„Etwas zurückgeben“

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Menschen, die „stiften gehen“: Stifterin Claudia Jahnke mit Mitarbeiterin Jessica Kellner und Kathrin Hartkopf, Leiterin vom Plan Stiftungszentrum sowie Prof. Gesa Birnkraut (v.l.) im Gespräch Foto: Haas

Treffen beim Plan-Stiftungszentrum. Hamburg ist „Stiftungs-Hauptstadt“

Barmbek Sie wollen „etwas sinnvolles“ schaffen: Die Zahl der Stiftungen in Deutschland hat sich innerhalb der letzten 15 Jahre verdoppelt. Unter den Bundesländern führt Hamburg. Mehr als 1.300 rechtsfähige Stiftungen haben ihren Sitz in der Hansestadt. Sie realisieren gemeinnützige Projekte, wollen zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen oder die Zukunft gestalten. Was bewegt Stifter? Das Plan-Stiftungszentrum hatte zu einem Info-Abend am vergangenen Mittwoch ins Haus der Philanthropie eingeladen. Schon im Foyer wurden Motive ergründet, per Abstimmung mit roten Klebepunkten auf großen Flipchart-Bögen: „Etwas bleibendes schaffen“ wollten demnach die meisten Gäste aus der Stifter-Szene. Egoistische Motive, wie „das eigene Ansehen verbessern“ oder „Mitgefühl“ kamen am schlechtesten weg, eher noch wollten sie „Verantwortungsbewusstsein“ zeigen oder „gesellschaftliche Probleme lösen“.
Spende statt Geschenke Persönliche Motive, zu seinem 60. Geburtstag mit 10.000 Euro eine Treuhandstiftung für einen guten Zweck zu gründen, schilderte auch Dr. Werner Bauch, Vorstandsvorsitzender von Plan International Deutschland, in seiner Begrüßungsansprache. Zugunsten von Spenden verzichtete er auf „gut gemeinte Geburtstagsgeschenke“. Mit seiner Stiftung könne er freilich „noch nicht die Welt verändern“, so Bauch. „Stiften gehen“ laute der Trend. Stifter agieren aus Verantwortungsbewusstsein (80 Prozent), wollen „der Gesellschaft etwas zurückgeben“ (69 Prozent). Ihre Stiftung ergänze staatliches Handeln, ersetze es aber nicht (80 Prozent). Neben Geld bringen sie auch Zeit und Erfahrungen ein: 93 Prozent der Befragten engagieren sich persönlich in ihrer Stiftung. Dr. Karsten Timmer, Geschäftsführer einer Gesellschaft für Stiftungsberatung, stellte Ergebnisse der Studie „Stifterinnen und Stifter in Deutschland“ von 2015 vor. Sie erhob Motive und Ansichten in 700 Befragungen. Fast 53 Prozent aller Stifter wollen ihrer Stiftung Geld vererben, 34 Prozent werden schon zu Lebzeiten das Kapital aufstocken. Stiftungsvermögen in Deutschland stünden vor einem immensen Wachstumsschub, so Timmer. Neben klassischen Formen gewinnen flexiblere Treuhandstiftungen an Bedeutung. Ihre Verwaltung sollte sich allerdings Qualitätsmaßstäben anpassen, die sich mit einem Gütesiegel ausweisen können. Zugleich gelte es, die „Anerkennungskultur“ zu verbessern, um als Vorbild andere zum Stiften zu motivieren: Zu diesem Schluss kommt die Studie, die noch lebhaft diskutiert wurde. (wh)

Infos zum Bundesverband Deutscher Stiftungen: www.stiftungen.org
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