Flüchtlingsasyl auf Alsterwiesen?

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Zwischen Bauhof und Hundewiese waren schon mal Kriegsflüchtlinge aus dem Kosovo untergebracht Foto: google

Trotz vorläufigem Baustopp Am Anzuchtgarten: Die drei Anwohnerinitiativen sind weiter aktiv

Von Waltraut Haas
Ohlsdorf
Einen Marsch durch die Institutionen des Bezirks hatte die Anwohnerinitiative „Gemeinsam in Klein Borstel“ (GiKB) angestrengt. Doch im Stadtentwicklungsausschuss, im Regionalausschuss sowie auch in der Bezirksversammlung war ihr Anliegen schon im November fehl am Platz: Über die geplante Folgeunterkunft werde auf Senatsebene entschieden, hieß es. Wie berichtet, möchte die Initiative eine kurzfristige Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Gelände des Anzuchtgartens zwar ermöglichen, allerdings „ohne eine nachhaltige, gebietsverträgliche Wohnbebauung über Jahre zu blockieren.“ In der Folge gab es immerhin „konstruktive Gespräche“: von GiKB und der Initiative „Lebenswertes Klein Borstel“ (LKB) mit Regionalvertretern der SPD und der Grünen aus Bürgerschaft und Bezirksversammlung. Anfang Februar sollen sie fortgeführt werden – zusammen mit der dritten Initiative „Klein Borstel hilft“ (KBh). Eine gemeinsame Erklärung der drei Initiativen stehe noch aus.

Option Alsterwiesen?


Inzwischen erarbeitete „Gemeinsam in Klein Borstel“ ein Alternativ-Konzept, das die geplante Belegung mit 700 Geflüchteten Am Anzuchtgarten reduzieren könnte: Dazu zieht GiKB eine zusätzliche Unterbringung von Flüchtlingen auf den Alsterwiesen an der Wellingsbütteler Landstraße zwischen Hundespielwiese und dem Bauhof des Gartenbauamtes in Betracht. Schon in den 1990er-Jahren habe die Wiese als Unterkunft für Flüchtlinge aus dem Kosovo gedient. „Wir haben sämtliche Parteien auf diesen Vorschlag hingewiesen“, teilt ein GiKB-Sprecher mit. Mit abschlägigen Bescheiden in diversen Varianten: „Historische Urnengräber“, die es wohl auch 1990 schon gab, stünden dem entgegen. Oder „schützenswerte Biotope“, die sich allerdings nicht auf der genannten Fläche befinden. Oder auch ein „geplantes Wiedereingliederungsprojekt für Jugendliche“, über das keine weiteren Informationen vorlägen.
Aktuell setzen GiKB und LKB auf den Anfang Januar von sechs Hamburger Bürgerinitiativen gegründeten Dachverband „Initiativen für erfolgreiche Integration Hamburg“ (IfI), ebenso auf den Stadtsoziologen Prof. Jürgen Friedrichs: Seine Expertise stand in dieser Woche auf dem Programm einer Senatsanhörung zum „Bau von Großsiedlungen“ im Rathaus. Beide sprechen sich dagegen aus, plädieren stattdessen für „nachhaltige Maßnahmen zur Flüchtlingsunterbringung“.
Unterdessen bleibt auch die dritte Initiative „Klein Borstel hilft“ aktiv: Das Nachtquartier im Pastorat werde zwar derzeit nicht gebraucht – mangels durchreisender Flüchtlinge. Jetzt stehe es für die Integrationsarbeit zur Verfügung: für Deutschkurse, gemeinsames Kochen, Spieleabende oder Handarbeiten, die gemeinsam mit Bewohnern der Unterkünfte „Grellkamp“ und „Borstels Ende“ stattfinden sollen. Auch Freiwillige seien weiter gefragt: für Patenschaften von Flüchtlingsfamilien, für Freizeit-Engagements oder zur Begleitung bei Behördengängen.

Weitere Infos: www.lebenswertes-klein-borstel.de, www.klein-borstel-hilft.de, www.gikb.org; Dachverband: www.ifi-hamburg.de

Info:


Die Baumaschinen Am Anzuchtgarten beim Friedhof Ohlsdorf, auf dem die Stadt eine Unterkunft für 700 Flüchtlinge bauen will, stehen vorerst wieder still – zumindest was Arbeiten an Gebäuden betrifft, Erdarbeiten sind nach wie vor erlaubt. Das Verwaltungsgericht hat in der ersten Januarwoche aufgrund eines Eilantrages von Anwohnern gegen den Unterkunftsbau einen sogenannten „Hängebeschluss“ erteilt. Wann das Verwaltungsgericht über den Eilantrag endgültig urteilen wird, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. (wb)
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