Front gegen U5-Pläne wächst

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Die Prüfung von möglichen Haltestellenvarianten konzentriert sich auf den roten Bereich. Dabei sollte eine Überlappung mit bereits durch S- und U-Bahn erschlossenen Gebieten vermieden werden Grafik: Hochbahn
 
Eine mögliche Haltestelle an der Rümkerstraße wird derzeit noch geprüft, daher werden hier Probebohrungen durchgeführt, erläutert Hochbahn-Referent Martin Boneß Foto: Heume
Hamburg: Hartzlohplatz |

„Alternative Fakten“ à la Trump? – Hamburger Hochbahn weist Vorwürfe zurück

Von Ruth Heume
Barmbek
Die Planungen für die U-Bahnlinie U5 stehen noch ganz am Anfang. Aber der Gegenwind, der der Hochbahn bei der Suche nach einer geeigneten Haltestelle in Barmbek-Nord entgegenweht, ist jetzt schon enorm. Die Bürgerinitiative „Lebenswerter Hartzloh“ veröffentlichte jetzt eine Information, in der sie erhebliche Vorwürfe gegen die Hochbahn erhebt. Von „alternativen Fakten“ à la Donald Trump, „Ungereimtheiten“ und „intransparenten und nicht nachvollziehbaren Bewertungsergebnissen“ ist hier die Rede.

Kritiker sehen Lebensqualität gefährdet

Im September vergangenen Jahres hatte die Hochbahn den Bürgern in einer ersten Informationsveranstaltung ihre Pläne für Barmbek-Nord vorgestellt (das Wochenblatt berichtete). Dabei hatte sie eine mögliche Haltestelle am Hartzloh (heute „Hartzloh-Ost) als Ergebnis einer Machbarkeitsuntersuchung präsentiert. Das rief die Anwohner auf den Plan, im Oktober wurde die Bürgerinitiative „Lebenswerter Hartzloh“ gegründet. Die Kritiker sehen eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die geplante offene Bauweise in der schmalen Straße mit altem Baumbestand.

Hochbahn hat fünf Favoriten

Die Planungen befanden sich jedoch zu dem Zeitpunkt noch in einem sehr frühen Stadium und die Prüfung alternativer Haltestellen war bereits vorgesehen. Dazu wollte die Hochbahn jedoch die Bürger miteinbeziehen, daher die Informationsveranstaltung. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung nahm die Hochbahn zusätzliche Vorschläge aus der Bevölkerung auf. Insgesamt zwölf Varianten wurden so unter verkehrlichen Aspekten näher beleuchtet. Kriterien waren unter anderem die optimale Anbindung von Anwohnern und Schülern sowie von Einzelhandel und Arbeitsplätzen. Eine Doppel- oder Mehrfachanbindung, also eine Überlappung mit bereits durch S- oder U-Bahn erschlossenen Gebieten, sollte möglichst vermieden werden. Nach intensiver Prüfung der zwölf Varianten präsentierten die Planer dann bei der Folgeveranstaltung im Dezember die fünf Varianten, die aus ihrer Sicht eine weitere Betrachtung verdienen (das Wochenblatt berichtete). Nun behauptet die Bürgerinitiative, die von ihr favorisierten Varianten am Langenfort seien „absichtlich aus dem Rennen genommen“ worden. Die Hochbahn favorisiere aus politischen Gründen die Hartzloh-Ost-Variante, denn dadurch würde die Hochtief-Zentrale in der Fuhlsbüttler Straße am besten angebunden.

Hochbahn weist Vorwürfe ab

Die Hochbahn weist die Vorwürfe von sich. Pressesprecher Christoph Kreienbaum: „Wir haben sehr transparent und mit offengelegten Kriterien erläutert, weshalb sieben Varianten nicht weiter geprüft werden.“ Martin Boneß, Referent Öffentlichkeitsarbeit U5-Ost, ergänzt: „Am Ende des Planungsprozesses, also wenn es um die Baugenehmigung geht, will die Planfeststellungsbehörde die Zahlen für alle zwölf Varianten im Detail sehen. Wenn wir da jetzt einen Fehler machen, würde sich das später rächen.“

Faktor „Mensch und Umwelt“

Die Bürgerinitiative hat nun ebenfalls die Haltestellenvarianten geprüft und dabei den Faktor „Mensch und Umwelt“ näher in den Fokus gerückt. Dabei gehen die Langenfort-Varianten als Sieger hervor. „Die Mitglieder der Bürgerinitiative haben sich sehr viel Mühe gegeben“, räumt Boneß ein. „Trotzdem können sie nicht mit der Genauigkeit arbeiten, wie unsere Planer das tun.“ Auch sei es nicht so, dass die Hochbahn den Menschen nicht berücksichtige, denn bei der Frage der Anbindung gehe es ja schließlich auch um den Menschen. Und was den Umweltaspekt angeht, gibt er zu bedenken, dass sich auch am Langenfort ein Grünzug befinde. „Die Langenforter würden die Gewichtung vermutlich deutlich anders sehen“, meint auch Kreienbaum. Die ursprünglich bereits für Januar vorgesehene Folgeveranstaltung soll nun zeitnah erfolgen. Die Nachbereitung der Dezember-Veranstaltung habe länger gedauert als geplant, räumt Boneß ein. „Die Hochbahn muss sicherlich noch dazulernen. Aber auch die Bürger müssen lernen, was es bedeutet, in so einem frühen Stadium der Planung mitgenommen zu werden“, gibt er zu bedenken und bittet um einen respektvollen Umgang miteinander. „Eigentlich wollen wir doch alle das gleiche: die bestmögliche Lösung für den Stadtteil finden.“

Weitere Infos: Bürgerinitiative „Lebenswerter Hartzloh“

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8 Kommentare
415
Michael Kahnt aus Barmbek | 01.02.2017 | 11:50  
9
Robert Lindenau aus Barmbek | 01.02.2017 | 21:28  
38
Timo Baumann aus Winterhude | 02.02.2017 | 09:56  
9
Robert Lindenau aus Barmbek | 02.02.2017 | 10:17  
38
Timo Baumann aus Winterhude | 02.02.2017 | 11:34  
6
Ruder Boot aus Barmbek | 10.02.2017 | 14:45  
6
Susanne Egbers aus Barmbek | 24.02.2017 | 18:42  
9
Robert Lindenau aus Barmbek | 24.02.2017 | 19:35  
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