Große Hanseaten mit Geschichte(n)

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Erinnerung an Hamburgs ersten Sozialdemokraten in der Bürgerschaft: Der Otto-Stolten-Hof an der Stammanstraße
 
Autor Gerd Otto-Rieke erinnert mit seinem Buch an berühmte HamburgerFotos: Alabasta Verlag

Gerd Otto-Rieke erinnert im Buch „Gräber in Hamburg“ an berühmte Persönlichkeiten

Hamburg-Nord. Der November ist der Monat der Trauer – zumindest kalendarisch: Am 17. wird der Volkstrauertag begangen, am 20. November ist Buß- und Bettag, am 24. steht Totensonntag im Kalender. Die passende Zeit für das neue Werk von Gerd Otto-Rieke: Im Buch „Gräber in Hamburg“ (Alabasta Verlag, 14,90 Euro) erinnert der Autor an Menschen, die in der Stadt und darüberhinaus ihre Spuren hinterlassen haben.
Beispielsweise an Otto Stolten, dessen Einsatz für sozialen Wohnungsbau noch heute in Winterhude („Otto Stolten-Hof“) sichtbar ist. Und an Antikriegs-Literat Wolfgang Borchert, an den unter anderem eine Tafel am Eppendorfer Marktplatz erinnert.

Otto Stolten (1853-1928)

Politik war in Hamburg traditionell Sache von angesehenen, wohlhabenden und gut vernetzten Familien. Erst 1901 zog mit Stolten der erste Sozialdemokrat in die Hamburgische Bürgerschaft ein. Er wurde mit 184 Stimmen in Hammerbrook gewählt – dem einzigen von 37 Bezirken, in denen die SPD Kandidaten aufgestellt hatte. Bis 1904 saß Otto Stolten, gelernter Schlosser und Maschinenbauer, allein unter Konservativen, erst dann bildete sich mit 13 Sozialdemokraten eine eigene Fraktion. Stolten gehörte bis 1927 der Bürgerschaft an und bekleidete von 1919 bis 1925 das Amt des Zweiten Bürgermeisters. Zudem war er von 1913 bis 1918 Abgeordneter im Reichstag, 1919/20 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung sowie von 1920 bis 1924 Mitglied des Reichstags der Weimarer Republik.
Seit 1925 verleiht Hamburg die „Bürgermeister-Stolten-Medaille“ als höchste Bürgerehrung nach der Verleihung der Ehrenbürgerwürde. 1928/29 wurde der Otto-Stolten-Hof in der Jarrestadt errichtet, ein frühes Beispiel des sozialen Wohnungsbaus.

Wolfgang Borchert (1921-1947)

Der Schriftsteller Wolfgang Borchert hatte eine Buchhändlerlehre und Schauspielunterricht absolviert und wurde 1941 zum Kriegsdienst eingezogen.
Beim Fronteinsatz in Russland wurde er verwundet und erkrankte an Hepatitis. Nach dem Krieg versuchte er, in der Theater- und Kabarettszene Fuß zu fassen, schrieb auch Erzählungen und Gedichte. Mit 26 Jahren erlag er seiner Leberkrankheit.
Der deutschen Literaturepoche, die 1945 begann und sich bis Anfang der 1950er Jahre fortsetzte, wurde der Begriff „Kriegs-, Heimkehrer- und Trümmerliteratur“ angehängt. Sie ist vom Zusammenbruch der Städte, von zerstörten Familienstrukturen und den Traumata des Krieges geprägt, bedient sich einer lakonischen Sprache, war um Realismus und Wahrhaftigkeit bemüht. „Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“ lautete der Untertitel eines der berühmtesten Werke dieser kurzlebigen Zeit: „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert wurde 1947 zunächst vom Nordwestdeutschen Rundfunk als Hörspiel gesendet, dann in den Hamburger Kammerspielen unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner uraufgeführt und 1948 von ihm unter dem Titel „Liebe 47“ verfilmt.
Das stark expressionistisch beeinflusste Bühnenstück wurde in viele Sprachen übersetzt und hat von allen Werken Borcherts die stärkste Nachwirkung. (wb)
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