Geschichte vor der Haustür

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Reinhard Otto (Mitte mit Fotos) auf einem Stadtteilrundgang zum Osterbekkanal Foto: GW

Die Geschichtswerkstatt Barmbek lädt wieder zu interessanten Stadtteilrundgängen ein

Barmbek Geschichte wird von Menschen gemacht. Wer sich im Geschichtsunterricht gelangweilt hat, weil es immer nur um Kaiser, Könige und Kriege ging, der sollte sich vielleicht einmal mit der eigenen Vergangenheit befassen. Kurz gesagt: „Grabe, wo Du stehst!“ Das ist das Motto der Geschichtswerkstatt Barmbek. „Kiek mol“, das 38 Seiten starke Programmheft 2016 ist gerade erschienen – zum 27. Mal. Die regelmäßig angebotenen Stadtteilrundgänge sind das Herzstück der Geschichtswerkstätten. Und Barmbek hat eine Menge Interessantes zu bieten, weiß Reinhard Otto, Mitglied seit 1988 und aktiver ehrenamtlicher Mitarbeiter seit 2011. Schließlich wuchs hier Ralph Giordano auf. Sein teilweise autobiographischer Roman „Die Bertinis“ war ein Beststeller und wurde 1988 verfilmt. Sein Jugendfreund war Hans-Jürgen Massaquoi („Neger, Neger, Schornsteinfeger“). Beide hatten es aufgrund ihrer Herkunft in der Zeit des Nationalsozialismus nicht leicht. Reinhard Otto verrät eine Neuigkeit: Die neue Passage am Barmbeker Bahnhof zwischen VBG-Gebäude und dem Neubau auf dem ehemaligen Hertie-Gelände wird nach Massaquoi benannt. Dafür hat sich die Geschichtswerkstatt Barmbek eingesetzt. Es geht aber nicht nur um die bekannten Persönlichkeiten, die der Stadtteil hervorgebracht hat. Wichtig sind die großen und kleinen Geschichten aller Barmbeker. So kommen zu den einmal wöchentlich stattfindenden Beratungsstunden ganz unterschiedliche Menschen von jung bis alt. „Ich möchte eine Chronik zum 80. Geburtstag meines Vaters erstellen.“
„Haben Sie ein altes Foto der Maschinenfabrik Heidenreich & Harbeck? Meine Großmutter hat da ihre Lehre gemacht.“ Mit diesen und ähnlichen Anliegen kommen die Besucher. Aber auch: „Wir bauen hier einen neuen Supermarkt. Was stand denn eigentlich früher auf diesem Grundstück?“ Das umfangreiche Archiv der Geschichtswerkstatt Barmbek mit seinen engagierten Mitarbeitern hat auf alle Fragen eine Antwort. Darüber hinaus hat die Geschichtswerkstatt zahlreiche Publikationen herausgegeben, arbeitet mit Schulen und Universitäten, veranstaltet Ausstellungen und Lesungen. Aber auch aktuelle Entwicklungen im Stadtteil werden aufgegriffen. Interessiert? Dann „kiek mol rin“ – in das neue Heft, das ab sofort in allen Bücherhallen ausliegt, oder gleich am Wiesendamm 25/Ecke Hufnerstraße, Dienstags von 14 bis 19 Uhr. Unter www.hamburger-geschichtswerkstaetten.de kann das Heft auch heruntergeladen werden. (ruh)

Auf den Spuren der „Bertinis“, 23. April, 14 Uhr, Rübenkamp bis Langenfort, Sonntag, 1. Mai, 14 Uhr, Kostenbeitrag jeweils 5 Euro. Die große Kanalfahrt am 30. Mai ist bereits ausverkauft. Nächster Termin: Montag, 12. September, 18 Uhr, Kostenbeitrag 22 Euro. Infos: www.geschichtswerkstatt-barmbek.de
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