättern, und man kann damit auch balancieren
 
„Buchwettziehen“ nennt sich dieses Spiel: Wer zuerst loslässt, hat verloren

Überraschendes von Schulleiter Lengwenus und „Ritter Rost“-Illustrator

Von Christina Busse
Hamburg.Jonathan, Sophie, Kukuwah und Serwan haben es gut: Statt im Unterricht zu sitzen, geht es für die Fünftklässler der Stadtteilschule Alter Teichweg heute raus zum Spielen. Denn ihr Schulleiter Björn Lengwenus ist unter die Buchautoren gegangen. Er hat das „Spielbuch“ verfasst, mit über hundert Spielideen für drinnen und draußen. Für die Elfjährigen heißt es jetzt: In einer grünen Ecke des Schulhofes ausprobieren und testen. Das Besondere dabei: Das großformatige „Spielbuch“ gibt nicht nur jede Menge Anregungen, sondern spielt mit. Nicht digital über App oder CD, wie man jetzt denken könnte, sondern ganz handfest. Zum Beispiel beim „Buchwettziehen“: Kukuwah und Jonathan stehen sich gegenüber, zwischen sich ein „Spielbuch“, dass sie fest in den Händen haben, dann wird auf beiden Seiten so fest wie möglich gezogen.

„Spielen steckt in uns“

Wer zuerst das Gleichgewicht verliert oder das Buch loslässt, hat verloren. Sophie stellt sich derweil zum „Buchtransport“ auf: „Spielbuch“ auf dem Kopf balancieren und konzentriert den Parcours über Hügel und unter Ästen hindurch meistern ohne das Buch festzuhalten. „Spielen wird unterschätzt, besonders an Schulen“, sagt Björn Lengwenus, während er die Kinder beobachtet. Kleine Kinder, große Kinder, auch Erwachsene sollten viel mehr spielen, findet der 43-Jährige. Er ist überzeugt: „Spielen steckt in uns allen drin und tut uns einfach gut!“ Lengwenus spielt selbst leidenschaftlich gern, außerdem hat er sich immer wieder mit dem Thema Spielen befasst und tut es immer noch: im Studium, auf den Kinder- und Jugendreisen seines Schachvereins, in seiner Ausbildung zum Spielpädagogen, als Leiter von Spiel-Seminaren bei der Hamburger Sportjugend. Seine Erfahrung, wenn er mit den Teilnehmern spielt, zum Beispiel sein absolutes Lieblingsspiel „Verstecken“: Alle, die sich schon als Kind völlig im Spiel vergessen konnten, haben einen Riesenspaß dabei, sie sind gelöst und entschleunigt – ganz im Hier und Jetzt. „Aber manchen Jugendlichen fehlt heute diese Erfahrung. Sie wissen zum Beispiel gar nicht, wie Verstecken geht. Sie stellen sich hinter einen viel zu schmalen Baumstamm und stecken dann noch den Kopf hervor – dabei weiß doch eigentlich jedes Kind, dass man sich hinhocken muss und dann nur ganz vorsichtig unten hervorschauen darf!“, schüttelt der Barmbeker mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Amüsement den Kopf.

Jörg Hilbert illustriert

Mit seinem Buch will er deshalb Kinder wieder mehr zum Spielen bringen. Auf 160 Seiten gibt es Anregungen wie Schnipsgolf, Buchstockschießen, eine Foto-Rallye, Blätter-Bingo, Torwand-Schießen, Twister und vieles mehr für einen allein oder mit Freunden, es wird mit und im Buch gespielt. Die Bilder dazu hat übrigens Ritter Rost-Erfinder Jörg Hilbert gezeichnet. Mit seinen Illustrationen werden die Spielideen in wenigen Worten klar und schnell kann Björn Lengwenus‘ Aufruf Folge geleistet werden: „Geh‘ raus und spiel‘!“ Das lassen sich Serwan und Sophie, Jonathan und Kukuwah nicht zweimal sagen.

„Spielbuch“ von Björn Lengwenus / Jörg Hilbert, Carlsen Verlag, 12,99 Euro
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