Fuhle bleibt chaotisch

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Ein weißer Kleinwagen blockiert die Einfahrt zur Drögestraße. Die Stadtreinigung kommt nicht durch
 
Nach einem Beinahe-Zusammenstoß diskutieren Autofahrer und Radfahrer Fotos: mdt

Kantsteine, Kreuzungen, Sitzbänke: Im Praxis-Test fallen viele Ecken durch

Von Marco Dittmer
Barmbek Die Sanierung der Fuhlsbüttler Straße sollte ein Vorzeigeprojekt in Sachen Stadtteil-Aufwertung werden. Schon seit Jahren wird Barmbek bei Hamburgern immer beliebter, das sollte man auch auf der Fuhle sehen.
Eine breite, helle Flaniermeile mit viel Grün und stylischen Sitzbänken sollte es sein. Doch was auf Animationen anfangs so schön aussah, entpuppt sich nun immer mehr als unpraktisch und gefährlich. Fuhle-Händler sind wütend.

Eine Autofahrerin versteht die Welt nicht mehr. Seit 60 Jahren wohnt sie an der Fuhlsbüttler Straße, kennt jede Ecke. Nun zieht sie ein Knöllchen vom Scheibenwischer ihres Kleinwagens. Das Abschleppunternehmen war auch schon auf dem Weg, das kostet mehr als einhundert Euro. So wie der Anwohnerin, die ungenannt bleiben möchte, ging es in den vergangenen Wochen vielen. Denn die Einfahrt in die Drögestraße sieht einem Parkplatz zum Verwechseln ähnlich. Der Bodenbelag setzt sich von der Straße ab, aber nicht von den angrenzenden Parkplätzen. Eine dünne, dunkelgraue Linie trennt die Parkplätze von der Einfahrt, ein Einbahnstraßenschild steht rund fünf Meter von der Fahrbahn entfernt auf dem Gehweg. Das reicht aber kaum aus. Anwohner und Händler berichten, dass die Einfahrt ständig zugeparkt ist. Zudem knallt es an der Stelle immer öfter, wenn Autofahrer die Einfahrt nicht sehen und dann im letzten Moment hart abbremsen müssen.
Ein Video des Wochenblatts beweist, innerhalb von 30 Minuten wollten drei Autofahrer in der Einfahrt parken. Sie müssen zweimal hinschauen, bevor sie ihren Fehler erkennen. Doch ist es wirklich der Fehler der Autofahrer? Klar ist, die Ausschilderung entspricht den Verkehrsregeln. Doch selbst Polizisten vor Ort bemängeln die Planung. „Wir wurden nicht gefragt und finden die Lösung suboptimal“, heißt es von Beamten des PK 31. Das soll sich jetzt ändern. „Die geschilderte Situation ist bekannt und wird in Abstimmung mit dem örtlichen Polizeikommissariat noch verbessert oder geändert“, sagt Richard Lemloh, Sprecher der Verkehrsbehörde.


Händler wütend über Stillstand


Betroffen von den Veränderungen sind vor allem die Händler an der Fuhle. Sie sind wütend über den Wegfall von Parkplätzen und dem Stillstand der Bauarbeiten. „Viele sind auf Kunden angewiesen, die auf dem Nachhauseweg kurz halten“, sagt Thomas Griesler, Fischhändler an der Fuhle. „Seit vier Monaten ist hier kaum was passiert. Die Bauzäune um die Bäume stehen immer noch“, beklagt er.

Laut Bezirk sind die sogenannten Baumscheiben Spezialanfertigungen eines Hamburger Unternehmens. Jede einzelne wird dem Wurzelwerk angepasst. Bisher ist eine vor dem Restaurant „Big Easy“ fertig. Wieviel diese maßgeschneiderten
Begrenzungen kosten, sagt die Behörde nicht. In CDU-Kreisen spricht man von „40.000 Euro pro Stück“. Für die Händler sind sie jedenfalls ein Ärgernis. „In dieser Größe nehmen sie uns wichtige Parkplätze weg“, so Giesler. Andere sprechen
schon von „Hamburgs größten Mülleimern.“



Viele Ecken der umgeplanten Fuhle erweisen sich nach der Fertigstellung als unpraktisch und zum Teil gefährlich. „Teures, helles Pflaster hat man hier verbaut. Da sieht man jeden Fleck drauf“, sagt Annette Sieckmann-Linck, Inhaberin der Elefanten-Apotheke. Der Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer plant neben den Kreuzungen Drögestraße und Diesterwegstraße nun offenbar auch die Kantsteine um. Über die Parkplatz-Begrenzungen stolpern täglich Passanten und Autofahrer. Das Wochenblatt berichtete schon im April von Stolper-Opfern mit schweren Verletzungen. Auf der Straße wird gestritten. Beim Rückwärtsausparken kreuzen Autos den Radstreifen und sehen erst spät, ob dieser frei ist. Zirkus-Werbeschilder an den Bauzäunen verschärfen das Problem aktuell noch.

Bei aller Kritik finden es die Händler aber gut, dass sich etwas verändert. Momentan ist von Aufwertung nur noch nicht viel zu spüren. Franziska Sommer, Filialleiterin beim Optiker, wartet ebenfalls auf die Fertigstellung, ist aber optimistisch. „Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird die neue Fuhle viel schöner aussehen als vorher“, sagt die 29-Jährige. Wann das ist, können allerdings weder Behörde noch Bezirk sagen. Geplant war die Fertigstellung für November 2015. (mdt)
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4 Kommentare
392
Michael Kahnt aus Barmbek | 25.05.2016 | 13:54  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 25.05.2016 | 17:27  
7
T. Hübener VCD Nord aus Barmbek | 26.05.2016 | 19:28  
59
Klaus Sebaldt aus Barmbek | 28.05.2016 | 09:44  
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