Erste Bilanz bei Klein Borstel hilft

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Vereinsvorsitzende Ilka Mamero freut sich über die vielen Andenken: ein Dankeschön von Geflüchteten und deren Kindern Foto: Haas

Nachtquartier für 780 Transit-Flüchtlinge, betreut von 172 Helfern

OHLSDORF. Der Bau der Folgeunterkunft für 700 geflüchtete Menschen im alten Anzuchtgarten lässt noch auf sich warten. Dennoch ist der Verein „Klein Borstel hilft“ seit seiner Gründung im vergangenen Herbst aktiv. Die Kirchengemeinde Maria Magdalenen kooperierte, und so kann der Verein bis auf Weiteres das leerstehende Pastorat neben der Kirche als Begegnungsstätte nutzen.

Die Sonne lachte als beim kürzlichen Frühjahrsputz zahlreiche Helfer erschienen und anpackten. „Wir haben alte Teppichböden entfernt und ausgedientes Mobiliar entsorgt“, erklärt Vereinsvorsitzende Ilka Mamero.

Über drei Monate, bis Anfang Januar, organisierten die Helfer spontan ein Nachtquartier für flüchtende Transitreisende nach Skandinavien. Jeweils 30 Geflüchtete kamen zu insgesamt 26 Übernachtungen. Unzählige Nachbarn halfen mit Bettwäsche oder stellten ihre Bäder als „Duschpaten“ zur Verfügung. Andere unterstützten die Aktion durch großzügige Spenden. 172 Helfer hießen die Übernachtungsgäste willkommen, bewirteten und geleiteten sie vom und zum Hauptbahnhof. „Auch die Bewohner der Unterkunft Borstels Ende halfen mit, wo sie konnten. Unersetzlich waren sie als Dolmetscher in fünf Sprachen“, berichtet Ilka Mamero. Zudem leisteten 15 Ärzte aus Klein Borstel medizinische Unterstützung. „Die Reisenden brauchten erst mal Ruhe. Bis auf eine Überweisung ins Krankenhaus behandelten wir ansonsten meist Erkältungen“, ergänzt Ärztin Christine.

In den vergangenen Monaten liefen hier Sprachkurse an. Dazu: Teestunden, Fahrradwerkstatt und Gartengruppe, Konzerte und Vorträge. Besonders beeindruckend sei die Tanzgruppe mit dem „Dabka“. Der Folkloretanz habe Symbolcharakter, denn er werde in Syrien, Libanon, Irak, Jordanien, Palästina und Israel getanzt: „Er übergreift Völker, Generationen und Geschlechter.“

Die Frauen lachen, weil Ali gerade den Fußboden hinter der Terrassentür wienert: tanzend, mit beiden Füßen auf einem Putzlappen. „Wir haben auch bei uns alte Strukturen aufgebrochen. Wir sind politisch, indem wir weitermachen und voneinander lernen.“ Helfen dürfe jedoch nicht an die Substanz gehen, betont Christine. „Bei uns hilft jeder so, wie er kann und wie er möchte.“ (wh/wb)

Weitere Infos unter: www.klein-borstel-hilft.de
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