Ein Westfalen-Krimi made in Barmbek

Anzeige
Barmbeker Krimiautor Thomas Revering ist tief in die dunklen Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte eingetauchtFoto: Busse

Thomas Revering, 49, ist in Hamburg Lehrer. Doch in seiner Freizeit hat er ein spannendes Hobby...

Von Christina Busse
Hamburg. Der Barmbeker Schriftsteller Thomas Revering hat seinen ersten Kriminalroman veröffentlicht. In „Blinder Fisch“ zeigt er, wie weit Menschen für beruflichen und wissenschaftlichen Fortschritt zu gehen bereit sind. Mit dem WochenBlatt sprach der 49-Jährige über die Herausforderungen in seinem neuen Dasein als Autor, über westfälische Eigenheiten und über Fußball.

WochenBlatt: Herr Revering, gerade hatte Ihr erster Krimi Premiere. Als Autor stehen jetzt Lesungen für Sie auf dem Programm. Wie ist der Wechsel vom heimischen Schreibtisch vor ein größeres Publikum?
Thomas Revering: Aufregend! Die ersten drei Lesungen hatte ich in meiner Münsteraner Heimat, in der ja auch ein großer Teil der Geschichte spielt. Zum Glück waren auch immer ein paar Bekannte im Publikum. Das machte es etwas einfacher. Außerdem hatte mir mein Frau zu Weihnachten ein Sprechtraining geschenkt – so konnte ich mir einigermaßen sicher sein, dass ich nicht zu sehr nuschele und die Besucher mitkriegen, was ich lese.

WB: Ihr Roman startet mit einer kurzen Szene in Afrika aus dem Jahr 1914. Dann der Schnitt und wir landen im heutigen Münster, wo ein angesehener Professor unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Thema Kolonialismus für einen Krimi aufzugreifen?
Revering: Schon während meines Studiums der Neueren Geschichte und Politikwissenschaften hat mich das Thema fasziniert. Vor etwa acht Jahren habe ich die ersten Sätze des Romans geschrieben. Aber erst als ich vor drei Jahren arbeitslos wurde, weil die Nachrichtenagentur, in der ich als Redakteur angestellt war, nach Berlin ging, hatte ich endlich richtig Zeit um weiter daran zu arbeiten.

WB: Die Figur des Kommissars zeichnet sich oftmals durch besondere Eigenheiten und mehr oder weniger liebenswerte Macken aus - viele haben gerade deshalb eine regelrechte Fangemeinde. Wie würden Sie ihren Kommissar Rothenburg beschreiben?
Revering: Nikolaus Rothenburg ist eigentlich ein Normal-Westfale: Er hat einen trockenen Humor, ist maulfaul und schnell mal genervt. Das einzige, wodurch er von der westfälischen Norm abweicht: Er ist kein Wurstliebhaber, sondern hat eine ausgesprochene Vorliebe für Käse.

WB: Den zweiten Band um Kommissar Rothenburg haben Sie bereits geschrieben, der dritte ist im Entstehen. Haben Sie literarische Vorbilder für Ihre Arbeit?
Revering: Ich bin ein großer Fan von Schweden-Krimis, zum Beispiel von Håkan Nesser. Sein Kommissar Van Veeteren hat Humor, er kann in Ausübung seines Jobs lachen, das gefällt mir sehr gut. Auch das Autoren-Duo Hjorth und Rosenfeldt schreibt spannend und witzig – einfach ganz großes Kino.

WB: Sie leben seit vielen Jahren in Hamburg. Warum spielt Ihr Krimi nicht hier?
Revering: Die Medizin spielt in dem Roman eine große Rolle. Das ließ sich an der Uni Münster besser verorten, weil ich mich dort gut auskenne. Für die Recherche zu meinem Buch hatte ich sogar die Gelegenheit, dort bei einer sechsstündigen Tumor-Operation zuzugucken.

WB: An welches Publikum richtet sich Ihr Buch?
Revering: In erster Linie natürlich an alle, die Krimis mögen. Und jeder, der wissen will, was deutsche Ärzte in den afrikanischen Kolonien so getrieben haben, sollte ihn unbedingt lesen. In dem Bereich basiert der Roman auf historischen Fakten, die ich mir von Experten habe bestätigen lassen. Da lernt man beispielsweise eine unbekannte Seite des Mediziners Robert Koch kennen.

WB: Was hat es mit dem Buchtitel „Blinder Fisch“ auf sich?
Revering: Das hat eher indirekt mit der Geschichte zu tun…, aber ich will hier ja nicht zu viel verraten.

WB: Sie haben zwei kleine Kinder und sind halbtags als Förderlehrer an einer Grundschule in Wandsbek tätig, an der auch Ihre Frau Lehrerin ist, wie finden Sie da die Zeit und die Ruhe zum Schreiben?
Revering: Das ist nicht immer so einfach und tatsächlich habe ich mir auch schon mal eine einwöchige Auszeit an der Ostsee genommen, wo ich mich ganz aufs Schreiben konzentrieren konnte. Aber im nächsten Jahr kommt auch der Jüngste in die Schule, dann habe ich ab acht Uhr morgens die Bude für mich.

WB: Gemeinsam gehen sie dann wieder zum Fußball…
Revering: Nur bedingt… Ich bin seit meiner Kindheit Fan des 1. FC Köln, meine Frau und meine Söhne jubeln aber St. Pauli zu. Am 29. November spielen sie gegeneinander, dann sitzen wir auf jeden Fall zusammen im Stadion.

„Blinder Fisch“ - darum geht es: Ein Mann tötet die Mörder seines Großvaters. Er wählt dazu das Werkzeug, das auch die Täter benutzt haben. Aber: Das Opfer ist bereits seit fast 100 Jahren tot, und auch dessen Mörder leben schon lange nicht mehr. Alles sehr seltsam... Als der Polizeipräsident wegen ausbleibender Ermittlungsergebnisse schon mit dem LKA droht, tauchen zwei seltsame Gestalten aus dem hintersten Schottland auf und präsentieren der Polizei etwas so Schockierendes, dass selbst den stoischen Westfalen die Spucke wegbleibt. Der erste Fall für den Münsteraner Kommissar Nikolaus Rothenburg. Thomas Revering liest am Donnerstag, 28. November, erstmals in Hamburg aus seinem neuen Kriminalroman. Die Veranstaltung der Bücherhalle Dehnhaide findet um 20 Uhr im Barmbek Basch, Wohldorfer Straße 30, statt. Eintritt frei.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige