Freiraum der Möglichkeiten

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Lagerfeuer statt Internet: Auf dem Bauspielplatz am Rübenkamp ist Raum für reale Abenteuer. Foto: Burmeister
 
Erzieher Lars Abelt (links) sieht seine Aufgabe darin, Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung anzubieten. Fotos: Burmeister

Baui Rübezahl ist fest im Stadtteil verankert: Kooperation mit Schulen Alltag

Von Britta Burmeister
Barmbek. „Kann ich bitte Schmirgelpapier haben?“, fragt Anil und schiebt seinen Kopf durch die Tür des kleinen Büros, in das Bauspielplatzleiter Lars Abels sich gerade für ein Gespräch zurückgezogen hat. „Da musst Du jetzt einmal die anderen bitten!“, erwidert der. Doch Anil lässt nicht locker. Er braucht das Schmirgelpapier unbedingt, und die anderen sind gerade beim Trommeln oder am Lagerfeuer. Das sieht Lars Abels ein. Geduldig lässt er sich zeigen, was Anil geschnitzt hat und erklärt ihm, wie er mit dem Schmirgelpapier umgehen muss. „Ich weiß!“, sagt Anil und verschwindet ins Freie.
Anil gehört zu den sechs- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen, die regelmäßig auf den Bauspielplatz am Rübenkamp kommen. „Wenn es voll ist, sind 30 bis 40 Kinder auf dem Platz!“, berichtet Lars Abels. „Viele von ihnen kommen jeden Tag!“ Der Bauspielplatz Rübezahl ist eine Einrichtung des Verbandes Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e.V. und versteht sich als integrative und offene Stadtteileinrichtung. Das bedeutet: Jeder ist willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei. Seine Wurzeln hat der „Baui“ – wie auch die übrigen Hamburger Bau- und Aktivspielplätze – in den frühen 1970er Jahren. Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, Spielobjekte mit Holz und anderen Materialien selbst zu bauen. „Heute steht das bei uns nicht mehr so sehr im Mittelpunkt“, erzählt Lars Abels, der seit 1999 am Rübenkamp arbeitet.
Der Rübezahl-Tag beginnt um 13 Uhr mit einem kostenlosen Mittagstisch, der in Kooperation mit der Hamburger Tafel ermöglicht wird. Von Montag bis Donnerstag schließt sich eine zweistündige Hausaufgabenhilfe an. Was danach geschieht, liegt in der Hand der Kinder. Bis 18 Uhr darf am Rübenkamp getobt, gespielt, gebaut, gebastelt und musiziert werden. Es ist aber auch erlaubt, einmal gar nichts zu tun. Alle 14 Tage geht es freitags zum Schwimmen in das Hallenbad in der Fabriciusstraße. „Bei uns bestimmen die Kinder selbst, was sie tun möchten. Die Kunst besteht darin, Möglichkeiten zu schaffen!“ berichtet Lars Abels. Einmal in der Woche gibt es eine Platzversammlung, auf der alle Kinder gemeinsam aktuelle Themen besprechen, zum Bespiel, was in den Frühjahrsferien geschehen soll.
Auch Eltern sind auf dem Bauspielplatz willkommen. Regelmäßig montags von 10 bis 12 Uhr wird zum offenen Elterncafé eingeladen. Ein geselliger Treffpunkt, der Gelegenheit bietet, mit anderen Müttern und Vätern ins Gespräch zu kommen und bei Bedarf auch Probleme anzusprechen. Möglich wird das breite Angebotsspektrum auch durch eine enge Kooperation mit der Hamburger Kinder- und Jugendhilfe (Hakiju) e.V., die auf dem Gelände eine integrative Tagesgruppe betreibt. Die täglichen Besucherzahlen und auch die Zahl der Elterngespräche zeigen, dass der Bauspielplatz Rübezahl aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken ist. Trotzdem wird es immer mehr zur rechnerischen und konzeptionellen Meisterleistung, das offene Angebot aufrecht zu erhalten. Schon jetzt teilen sich drei hauptamtliche Kräfte zwei Erzieherstellen.
Für das Jahr 2013 konnte der Bezirk die vom SPD-Senat beschlossene Umsteuerung von Mitteln der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu Gunsten der Ganztagsschulen für 2013 noch einmal ausgleichen. Für 2014 gibt es aber noch keine Lösung für die fehlenden zehn Prozent. „Wir sind aufgefordert, mit den Schulen zu kooperieren“, erzählt Lars Abels. „Aus meiner Sicht ist es ein großer Fehler, außerschulische Lernräume kaputt zu machen und das auch noch, bevor die Schulen eigene Strukturen für den Nachmittagsbereich entwickelt haben.“ Die Kooperation mit den benachbarten Schulen ist für ihn seit 1999 gelebter Alltag. Gemeinsame Projekte wie das Schulgartenprojekt mit der Schule Genslerstraße soll es auch in Zukunft wieder geben. Wie genau die Zusammenarbeit aussehen kann, wird sich zeigen. (bb)
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