„Erfüllende Aufgabe“

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Maike Röttger, 46, besuchte Plan-Patenkinder in VietnamFoto: Plan/wb
 
Das „Haus der Philantropie“ an der Bramfelder Chaussee wird am 29. August eröffnet und soll künftig auch Begegnungsstätte sein

Maike Röttger („Plan“) über Paten, Kinder und neue Ziele

Von der Bramfelder Chaussee in die Welt hinaus wirken: Am Donnerstag eröffnet die Hilfsorganisation Plan Deutschland ihr neues „Haus der Philantropie“ (Mitmenschlichkeit) in rundum sanierten Räumen. Das WochenBlatt sprach mit Plan-Deutschland-Geschäftsführerin Maike Röttger, 46.

WochenBlatt: Sie sind seit rund drei Jahren Chefin von Plan International Deutschland. Welches Resumée ziehen Sie an dieser Stelle für sich persönlich und für Plan?
Maike Röttger: Ich hatte als Journalistin meinen Traumberuf gefunden und dachte nicht, dass es noch einen besseren geben könnte. Doch als Geschäftsführerin eines der größten Kinderhilfswerke täglich dafür zu arbeiten, dass Tausende von Kindern ein Leben ohne Armut führen können, ist tatsächlich noch besser und erfüllender. Ich bin stolz, an der Spitze eines so guten Teams zu stehen, mit dem es gelungen ist, die Spendeneinnahmen und die Unterstützung für die Kinder weiter zu steigern.

WB: Ein neues Haus – auch wenn es das alte ist – bringt auch immer wieder neue Ideen. Welche haben Sie für die nähere und fernere Zukunft für Plan?
Röttger: Plan ist zwar sehr erfolgreich, aber nicht sehr bekannt. Die Inhalte unserer Arbeit und unsere Expertise in der Entwicklungszusammenarbeit werden wir künftig noch viel offensiver herausstellen. Dazu gehört etwa, dass Plan weltweit eine der wichtigsten Organisationen ist, wenn es darum geht, Mädchen in Entwicklungsländern Bildung zu ermöglichen. Auf unser Drängen hat die UNO den 11. Oktober zum Welt-Mädchentag erklärt. Außerdem hoffen wir auf viele neue Allianzen, wenn wir das „Haus der Philantropie“ öffnen und zu einem neuen Anlaufpunkt für bürgerschaftliches Engagement machen.

WB: Warum ist ein Welt-
Mädchentag wichtig?
Röttger: Er gibt uns die Möglichkeit, einmal im Jahr ein Signal gegen die Diskriminierung von Mädchen zu setzen. Unser Fokus liegt dabei auf Mädchen in Entwicklungsländern. Damit Mädchen ihre Rechte wahrnehmen können, benötigen sie die Unterstützung der Weltgemeinschaft. Weltweit besuchen beispielsweise 66 Millionen Mädchen keine Schule. Das muss sich ändern, denn nur gebildete Mädchen können den Kreislauf der Armut durchbrechen.

WB: Sie beziehungsweise Ihr 16 Jahre alter Sohn haben selbst ein Patenkind in Bangladesh. Haben Sie Shakil in Bangladesh einmal besucht? Wie hat er sich – vielleicht auch durch die Patenschaft – entwickelt?
Röttger: Als Familie haben wir außerdem noch zwei Patenkinder in Äthiopien und Bolivien. Leider hatten wir noch keine Gelegenheit, eines von ihnen zu besuchen. Aber wir verfolgen über die jährlichen Berichte, die Plan den Paten zur Entwicklung der Kinder und ihrer Gemeinden schickt, ihre Fortschritte. Aus meinen Besuchen in anderen Plan-Ländern weiß ich, was für fantastische junge Menschen in den Plan-Projekten heranwachsen. Sie nehmen irgendwann die Dinge selbst in die Hand und fordern bei ihren Eltern und Gemeinde-Verantwortlichen ihre Rechte etwa auf Bildung und Gesundheit ein.

WB: Von der Zentrale in Barmbek/Bramfeld aus betreut Plan über 300.000 Kinderpatenschaften. Damit werden in 50 Ländern der Erde insgesamt drei Millionen Menschen erreicht. Wie muss man sich diesen „Streueffekt“ vorstellen?
Röttger: Die Projekte werden immer gemeinsam mit den Gemeinden und unter Beteiligung der Kinder gezielt entwickelt. Der Patenschaftsbeitrag wird nicht direkt ausgezahlt, sondern fließt in Projekte, die die ganze Gemeinde langfristig durch Selbsthilfeprojekte stärkt. Die Patenkinder sind die Botschafter, mit denen die Paten Kontakt aufnehmen und sie auch besuchen können. Sie sind für die Paten das Fenster in die Projekte. Umgekehrt aber hat der Kontakt auch einen sehr anspornenden Effekt für die Kinder.

WB: Plan sucht derzeit einen Projektreferenten für Controlling, jemanden, der also genau auf Finanzen guckt. Wie wichtig sind Transparenz und Kontrolle für eine große Spendenorganisation wie Plan?
Röttger: Sehr wichtig. Unsere Spenderinnen und Spender haben die größtmögliche Offenheit und Transparenz verdient, und es ist unser Ansporn, ihnen jede Frage zu beantworten. Zudem erfüllen wir auch die hohen Standards der öffentlichen Geber. Wir informieren seit vielen Jahren ausführlich über den Einsatz der uns anvertrauten Mittel. Plan ist bereits mehrfach als transparente Spendenorganisation ausgezeichnet worden: 2012 erreichten wir den ersten Platz beim Transparenzpreis der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers sowie in einer Analyse des Wirtschaftsmagazins Capital.

WB: Wie viele Hamburger sindPaten?
Röttger: In Hamburg gibt es rund 11.800 Paten, darunter viele Hamburger Prominente wie Ulrich Wickert, Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg. Zudem gibt es in der Hansestadt eine sehr rege ehrenamtliche Aktionsgruppe.

WB: Wenn die Zentrale neu eröffnet wird, kommen Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) und Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) Was wünschen Sie sich von ihnen?
Röttger: Erst mal freuen wir uns, dass gleich beide das „Haus der Philantropie“ eröffnen. Das zeigt die große gegenseitige Wertschätzung. Ich wünsche mir, dass sich die guten Beziehungen zur Stadt Hamburg und der Bundesregierung weiter verfestigen.

Interview: Silvia Stammer

Das ist der Plan:
Das Kinderhilfswerk Plan geht auf eine Initiative 1937 in London zurück. Damals wollte ein britischer Journalist die Not von Kindern im Spanischen Bürgerkrieg lindern. 1989 wurde in Hamburg Plan International Deutschland gegründet, seit 1992 hat Plan seinen Sitz in Barmbek. Aktuell arbeiten 140 Mitarbeiter am Standort. (sta)
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