Freibad ist jetzt ein Stück Geschichte

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Mitglieder der Willi-Bredel-Gesellschaft vor historischer Kulisse: das Haupthaus des Freibads Ohlsdorf Foto: Haas

Ein Bildband erinnert an Hamburgs erstes Familienbad

Ohlsdorf Bis zum Sommer 2015 bildeten sich hier oft Schlangen von Badelustigen vor dem Eingangshaus. Inzwischen ist das Freibadidyll schon Geschichte. An seine Existenz erinnert nur noch eine Lache aus Grundwasser auf der planierten Fläche. Wie berichtet, soll das Hallenbad hier neu gebaut werden. Die Geschichtswerkstatt der Willi-Bredel-Gesellschaft und der Schaff-Verlag erinnern in einem Bildband an Hamburgs erstes Familienbad. 1927 erbaut, ersetzte das Freibad eine Alster-Flussbadeanstalt, in der Männer und Frauen noch streng getrennt wurden. Im Grünen Grunde, vor der geschichtsträchtigen Kulisse, präsentierten Hans Matthaei und Jörg Schilling jetzt das gemeinsam verfasste neue Hamburger Bauheft „Freibad Ohlsdorf“. Auf 50 Seiten zeichnen die Autoren ein reich bebildertes Porträt dieses besonderen Freibades, das die Kultur- und Baugeschichte des Hamburger Bäderwesens prägte. Das von Fritz Schumacher entworfene Eingangsgebäude ist noch erhalten. Jetzt wird es von der Geschichtswerkstatt als Vereinstreff genutzt. Die Tage der seitlich am früheren Freibad gelegenen Häuserzeile, ursprünglich die Umkleidekabinen, sind jedoch gezählt. Sie werden abgerissen: für das Wohnbauprojekt, das auf einem Drittel der Freibadfläche geplant ist. Vor wenigen Jahren noch war die Zeile aufwändig restauriert worden: von Teilnehmern des Projektes „Jugend und Migration – Beruf und Orientierung“ (JUMBO). Zuletzt hatten die Häuschen dem Projektträger „Mook Wat“ als Geschäftsräume gedient. Nun stapeln sich die Umzugskartons.
Das JUMBO-Projekt ist Anfang Februar ins neue Quartier gezogen: an den Überseering in der City Nord. Die Mitarbeiter der Mook Wat-Zentrale werden bald folgen. „Es hilft ja nichts: Bald wird das Gebäude entkernt für den Abriss“, erklärt JUMBO-Mitarbeiter Kersten Tormin wehmütig. Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt erinnerten auch an den jüngsten Teil der Geschichte: Schon 2009 sollte ein Bürgerentscheid den Verkauf des Geländes für den Wohnungsbau verhindern. Doch der Hamburger Senat machte den Verkauf zur Auflage: Nur so unterstütze die Stadt den auf 25 Millionen veranschlagten Bau des neuen Hallenbades, das Bäderland betreiben wird. (wh)
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