Foodsharing bei der „Götterspeise“

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Florian Gössele (li.) und Marco Scheffler nehmen einen gut gefüllten Einkaufswagen entgegen Foto: flü

Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige. Weitere Unterstützer gesucht

Hamburg-Nord Auf dem Marie-Jonas-Platz bildet sich um kurz nach 20 Uhr eine kleine Schlange vor den Kisten voller Brot, Brötchen, Sesamringen, Franzbrötchen, Laugenstangen, Obst und Gemüse. Es hat sich herumgesprochen, dass hier nach Ladenschluss die „Götterspeise“ stattfindet. Dann werden die übrig gebliebenen frischen Lebensmittel des Bio-Supermarktes Erdkorn vor der Entsorgung gerettet und vor dem Geschäft verteilt. Hinzu kommen häufig gesammelte Lebensmittel der Initiative foodsharing.de.
Erfinder der Götterspeise ist Marco Scheffler (47) aus Eimsbüttel. Der Gastronom organisiert seit Herbst 2012 in Eimsbüttel die Verteilung von Lebensmitteln, die von einem Supermarkt abgegeben werden, damit sie nicht im Müll landen. Erdkorn war auf die Aktion aufmerksam geworden und hat die Götterspeise nach Eppendorf geholt. „Am Anfang mussten wir den Leuten hier mit unseren kostenlosen
Lebensmitteln noch hinterher laufen“, erinnert sich Scheffler, der mit rund zehn ehrenamtlichen Helfern aktiv ist. Mittlerweile kommen von Montag bis Samstag acht bis zehn Menschen, um sich die Lebensmittel abzuholen. „Das macht sichtbar, wo es an Geld fehlt“, sagt Scheffler, der so auch in wohlhabenden Stadtteilen Armut beobachten kann. „Wir kontrollieren aber keine Bedürftigkeit“, betont er. „Jeder kann kommen – vom Illegalen bis zum Millionär.“ Als Betreiber zweier Bars verfügt er über viele Kontakte, um auf sein Projekt aufmerksam zu machen. Und um zum Mitmachen anzuregen: „Viele Menschen wollen etwas machen, wissen aber nicht, wo.“ Wer die Götterspeise unterstützen möchte, kann sich auf Marco Schefflers Internetseite www.mensch-macht-politik.de informieren und Kontakt aufnehmen. Die Initiative foodsharing.de setzt sich ebenso wie Marco Scheffler dafür ein, keine Lebensmittel zu verschwenden.
Rund 430 Foodsaver oder Lebensmittelretter, die über die Initiative foodsharing.de organisiert sind, engagieren sich in Hamburg. Sie sammeln nicht verkaufte Lebensmittel auf Wochenmärkten wie dem Isemarkt, in Supermärkten und Bäckereien aber auch in Drogerien und Blumenläden.
Unter den Verteilerstellen in Hamburg sind auch die Kontrabar in St. Georg, der U-Bahnhof Mundsburg und das Studentenwohnheim Paul-Sudeck-Haus am Wiesendamm. Ausgegeben werden neben Gebäck, Obst und Gemüse auch zubereitete Speisen wie Suppen oder Pizzen. Ausgenommen sind aus hygienischen Gründen rohes Fleisch, roher Fisch und rohe Eier.

Wer selbst Foodsaver werden, eine Sammelstelle einrichten oder Lebensmittel zur Verfügung stellen möchte, findet alle Informationen auf foodsharing.de. Hier sind auch alle Verteiler- und Sammelstellen zu finden. (flü)
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